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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 12 · p. 766

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 12
Article
Panasien
Date
1921-01-01
Page
766 (sequence 3)
Language
German
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Bemerkungen: Panäslen eine Einheit ist, sind seine Rassen Maschen eines einzigen Gewebes", wie ihn Okakura glänzend formuliert, darstellt. Die Ergebnisse künstlerischen Schaffens im vorderen und im ferneren Asien sind wohl sehr divergierend — das heißt: wenn man sie durch die Brille \ klassifizierenden Wissens betrachtet — das Gefühl aber, das sie schuf, ist das gleiche. Es gibt „weniger den Gegenstand selbst wieder, als das Ewige, das hinter ihm liegt". Das Ueberpersönllche, das jenseits von Egoismus und Altruismus liegt, das lieberpersönliche der asiatischen Seele — die dem Okzidentaien stets unverständlich bleiben muß (der Chinese, der dem Gefangenen Ratten unter einem glühenden Topf auf den Bauch setzt und im nächsten Augenblick bereit ist, sein Leben für den bedrohten Blumengarten des Nachbars einzusetzen, der Jude, der aus dem Judentum zu flüchten versucht und des Judentums sich leidenschaftlich annimmt, wenn es beleidigt wird, sind Ausdrucksformen dieser Seele) — dieses Ueberpersönllche, das die japanische Sprache das Personalpronomen Ich nicht kennen läßt und das Gebet des Juden erst die Himmel erzwingen läßt, wenn es zehn Männer zusammen ausstoßen, es ist das gewaltige Gemeinsame, das die Jahrtausende Asiens, ein unzerreißbares Band,^umschließt, das in allen Steppen und Einöden, in den Hausbooten des Yang-tse-kiang, in den Kwuzoth Palästinas Brüder erstehen läßt, Ueberpersönlich, der Persönlickeit unbewußt, wahrlich ergebene Diener einer gewaltigen Einheit. Unüberbrückbar ist die Kluft zwischen Ost und West. Das ist ein Gemeinplatz, dem man die Bilanzen internationaler Kommerzspekulanten entgegenhalten kann — wenn man der Ansicht ist, daß die Millionen Asiens sich aus Compraderos Shanghais und aus dem levantinischen Auswurf Jaffas und Cospolls zusammensetzen. In Wahrheit ist die Kluft vorhanden; sie stürzt in grauenhafte Tiefe, und wer einmal zutiefst hinabblickt, erkennt das ehernste Gesetz:.ewig geschieden sind ihre Ufer trotz Elsenbahn und trotz grausamer-Kolonialkriege! Nicht die Bombe des französischen Fliegers auf das männerlose syrische Dorf, nicht das Opium, \ö-sm Einfuhr der anglolndische Kaufmann ', China sich erzwang, kann diese Kluft ~r«uen, denn sie klafft zwischen zwei Mentalitäten, deren eine Staaten, l gemeinschaften, deren andere Reiig*^ Herz und Geist gegründete ek=- Gemeinden stiftet Jede Zeile dieses nlschen Buches spricht von dieser selbst dort, wo es vom neuen Japan ervon diesem unverstandenen Abbild r unverständlichen Entwicklung. Unähnlich ist die Gewißheit, daß Ost und W zwei Welten sind, selbst wenn Japan Vit: seetorpedos baut oder wenn anderseits F~: land Palästina koreanisiert, denn — um b* Japan zu bleiben — wenn auch dci Ashikagaritter nicht mehr ist*- blieb fest verankert in der Seele des japanischen Menschen das Ideal des Ashikagaritters, und wenn auch eine verworfene türkische Oberschicht ein verzweifelt groteskes Europa zu mimen sich bemüht, ruht in der Seele des anatolischen Bauern das, was dieses Buch sagt: „Unsere Aufgabe besteht nicht nur darin, zu unserer Vergangenheit zurückzufinden, sondern auch das schlummernde Einheitsgefühl Alt-Asien zum Leben zu erwecken*. Es ist eine wunderbare Blüte, die im Schöße eines vor tausend Jahren gelegten Keims schlummert; sie wird aufbrechen, das steht außer Zweifel. Die Einheit Asiens ist der Boden, in dem sie wurzelt, die Einigkeit ist die Krone, die sich entfalten wird. Agenten der Westmächte können Uneinigkeit nach Indien oder China oder Palästina tragen, doch was bedeuten verlorene Gefechte, brennende Städte, ermordete Greise einer Bewegung, die zu den wunderbarsten Sternen zielt? Wann könnte ein Kriegsschiff Naturgesetze außer Kraft setzen? Dieser Japaner Okakura ist Professor der Kunstgeschichte, ein durchaus unpolitischer Mensch. Er schrieb ein Buch über die Kunst seiner Heimat und es wurde eines der wichtigsten Bücher für jene, die außer mit dem Hirn auch mit dem Herzen lesen. Er spricht von keinem Untergang des Abendlandes — der hier übrigens völlig unwesentlich ist — sondern er spricht mit einer Liebe vom Aufgange des Morgenlandes, die nur der begreift, der erkennt, wie groß eine Idee sein muß, die im ersten Satze der chinesischen Kinderfibel wurzelt, weicher lautet: „Der Mensch ist gut". Daß er gut ist, fühlen wir, die wir östliches Blut tragen, und wir fühlen, daß auch der europäische

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