Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Legion der Arbeit
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Legion der Arbeit 5 Tat ein Ausweg aus dem Getriebenwerden ermöglicht wird. War er durch Trumpeldor, dessen Namen er wie ein geheiligtes Banner vor sich trägt, gedacht als die Armee, die Vorhut, die das Land durch Arbeit verteidigt und erobert, so ist*er über das Anfangsziel herausgewachsen. Das Häuflein von Menschen, das mit Trumpeldor ins Land kam, erkannte bald, daß im Gedanken des Gdud die Zusammenfassung der Gesamtarbeiterschaft liegt: in der Gesamtorganisation galt es zu wirken, es dahin zu bringen, daß der Gdud von innen her einmal die Gesamtorganisation ^ein werde, was man, ohne es auszusprechen und vielleicht auch ohne klar kaum zu wissen, immer im Tiefsten erstrebt hatte. So hat der Gdud an der Schöpfung der Gesamtorganisation lebhaft teilgenommen. Aber die Gesamtorganisation bildete nur einen Schritt in der „Außenpolitik" des Gdud. Der entscheidende Gedanke jeden Wirkens des Gdud bildete der „Kibusch Awodah", der Gedanke der schöpferischen Arbeit der Arbeiterschaft. Die Masse der neuen Einwanderer sammelte sich bei den öffentlichen Arbeiten: und wieder wurde der Gdud einer der Förderer des Gedankens der Arbeit in eigener Regie durch die Arbeiterschaft. Doch nicht der Gdud selbst, damals ein Häuflein von Menschen, konnte allein der Träger dieser Idee werden, sondern nur ein reine'r Zweckverband, wie - es der „Misrad l'Awodoth ziburioth" ist (s. „Jude", VI. Jahrgang, Heft 10) ist. Aber es kam ganz selbstverständlich dahin, daß der Gdud einerseits gerade im „Misrad" die Möglichkeit einer starken Ausbreitung fand, andererseits selbst wieder im „Misrad" entscheidend wirkte. Die Interessen des Misrad und des Gdud, die beide in der Selbstarbeit der Arbeiterschaft die Grundlage der aufbauenden Entwicklungsehen, sind biszu einer gewissen Grenze dieselben, nämlich soweit, als der „Misrad" nur die Ideen der Selbstarbeit verwirklicht. Der Gdud ist aber mehr als ein Zweckverband, er ist eine Bewegung mit Erziehungszielen. Und wo diese Erziehungsziele mit der harten Wirklichkeit, der sich der Zweckverband „Misrad" irgendwie anpassen muß, in Widerspruch gerät, wird der Gdud auf die Arbeit in seinen eigenen Reihen, auf die innere Politik, zurückgeführt. Denn die wesentliche Forderung, die der Gdud im Misrad zuerst erweckte, die des Ausgleichs der Löhne und Gewinne der Gesamtarbeiterschaft, entsprang folgerichtig dem Gedankenkreis der Gemeinschaftserziehung. Wahre Gemeinschaft ist erst dann möglich, wenn keinerlei egoistischökonomische Forderungen aus der Tatsache der Arbeit abgeleitet werden. Wahre Gemeinschaft kann überhaupt nur in der Kommune existieren. Andererseits müssen die Grundbedingungen der Arbeit so gestaltet sein, daß eben eine Gleichheit des Lebens auch erreicht wird. Und so bestand der dritte Gedanke, den der Gdud nach außen hin zu erkämpfen suchte, in der Durchsetzung der „Haschwaath hamechirim", in ihrer kühnsten, utopischesten Gestalt so gedacht, daß für die gesamte Arbeiterschaft des Misrad eine Ausgleichung aller Bedingungen und Gewinne stattzufinden habe. Für diesen Gedanken, der aus der unerträglichen Erkenntnis geboren wurde, daß auch innerhalb der Arbeiterschaft bereits unverdiente