Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Legion der Arbeit
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3101111-3101189-3101191-3107642--5715-3107658- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
WALTER PREUSS / DIE LEGION DER ARBEIT (GDUD AWODAH) Das soziale Leben Palästinas leidet darunter, daß infolge der ökonomischen Bedrängnis aller Institutionen, privater und öffentlicher, die Bewegungsfreiheit sozialer Gestaltung empfindlich gehindert wird. Es ist in viel geringerem Maße als früher möglich, die Dinge so zu formen, wie sie vernünftigen Geboten wirtschaftlichen Äufbaus entsprechen; man ist gezwungen, dem Gesetz des geringsten Widerstandes zufolge diejenigen Mittel zu ergreifen, die geeignet sind, die dringendsten Bedürfnisse zu befriedigen. Symptomatisch für diese ganze Entwicklung ist z. B. die Tatsache, daß alle schaffenden Energien in den städtischen Aufbau gedrängt sind, während die landwirtschaftliche Siedlung allen richtigen Erkenntnissen vom Wesen nationalen Aufbaus zutrotz nicht entsprechend vorwärts schreitet. Man gewöhnt sich daran, die Energien dort abzuladen, wo es der herkömmlichen Psychologie, der unmittelbaren Erfolgsmöglichkeit und der greifbaren Philisteranschauung am leichtesten dünkt. Die finanzielle Katastrophe, denn von einer solchen läßt sich bald reden, wirkt sich in einem unheilvollen Kreislauf aus: sie drängt die Aufbauarbeit vom produktiven Wege ab in leichter zu erreichende, weil scheinbar unmittelbar profitbringende Seitengassen; dadurch wird in Wirklichkeit aber ein Scheingebilde geschaffen, das selbst wiederum automatisch alle in ihm steckenden Energien nach außen leitet, statt sie zu weiterer direkter Aufbauarbeit zu verwenden« So wirkt gerade dieses Sichtreibenlassen, diese ökonomische Ziellosigkeit, dieses Ansetzen ungenügender Mittel in nächstliegenden, unzielhaften Gebilden sich selbst entgegen; das ganze Gebäude, statt von unten her kraftvoll sich zu entfalten, wird auf zielloser und unzureichender Kreditbasis erbaut; und da kein innerer Kreislauf entsteht, entweicht nach außen hin die Zirkulationsenergie; ein Kreditgebäude türmt sich auf dem andern: und führt man nicht dauernd neue Energien hinzu, bleibt die ganze Karre einfach stehen. Diese Krisis liegt wie ein grauer Schatten über dem ganzen ökonomischen Leben; sie bedroht im wesentlichen den schwächsten Faktor, die Arbeiterschaft. Gerade die Massen der Besitz- und Kapitallosen empfinden diesen Druck in ungeheuerstem Maße. Es entspricht durchaus der unproduktiven sozialen Erziehung des jüdischen Mittelstandes, die Kapitalien zunächst in die nächstliegende Industrie, in das Baugewerbe, hineinzustecken. Zugegeben, daß der Mangel an Wohnungen sehr groß ist, so ist es ökonomisch doch wesentlich bequemer, sich ein Haus bauen zu lassen, als industriell produktiv zu schaffen. Zugegeben, daß Bauindustrien im Anschluß Heft 1. I