Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1921-01-01 · Heft 1 · p. 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 1
Article
Die Legion der Arbeit
Date
1921-01-01
Page
3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3101111-3101189-3101191-3107642--5717-3107660
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Legion der Arbeit 3 sinnigsten, national schädlichsten Kapitalverschwendungen ihrer Arbeitgeber, da sie eben nur ihre Arbeitskraft einzusetzen hat — und die gilt auch heute sfchon in Palästina in der harten Wirklichkeit verdammt wenig (wenn man auch im übrigen gern in Kinos die Arbeit der Chaluzim vorführt). In dieser Systemlosigkeit gilt es, jede Kraft, jede Organisation zu begreifen und zu stützen, die irgendwie planhaft baut. Stärker als jemals gilt es zu erfassen, daß der Aufbau, ja beinahe schon die Rettung des nationalen Palästinas in die Kraft der organisierten Arbeiterschaft gelegt ist. Wir haben uns bemüht, (s. Jude, Heft 10) darzustellen, wie etwa der Misrad Tawodoth ziburioth heute die einzige Institution im Lande ist, die immer von neuem Quellen und Mittel sucht, neue Wege produktiver Arbeit für die aufs trockne gesetzten Arbeiter zu finden, eine Absicht, diedem privaten Unternehmer, auch dem nationalen, recht gleichgültig ist. Im Winter liegen die Dinge so, daß es geradezu bereits die Aufgabe des Misrad ist, Mittel und Wege zu finden, die eine Fortsetzung der aus Geldmangel stecken gebliebenen Arbeiten ermöglichen, durch Vermittlung von Krediten, durch geschickte Kombinationen usw. Wird es dem Misrad gelingen, sich ein Betriebskapital zu sichern, so könnten diese Bestrebungen, wenigstens dem größten Unheil der charakterisierten Planlosigkeit der Arbeit die Spitze abzubrechen, von ganz anderer Wirkung sein. Einer vielleicht ebenso wesentlichen Zielsetzung, zumindest starker ökonomischer Planhaftigkeit, begegnen wir in den Grundgedanken und Schöpfungen des Gdud Awodah. Es ist nicht wunderbar, daß ein Großteil der schöpferischen Triebkräfte des Volkes von der Arbeiterschaft ausgehen (selbst eine Schöpfung wie Tel Awiw gipfelt schließlich im Häuserbau, dessen negative Bedeutung für die Produktivierung des Volkes wir eben skizziert haben), denn in ihr stecken im wesentlichen diejenigen Teile des Volkes, die aus rein idealistischen Antrieben herkommen; kein Teil fühlt aber auch wie sie am eigenen Leibe die Fehlerhaftigkeit des Systems. Denn der Arbeiterschaft allein wird voÄ denen, die selbst für sich keineswegs so bedenklich sind, eine Existenz über das Minimum hinaus als Zehren am nationalen Kapital angerechnet; die Arbeiterschaft. in erster Linie leidet wahrhaft unter den Krisen des unproduktiven Kapitals und verzehrt sich an der Arbeitslosigkeit. Aber auch in der Arbeiterschaft sind nur wenige sich bewußt, daß es mit eigener Kraft neu zu schaffen gilt; die Mehrzahl auch der besten Elemente unter ihnen (und wer leugnete, daß es auch andre gibt) erkennen nur, daß in der Siedlung, in der Urproduktion, schließlich in der .gewerblichen und halbgewerblichen Gartensiedlung die, Grundlage des wirklichen jüdischen Palästina liegen muß und nicht in dem, womit heute die Mehrzahl der neuen Einwanderer beschäftigt ist (Häuserbau und das, was Ben Gurion in Karlsbad „Mineralwasserzionismus" gepannt hat). Im besten Falle gibt es auch in diesen Kreisen Gruppen, denen ein anderes Leben als in produktiver Arbeit nicht nur wertvoll für sich (worauf es in diesem Zusammenhang nicht ankommt), sondern wesentlich für den Aufbau erscheint. Die Erkenntnis der Schöpfer der Gdud reicht weiter. i*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.