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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 12 · p. 773

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Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 12
Article
Zur Geschichte der Juden im Orient
Date
1921-01-01
Page
773 (sequence 4)
Language
German
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Umschau: Bibliographisches 773 Es ist begreiflich, daß das heilige Land, da es eine geschichtliche Rolle nicht mehr spielte, mehr als Schauplatz der alten heiligen Geschichte, also vom geographischen Standpunkt aus, die Reisenden und Forscher interessierte. In diesem Belange nun, wobei aber immer auch etwas für die Geschichte abfällt, gibt es eine unübersehbare Palästinaiiteratur Eine Bibliographie vom 4. Jht. an bis 1866 bzw. 1877 haben T. Tobler und R. Röhricht zusammengestellt; ihre Arbeit setzte P.Thomsen in mehreren Werken fort. Der Erforschung Palästinas sind ferner gewidmet: Palestine Exploration Fund (seit 1865 Quarterly Statements), Zeitschr. des Deutsch. Pal.-Vereins (seit 1877), Revue Biblique (seit 1892) und andere Organe; die zwei letztgenannten enthalten auch eine jährliche Bücherschau. Den Anteil der Juden an der geographischen Literatur hat Zunz im Jahre 1840 auf 161 Nummern festgesetzt, worunter zur palästinischen Geographie gehören a) Quellenschriften; b) Chronographien, wie z. B. die Reiseberichte des Benjamin aus Tudela und Petachja aus Regensburg (beide im 12 Jht. und beide für eine große Zahl von Ländern wichtig), von Estori Parchi usw. c) Beiträge zur biblischen Geographie; d) Verzeichnisse von Gräbern der Frommen; e) Karten (seit dem 17. Jht.); f) Reiseberichte. Seit jenem Jahre hat sich, mit dem zunehmenden Verkehr, die Zahl der jüdischen Reiseberichte aus Palästina ins ungeheure vermehrt. De Goeje, Memoire sur la conquete de Syrie, 2 Bde, Leiden 1864. Huart, Geschichte der Araber (aus dem Französischen übersetzt, vorläufig nur 1 Bd. von Färber), Band 1, Leipzig 1914. S. Krauß, Studien zur byzantin.-jüd. Geschichte, Wien 1914 (21. Jahresbericht der isr. theol. Lehranstalt Wien). Guy le Strange, Palestine under the Moslems, London 1890. M. A. Luncz, Die Juden im h. Lande. Im Jahrbuche „Jerusalem" (hebräisch) Bd. 2 u. 3. Vgl. „zur Gesch. der deutschen Gemeinde in Jerusalem" Bd. 4. A. Müller, Der Islam I, 220 ff., Berlin 1885. S. Münk, Palestine, Paris 1845, 2. (Titelauflage) 1881. Deutsch von M. A. Levy 1871/2. Nistaroth des R. Simeon b. Johai, s. in Jellineks Beth-ha-Midrasch 3 und 4. Vgl. Graetz Geschichte 5, 4 Aufl., S. 466 f., Steinschneider in ZDMG 28 (1874) 635—646. Pirke R. EÜezer (ein midraschartiges Werk, oft ediert) c. 30. Vgl. Zunz. Gottesdienstl. Vorträge, 2. Aufl., S. 288; Graetz 5, 469; Steinschneider, Polem. Literatur S. 339. R. Röhricht, Bibliotheca Geographica Palaestinae, Berlin 1890. Thomsen, Systematische Bibliographie der Palästinaliteratur, 3 Bde, Leipzig 1908 ff. Kompendium der pal. Altertumskunde, Tübingen 1915. T. Tobler, Bibliographia Geographica Palestinae, Leipzig 1867. Wellhausen, Skizzen und Vorarbeiten, Bd. 6 (Berlin 1884. ff.). L. Zunz, Geographische Literatur der Juden (zuerst englisch erschienen in Reisen des Benjamin von Tudela ed. Asher Bd. 2), Gesammelte Schriften 1, i46—216. 3. Für Babylonlen fließen die jüdischen Quellen reichlicher, da es lange Zeit Sitz.der Geonim (Schulhäüpter) war, die eine reiche literarische Tätigkeit entfalteten ganz besonders aber „Responsen" schrieben, die sozusagen die Tagesfragen behandelten. Die Form eines Responsum, ergangen an die Gemeinde von Kalruwan in Nordafrika, hat auch der bekannte, in talmudisch-aramäischem Idiom abgefaßte „Brief" des Gaons Scherira (geschrieben 980), der unsere hauptsächlichste, durchaus verläßliche Quelle für die ganze talmudisch-geonaisehe: Epoche bildet. Durch die Geniza-Funde in Kairo ist die Kenntnis dieser Epoche bedeutend vertieft worden, wie besonders Eppenstein gezeigt hat. Mit Scheriras Sohn, Hai, endet zwar (1038) die bekannte Reihe der Geonim, aber anderwärts (in Damaskus, Mosul, Aegypten, Palästina) und in unregelmäßiger Folge gab es bis ins 13. Jht. hinein große und anerkannte Schulhäupter, die den Namen „Gaon" führten und auch verdienten. Ihnen hat S. Poznanski ein ebenso schönes als gelehrtes Werk gewidmet. Die Exilarchen, d. i. Fürsten davidischen Geschlechts, die über die jüdischen Gemeinden gesetzt waren, haben in F. Lazarus und anderen ihre Darsteller gefunden, ebenso der Karäismus, der um 760 in Babylonien entstanden ist und viele Schriften hervorrief. Alle im vorigen Punkte genannten Reisenden, zu denen wir auch Eldad ha-Dani (9. Jht.) rechnen, sprechen naturgemäß auch von den babylonischen Gemeinden. Etwa vom 13, Jht. an hat Babylonien seine frühere centrale Bedeutung für das ganze Judentum verloren, und seine zahlreichen jüdischen Insassen leben von da an ein unhistorisches Leben. Die Mongolenstürme, später die Türken- und Perserkriege vervollständigen den traurigen Verfall des einstigen glanzvollen Erbes der Kalifen. An allgemeinen Darstellungen, in denen auch die Juden berührt werden, fehlt es nicht;- wir verweisen auf die Werke von Weil, D'Hosson und Huart (dieses schon in Punkt 2). Einen populären Aufsatz über die alten Verhältnisse.schrieb S. Krauss. S. Eppenstein, Beitr. zur Gesch. u. Literatur im gaonaischen Zeitalter, Berlin 1913. Eppenstein hat auch den 5. Band von Graetz bearbeitet. J. Fürst, Gesch. des Karäertums I (Leipz. 1865, von 900—1575; unkritisch). d'Hosson, Historie des Mongols, Haag 1834—5, 4 Bde; 2. Aufl. Amsterdam 1852. S. Krauß, Die Juden Mesopotamiens in Handel und Wandel, Oesterr. Monatsschrift für den Orient, Wien 1916, 42, 65—89.

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