Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Legion der Arbeit
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 Walter Preuss: an den Häuserbau geschaffen werden, so tritt eben dadurch gerade das ein, was wir beklagten: die Krisis. Denn gerade die Bauindustrie hat nur dann eine Möglichkeit der Existenz', wenn gebaut wird, und in dem Augenblick, * wo die Bautätigkeit eingeschränkt werden muß, ist ihre Wirksamkeit untergraben. Die Bindung der Kapitalien im Häuserbau ist es aber gerade, die — als leichtester Weg des Kapitals — der industriellen Produktion das Betriebskapital entzieht; Häuserbau müßte, wie in allen gesunden Ländern, erst eine Folge der entstehenden Industrie (auch Kleinindustrie) sein, nicht ihr vorangehen. Sonst ist das ganze ökonomische Leben dauernd einer Art Chalukkah gleich; kein Privatmann in anderen Ländern würde erst das bißchen Geld, das er besitzt, dazu verwenden, sich ein Haus zu bauen, und dann, da er weiter kein Geld hat, sich hinein setzen und darin verhungern oder warten, bis der reiche Onkel eine Nedawah schickt. Dies ist nur dort möglich, wo jeder jederzeit auf Kredit lauert und, selbst verschuldet, nicht einziehbare Außenstände besitzt. Die Planlosigkeit, die aus der finanziellen Abhängigkeit herrührt, führt heute auf diesem unheilvollen Wege weiter: und wir sehen an einem konkreten Beispiel, wie sehr Privatkapitalismus dem Gemeinwohl entgegengesetzt sein kann. Das nationale Kapital ist heute in Palästina infolge seiner Kleinheit nicht mehr in der Lage, die Richtung des Aufbaus genügend zu beeinflussen; dieses Resultat ergibt sich logisch genug. Zu diesen Wirkungen, die im einzelnen zu belegen nicht schwer, aber hier nicht am Platze ist, gesellen sich andere, die zwar nicht direkt mit der Tatsache der ökonomischen Machtlosigkeit der zielhaft aufbauenden Kräfte, aber mit dem inneren Prinzip desjenigen Gewerbes zusammenhängen, in das heute die wesentlichsten Energien hineingesteckt werden, mit dem Prinzip des Baugewerbes. Das Baugewerbe ist auch in Palästina ein Saisongewerbe, d. h. die Abhängigkeit aller in ihm Beschäftigten von äußeren Faktoren wird noch vergrößert. Dazu kommt, daß das Baugewerbe nicht wie andere Industrien fortlaufend für immer vorhandenen Bedarf zu sorgen hat, sondern viel leichter. Krisen ausgesetzt ist, da eine Unterbrechung der Bautätigkeit immer möglich ist, ja in Palästina gerade notwendig eintreten muß, wenn nicht andere Faktoren von außen her, starke Industrialisierung usw., dem Rade, das sich nicht selbst in Schwung erhält, einen neuen Antrieb geben. Aus all dem ergibt sich die Situation der Arbeiterschaft von selbst. Wenn heute von etwa 15 000 jüdischen Arbeitern 7000 im Baugewerbe tätig sind, so lauert die Gefahr der Krise, zumindest der Saisonarbeitslosigkeit, wie ein Gespenst dauernd über ihrem Haupte. Die Arbeiterschaft, ohne Kapital und Besitz, wird am stärksten in die Krise mit hineingerissen, die aus der Planlosigkeit des Aufbaus entsteht (es handelt sich hierbei nicht um System und Schuld, das sei den ökonomischen Kindsköpfen von Binjan haarez gesagt, sondern um die fatale Einflußlosigkeit des nationalen Kapitals, die aus der Geringfügigkeit der Mittel entspringt). Sie muß am willenlosesten jeder Wendung der Aufbaukräfte folgen, ist Dienerin aller, auch der un-