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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 12 · p. 775

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Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 12
Article
Zur Geschichte der Juden im Orient
Date
1921-01-01
Page
775 (sequence 6)
Language
German
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Umschau: Bibiographisches 775 Nagid-Würde (s.. Berliner und Gottheil), deren Inhaber ihre Macht, solange auch Teile von Palästina und Syrien zum ägyptischen Reiche der Fatimiden gehörten (s. Wüstenfeld), auch auf Palästina ausdehnten. Einzelne Perioden der Geschichte der Juden in Aegypten wurden hell erleuchtet durch zahlreiche Texte, Dokumente und Chroniken; von letzteren nennen wir die Chroniken des Ahimaaz (u. Jht,), des Josef Sambari (beendet 1672) und des David Conforte (der Verfasser lebte von 167.1 an in Aegypten), deren Verfasser den Juden von Aegypten ein spezielles Interesse entgegenbringen. In der Form einer versifizierten Megilla gab man Kenntnis von der den Juden günstigen Regierung des Kalifs Al-Hakim bi Amr Allah, eine Gunst, die später freilich in das Gegenteil umschlug (um 1020); über die in der Nagid-Würde einmal ausgebrochenen Streitigkeiten, deren böser Geist der von Aiaimonides entfernte Zuta war, orientiert die „Zuta- Megilla"; die Geschichte des „Furim Cairo", d. i. die Feier der Errettung der Juden aus der Hand des türkischen Vicekönigs — die Türken lösten die Herrschaft der Mameluken (s. Quatremere) im J. 1517 ab — verewigt eine eigene Megilla. Auch in den Papyrussammlungen, namentlich denen des Erzherzogs Rainer in Wien, gibt es viele auf die Juden bezügliche Texte in hebräischer Sprache. Zahlreiche Gelehrte kamen auf ihren Reisen auch nach Aegypten, so Juda ha-Levi, Benjamin Tudela, Juda al-Charisi, Josef Kaspi, Meschul am Volterra, Obädja Bertinoro, David Reubeni, im 19. Jht. Benjamin II. usw. und gaben eingehende Berichte von Land und Leuten. Zu berichten gab es genug aus einem Lande, das zum Teil der^Schauplatz der biblischen. Geschichte war, rabbinisches und hellenisches Judentum in sich vereinigte, Juden aus aller Herren Länder besaß, nicht minder Samaritaner und Karäer, die hier sehr stark vertreten waren und uralte Synagogen besaßen, die selbst schon ein Stück Geschichte bilden. Die Wirksamkeit eines Maimoni des, in dessen Familie auch die Nagid-Würde erblich war, machte Aegypten (Ende des 13. Jahrhunderts) zum Mittelpunkte des Judentums; andere große Rabbinen und Gelehrte folgten nach, deren Schriften eine reiche Ausbeute auch geschichtlichen Stoffes bieten. Auch die Kabbala — durch Isaak Luria — und die Umtriebe des Sabbathai Zebi nahmen hier ihren Anfang. Dennoch zählt Aegypten schon lange nicht zu den kräftigsten Zweigen des Judentums, und auch der Zahl nach kommt den ägyt. Juden im Gesamtjudentum keine Bedeutung zu. Abjathar-Megilla, JQR (= Jewish Quarterly Review) 15, 73; s. dazu Bacher, Ein neuerschlossenes Kapitel der jüd. Geschichte, J0R 15, 79ff.; neuestens: S. Poznanski, Die Anfänge des palästinenslchen Gaonats, in Festschrift A. Schwarz, Berlin u. Wien 1917. Achima-az -und Sambari (letzterer im Auszug) ediert in Neubauers Mediaeval Jewish Chronicles 2 bezw. 1, Sambari auch bei Berliner, Quellenschriften zur jüd. Gesch. u. Lit. I. Aus Jeseph Sambari's Chronik, Frankf. a. M. 1896. A. Berliner, Die Nagid-Würde, in Magazin für die Wiss. d. Judent. 17, 40 ff. O. Bertinoros Reiseberichte (zwei Briefe) edierte und übersetzte Neubauer im Jahrbuch für d. Gesch. d. Juden u. des Judent. Bd. 3, Leipzig 1863. Auch im Sonderabzug. D.Conforte, Qore ha-Doroth, ed. D.Cassel, Berlin 1846 (dieses Werk und manch anderes, das hier genannt wird, ist auch für die Geschichte anderer Länder und Zeiten zu gebrauchen). R. .Gottheil, Artikel Egypt (besonders zu empfehlen!) in Jewish Enc. 5, 60—73. Maimonides, was Aegypten betrifft, s. jetzt Eppenstein im Sammelwerke „Moses ben Maimon", Bd 2, Leipzig 1914, ferner von demselben: Abr. Maim., Jahresbericht des Rabbiner-Seminars, Berlin 1914, S. 12—25. J. Mann, The Jews in Egypt and in Palestine under the Fatimid Caliphs, Oxford 1920. Quatremere, Histoire des Sultans Mamlouks, Paris 1837—41, 4 Teile. Rainer: Mitteilungen der Sammlung der Papyrus Erzherzog Rainer, Wien 1892, Reubeni ist ediert in Neubauers Mediaeval Jewish Chronicles, Bd.~2. S. Schechter, Saadyana, Geniza Fragments, Cambridge 1904. M. Volterras Reisebericht ist abgedruckt in Luncz' Jerusalem Bd. 1. Wüstenfeld, Gesch. der Fatimiden-Kalifen, Göttingen 1881. 8. Die Berberstaaten (Tripolis, Tunis, Algier, Marokko) sind zum Orient zu zählen, da sie mit ihm die islamische Kultur und auch die Geschichte gemeinsam haben; in geographischer Beziehung jedoch liegen sie vom eigentlichen Orient im Westen, und wird auch dieses ganze Nordafrika von Arabern und Juden „Maghreb" d i. Westen genannt. ' Die Geschichte dieser vier Staaten selbst verläuft freilich nicht immer einheitlich, und auch die Juden waren und sind in ihnen verschieden gestellt. An wirklich jüdischen Geschichtsquellen in diesen Ländern fehlt es durchaus, wenn man nicht eine dürre Namenliste von Orten, in denen Juden gewohnt haben (REJ 5, 249)» als solche ansehen will. Aber bis in die Neuzeit hinein hat es hier ein pulsierendes jüdisches Leben gegeben, und die Verbindungen der Juden reichten einesteils bis nach Babylonien, Palästina und Aegypten, anderenteils bis nach Spanien und Portugal, soweit diese muslimisch waren. Als Mittelpunkt dieses-Lebens, etwa bis zum 11. Jht., kann die Kalifenstadt Kairuwän gelten, aus der wir eine große Anzahl von Gelehrten und Werken kennen (s. Poznanski). Mit der gegenüberliegenden Küste von Spanien, auch schon früher verbunden, setzt sich seit den Verfolgungen

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