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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 12 · p. 774

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Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 12
Article
Zur Geschichte der Juden im Orient
Date
1921-01-01
Page
774 (sequence 5)
Language
German
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774' Umschau: Bibliographisches F. Lazarus, Die Häupter der Vertriebenen; in Brülls Jahrbücher 10, Frankf. a. M, 1890. S. Pinsker, Liqqute Kadmonijjoth, Wien 1860 (Hauptschrift über Karäer). S. Poznanski, Babylonische Geonim im nachgaonäischen Zeitalter, Berlin 1914 (Schrift der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, Bd. IV Heft I. 2). Scherira, brauchbar ediert bei A. Neubauer, Mediaeval Jewish Chronicles Bd. 1, Oxford 1887; am besten von B. Levin (Haifa 1921). Französisch: Epitre historique du R, Scherira Gaon . . . par L. Landau, Anvers 1904. G. Weil, Gesch. der Chalifen, Mannh. u. Stuttg. 1846—51, 3 Bde. — Gesch. der islamitischen Völker von Mohammed bis zur Zeit des Sultans Selim, Stuttg. 1866. 4. Persien. Dieses einst mächtige Land war geraume Zeit hindurch nichts als ein allerdings loser Bestandteil des Kalifenreiches. Aus dem 9. Jahrhundert erfährt man einiges über die persischen Juden aus dem allerdings fabelhaften Reiseberichte des Eldad ha-Dani, aber auch in der späteren Zeit gibt es kein selbständiges jüdisches Werk, welches wir hier nennen könnten, es sei denn das im Jahre 1339 verfaßte, von Bacher herausgegebene hebräisch-persische Wörterbuch, das aber nicht im eigentlichen Persien, sondern in Gurgang (Provinz Chwärezm) geschrieben wurde und nur wenig geschichtliche Notizen enthält. Erst Schah Abbas I. der Große machte Persien einen Nationalstaat, und von da an aus gab es in diesem Lande viel Judenbedrückung und Judenverfolgung. Abbas I. brachte es 1617 dahin, daß sich viele Juden seines Reichs zum Islam bekennen mußten; unter Abbas II. (1642—67) fielen durch 6 Jahre noch ärgere Verfolgungen vor. Wir kennen sie von einem fast gleichzeitigen französischen Reisenden,T h e v e n o t, doch ungenau, während ein gleichzeitiger, jüdischer Dichter, Babai b. Lutf, dessen poetische Chronik von Bacher bearbeitet wurde, uns die genauesten und merkwürdigsten Dinge über diese Verfolgung mitteilt. Ein Nachkomme dieses Dichters, Babai b. Farchad, erzählt uns, ebenfalls in poetischem Gewände und von Bacher bekannt gemacht, die Vorgänge unter Tahmasp dem „Afganen", der, solange er mit dem Schah Aschraf im Kampfe lag, die Juden verfolgte und erst, als er Schah geworden, ihnen erlaubte, zu ihrer Religion zurückzukehren "(1725). Aehnliche Wutausbrüche, wie sie in diesen Chroniken geschildert werden, fielen bis in die jüngste Zeit vor, doch kennen wir sie bloß aus gelegentlichen Berichten von Reisenden und Zeitungen. An Reisewerken, die auch für die Juden wichtig sind, verzeichnen wir die von Chardin, Polak und Curzon. W. Bacher, Ein hebr.-pers. Wörterbüch aus dem 14. Jahrhundert, 23. Jahresbericht Landesrabbinerschule in Budapest, 1900. Bacher, ~Les Juifs de Perse au XVII« et au XVIII6 siecles d'apres les chroniques poetiques de Babai* b. Loutf et de Babai b. Farhad (SÄ aus REJ LI) Straßburg 1907. J. Chardin, Voyages en Perse et autres lieux de l'orient (1664 ff.), Amsterdam 1711 und 1735. Zweite Aufl. Paris 1811. Deutsche Uebersetzung Frankfurt a. M. 1780. Curzop, Persia and the Fersian question, London 1892, 2 Bde. J. E. Polak, Persien, das Land u. seine Bewohner; ethnographische Schilderungen; Leipzig 1865. de Thevenot, Reisen in Europa, Asia und Africa (1655 f.). Aus dem Französ. Frankf. a. M, 1693, 4 Teile. 5. Indien. Zahl und Bedeutung der Juden in Indien ist gering. Sie sollen 379 n. Chr. nach Cranganore, später nach Cochin gekommen sein, wo ihnen von dem damals regierenden König Freiheiten gewährt wurden, die auf sorgsam gehütete Erztafeln geschrieben wurden. Der Text dieser Tafeln (in Tamil- Sprache) und dessen Uebersetzungen sind oft veröffentlicht worden. Eine eigene Literatur besitzen diese Juden nicht, weder die sogenannten weißen (Bene Israel) noch die schwarzen Juden, und so ist alles über sie nur aus Reiseberichten zu holen. Beste Zusammenstellung in den unten genannten Artikeln. Cochin und India in Jewish Encyclopedia. 6. Noch weniger ist zu sagen über die wenigen, fast ausgestorbenen Juden in China. China in Jewish Encyclopedia (wo auch Literatur) Monatsschrift für Gesch. u. Wiss. d. Jud. Bd. 7, 37, 39. G; A. Kohut, Correspondence between the Jews of Malabar and New York a Century ago, in desselben Studies (s. w. u.), S. 420—434 (hier auch große Literatur). G. Oppert, lieber die jüd. Colonien in Indien (deutsch) in Kohut Semltic Studies, Berlin 1897, S. 366—419. « 7 Aegypten ist das Wunderland auch in Bezug auf jüdische Geschichte. Alles, was wir Neues wissen über die Länder des Orients, also außer Aegypten auch über Palästina, Babylonien und selbst Nordafrika (Kairuwän) etc., kommt aus der Geniza (Rumpelkammer) einer Synagoge in Kairo. Die Genizaschätze wurden bearbeitet von Neubauer, Harkavy, Schechter, Hirschfeld, Margoliouth, Kautmann, Poznanski, I. Levi, J. Mann, B Levin, J. N. Epstein, L. Ginzberg, I. Davidson und vielen anderen, deren Werke und Arbeiten, soweit zerstreut in allen Fachzeitschriften, hier nicht aufgezählt werden können. Doch seien genannt Schechters auf Saadja (S. stammte aus Aegypten) bezügliche Sammlung, ferner die von ihm entdeckte „Abjathar Megillah", die für uns ein neues Kapitel der jüdischen Geschichte erschloß, nicht zuletzt die überraschende Tatsache, daß es auch In Palästina ein Gaonat gab (s. Poznanskis Arbeiten). In Aegypten selbst bestand Jahrhunderte hindurch die

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