Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Legion der Arbeit
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 Walter Preuss: Der Gedanke, der wohl im Mittelpunkt der gesamten heutigen Anschauungswelt des Gdud steht, ist der: nicht die einzelne kleine, abgeschlossene, sich abschließende Gruppe ist von wirklicher Bedeutung für den Aufbau, sondern die große, umfassende, aber streng und zentral geführte Erziehungsorganisation, die nicht, durch Gefühl, Freundschaft oder andererseits durch Zufall zusammengeführt wird, sondern durch den zentralen Trieb zur Eroberung des Landes mit produktiver Arbeit. Der Gdud war nicht von Anfang an, aber ist heute ein, und vielleicht der einzige Bund, der bewußt einen großen Kreis von Menschen erziehen will, nicht nur einen eng begrenzten von Freunden. Das zentrale menschliche Problem ist auch in Palästina ein Erziehungsproblem, und zwar ein dreifaches: i. Erziehung als Problem der Ausbildung zum Facharbeiter, 2. Erziehung zum Bewußtwerden der schöpferischen Aufgaben der Chaluziuth und 3. Erziehung zum Leben in der Gemeinschaft. Alle diese Aufgaben können weder erfüllt werden durch die weite, politische und gewerkschaftliche Arbeit verrichtende Organisation der Histadruth ha klalith, die niemals Erziehungsorganisation sein kann, noch durch die enge Gemeinschaft (ganz abgesehen von den vielen einzelnen Gruppen im Lande, die sich gar nicht erst solche Ziele gesetzt haben). Der Gdud stellt den Versuch dar, einen großen, immer > größer werdenden Kreis von Menschen zu umfassen und durch das Leben in Arbeit zu erziehen (wie weit diese Erziehung dem Gdud gelungen ist, davon später). Und nun das Entscheidende, was dem ganzen Leben in Palästina diesen Zug lebendiger Frische gibt: die Grenzen dieser Bewegung werden gesteckt nicht durch irgendwelche Prinzipien (trotzdem andererseits Prinzipien im Gdud aus der Natur der Aufgabe entspringen), sondern durch die Arbeit selbst. Wie es Ziel dieser Bewegung ist, alle Arbeitenden zu umfassen, so doch nicht durch das äußerliche Charakteristikum der Arbeit überhaupt, sondern durch das der eigenen Arbeit des Gdud. Der Gdud erstrebt die Produktivierung aller Kräfte durch schöpferischen Aufbau in eigener Verantwortung. Aller Kräfte; und das ist wiederum ein Glied in der Auffassung des Gdüd. Zu „allen Kräften" gehört ebensosehr die äußere Kraft der produktiven Arbeit und des produktiven Aufbaus wie die Entfaltung der inneren Kräfte einer auf neuen Prinzipien gegründeten Menschheitsordnung. Wir haben'schon zu zeigen versucht, wohin gerade in Palästina die Tendenzen des freien Wettbewerbes und der isolierten Privatindustrie führen (die Leser des , Juden" kennen die Rubaschowschen Ausführungen über die „Privatinitiative" der Bojarenbesitzer in den alten Kolonien): aus diesen Erfahrungen heraus gipfelt die Aufgabe des Gdud in zweierlei: in der Schaffung der großen, sich selbst genügenden Kommune als erstem Beispiel eines in großem Stile begonnenen Versuches wirklichen schöpferischen Aufbaus; und zweitens in der Schaffung eines Gesellschaftssystems, das eben als Erziehungsfaktor wirkend Grundlage für das Gelingen der Kommune ist. Der Gdud ist entstanden aus der Erkenntnis der planlosen Arbeit der großen Masse der Arbeiterschaft, aus dem Wissen darum, daß nur durch