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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 1 · p. 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 1
Article
Die Legion der Arbeit
Date
1921-01-01
Page
8 (sequence 8)
Language
German
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8 Walter Prcuss: sie die geschlossene Wirtschaftseinheit darstellt, die zugleich die nötige Zentralisierung und Stoßkraft verbürgt. Der Gdud stellt sich auch weiterhin das Ziel, keine abgeschlossene Gemeinschaft, sondern ein Erziehungskörper für möglichst viele ins Land kommende Olim zu sein: er wird auch weiterhin „Außenpolitik" treiben: und doch wird der Gdud ohne die große Kommune nicht existieren können. Dieser Versuch, auf dem Boden Gideons, an den Quellen Ein Charods, die große Siedlung zu schaffen, ist wohl der schöpferischste Gedanke der neuen Arbeiterbewegung im Lande. Hier soll der Versuch gemacht werden, auf Grund landwirtschaftlicher Urproduktion und zugleich mit ihr eine Industrie zu schaffen, die in gegenseitigem Ausgleich, im wesentlichen ausreicht, die Bedürfnisse der Siedlung zu befriedigen, ein Ziel, das von keiner Gruppe im Lande auch nur angestrebt wurde, da sich alle in Abhängigkeit vom Markte befinden und befinden werden. Und diese ökonomische Abhängigkeit hat bisher in Palästina die landwirtschaftliche Entwicklung verhindert, weil die Preise fallen, die industrielle, weil die arabische Wirtschaft kein Absatzgebiet darstellt, die politische, weil diese Abhängigkeit eben zwingt, zur billigeren Arbeit zu greifen. Diese große Kommune ist kein Projekt mehr, sondern die Zentrale des Gdud. In Tel Joseph, auf fruchtbarem Boden, entsteht die landwirtschaftliche Kommune, i Stunde davon in Charod das neue Industriedorf. Kaum i 72 Jahre ist die Kommune alt: und bereits heute fließt nur noch der Betrag von i3/« nach außerhalb (bei einem Existenzminimum der Arbeiterschaft von j£ 5 im Monat). Große Flächen Getreidebodens sind bereits gepflügt und besät, Tausende von Bäumen gepflanzt, Weinberge, Bananenhaine, Baumschulen angelegt, große Mengen Viehs befinden sich in Tel Joseph; Bäckerei, Wäscherei, Schneiderei, Schusterei, mechanische Tischlerei, Schlosserei, Schmiede in Ein Charod in vollem Betrieb; ein eigenes Krankenhaus, sowie ein Kinderheim sind errichtet. Sogar ein kleines Museum, in dem die wichtigsten Pflanzen und Tiere sowie die notwendigsten Produkte systematisch zusammengestellt sind (z. B. gibt es eine graphische Darstellung der Zusammensetzung des Ein Charoder Brotes, Proben der wichtigsten Ledersorten, der Steinarten, Reptilien im Galil und vieles andere mehr) zeugt von dem systematischen Geiste, der in Gdud am Werke ist. Das Land wird dräniert, die Quellen werden gefaßt: es gibt vielleicht kein erhebenderes Gefühl, als am Abhang dieser ernsten, gewaltigen, solange stummen Berge auf die neue Kommune niederzusehen. Die Planhaftigkeit, der bewußte Wille zur Schöpfung, das ist es, was hier ist und sonst in Palästina fehlt: darum ergreift die Idee, bei den vielen Problemen und Mängeln im einzelnen, von denen noch zu sprechen sein wird, so gewaltig. Es ist ein Versuch, mit großen Mitteln Großes zu leisten, nicht wie die kleine Gruppe immer abhängig von den Zufällen des Marktes und des Menschenmaterials zu sein, sondern unabhängig die große Siedlung zu schaffen, die es ertragen kann, daß viele Menschen unfähig sein werden, in ihr auszuharren, weil immer ein Stamm von Bauenden da sein wird. Die Position

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