Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Zur Geschichte der Juden im Orient
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 776 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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776 Umschau: Bibliographisches vom J. 1391 und 1492 bezw. 1495 die Geschichte der spanischen und portugiesischen Juden eigentlich in diesen Gegenden fort, vermengt sich dann mit der Geschichte der übrigen Juden des türkischen Reichs, das Vom 16. Jht. an auch diese Gegenden beherrschte, um mit dem Reich selbst allmälig in Verfall zu geraten, Moderne Darstellungen der Lage dieser Juden schrieben L. Addison, S. Krauss und B. Toledano. L Addison, The present State of the Jews in the Barbary States, London 1675. S, Krauss, Artikel Africa und Barbary States in Jewish Ena, wo auch Literatur und Hinweis auf die Einzelartikel Algeria, Marocco, Tunis. S, Poznanski, Ansehe Kairuwän (auch unter franz. Titei: Esquisse historique sur les Juifs de Kairouan), Warschau 1909 (SA aus Harkavy-Festschrift), M. Toledano, Ner ha-Maarabh, Jerusalem 1912 (handelt über die Juden in Marokko). 9. Die meisten der oben berührten Ländergebiete gehörten zu einer Zeit zu dem einst mächtigen Reich der Türken, doch haben wir mit diesem Reiche erst seit Mitte des 14. Jhts. zu rechnen. Den Vertriebenen aus der iberischen Halbinsel wurde die Türkei zur schützenden Heimat, und nirgends hatten es die Juden im 16. und 17. Jht. so gut als in der Türkei. Die Literatur, die unter den türkischen Juden erwachte, legt davon Zeugnis ab. Doch war es vorerst ein italienischer Jude, Elia Capsali, der die Geschichte der Osmanen schrieb; dasselbe tat auch Josef ha-Kohen aus Avignon; ersterer mehr aus jüdischem, letzterer aus allgemeinem Standpunkte. Hier ist auch zu nennen G edalj a ibn Jachja, der, lange Zeit in türkischen Ländern wohnhaft, in seiner Chronik „Kette der Tradition" die türkischen Verhältnisse besonders berücksichtigte. Wie schon Obadja Bertinoro (s. oben), schildert auch Isaak Zarfathi. das Leben der Juden in der Türkei als überaus glücklich. Zur Geschichtsschreibung trug auch Samuel Schullam bei, der 1566 Abr. Zacutos Chronik herausgab und des Abul-Farag „Historia Dynastiarum" fortsetzte. SalomonAlgazl schrieb ein Compendium der Chronologie. Moses Almösnino schrieb, in spanischer Sprache, über „Ende und Größe Konstantinopels". Ueber anderes, z, B. über die Leiden, die die Juden von der wilden Schar der Janitscharen auszustehen hatten, belehren uns die rabbinischen Gutachten oder Responsen, die in diesem Lande und um diese Zeit zahlreich sind. Ueber die kabbalistischen und messianischen Bewegungen sind wir unterichtet aus den Schriften der Helden selbst, eines David Reubeni (s. oben), Salpmon Molcho, Josef Karo, Isaak Lurja (s. oben), Chajjim Vital usw. Die größte Bewegung, die des Sabbathai Zevi (s. oben), hat ungemein viele Darsteller gefunden, von denen wir, aus älterer Zeit, bloß die Schrift des Emanuel Frances, aus jüngerer Zeit die des David Kahana und A. Freimann erwähnen. In denselben Schriften ist auch von den Sektariern dieses falschen Messias, insbesondere auch , von den Dönmeh,. die Rede. Nächstdem rief nur noch die Affäre von Damaskus (Blutbeschuldigung 1840) eine große.Bewegung hervor, eine Affäre, in der die Zustände in der Türkei wieder einmal lebhaft erörtert wurden. S. Algazl s. Steinschneider, Catalog. BodL Spalte 2277. M. Almösnino, Extremos y grandezas de Constantinopla, Madrid 1863. E. Capsali, Seder Elijahu Zuta oder Debe Elijahu, in Ms. vorhanden; reiche Auszüge, daraus gab M. Lattes unter dem Titel Liqqutim Schonim, Padua 1869. .Neuestens s. N. Porges in REJ 73. Auch ein anderes Buch des E. Capsali, Noam Hoblim, enthält innerjüdische geschichtliche Notizen. E. Frances, Zebi Muddach (= der verstoßene Hirsch), herausgegeben durch die Meqize Nirdamim, Berlin 1885. Andere Literatur s. bei Graetz Bd. 10 Note 3 und in Jewish Enc. 11, 225. A. Freimann, Auf Sabbathai Zebi bezügliche Dinge (hebräisch), ed. Meqize Nirdamim, Berlin 1912. G. ibn Jachja, Schalscheieth ha-Qabbalah, Venedig 1857 und oft gedruckt. Josef ha-Kohen schrieb eine „Chronik der Könige Frankreichs und der Könige des ottomanischen Hauses der Türkei" in hebr. Sprache, Amsterdam 1833. D. Kahana schrieb (hebräisch) „Zur Gesch. der Kabbalisten, Sabbathäer und Chasidlm", Bd. 1, Odessa 1913. J. Zarphathi, Brief im Ms. in Paris; s. Graetz Bd 8 Note 6. 10. In Anbetracht der großen Wichtigkeit des türkischen Reichs für die Geschichte der Juden seien hier noch einige Werke verzeichnet, aus denen teils die allgemeine, teils die jüdische Geschichte dieses Reichs mit Nutzen studiert werden kann. M. Franco, Essai sur Thistoire des Israelites de TEmpire ottoman, Paris 1897. Hammer-Purgstall, Gesch. des osman. Reiches, neue Ausg. Pest 1840, 4 Bde. (veraltet). Hertzberg, Gesch. der Byzantiner und des osman. Reiches, Berlin 1884. S. A. Rosanes, Gesch. der Juden in der Türkei (hebräisch) vom J. 1380—1520, Husiatln 1907. Zimmerer im 5. Bde. von Helmonts „Weltgeschichte", Leipzig. Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Gustav Krojanker, Berlin. — Jüdischer Verlag, Berlin. Druck von Zahn & Baendel, Kirchhain N.-L.