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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 12 · p. 767

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 12
Article
Panasien
Date
1921-01-01
Page
767 (sequence 4)
Language
German
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Bemerkungen : Hinwels auf ein Werk 767 Mensch gut sein könnte, wenn er bescheidener Diener wird, wenn er seine Grenzen erkennt, wenn er erkennt, daß jeder Versuch der Anbiederung an die Grenzenlosigkeit der irrsinnige Glaube des Fliegers ist, der sich den Sternen gleich dünkt: wenn er auf ewig dem Machtwahn entsagt. Als der Schreiber dieser Zellen damals die ersten Propagandaversuche unternahm, wußte er nicht, wie töricht sein Beginnen sei, wie töricht es sei, eine übergewaltige erhabene Idee, die keiner Hauptleute und keiner Trompeter, nur einfacher, stets bereiter Soldaten bedarf, propagieren zu wollen. Sie kennt keine Propaganda, kein Werben, nur stammelnde Worte, jedes ein glühendes Fanal, sie kennt nur eines: warten mit reinem Herzen. Worauf wir warten, sagt Okakura: „Wir warten auf das funkelnde Schwert, das wie ein Blitz die Finsternis zerspalten wird. Die furchtbar brütende Stille muß gebrochen werden; mit verjüngender Kraft müssen sich die Regentropfen auf die Erde niedersenken, ehe ein neuer Blütenflor sie bedecken kann. Die große Stimme jedoch, die dieses Wunder heraufbeschwören soll, muß aus Asien selbst ertönen und von den uralten Heerstraßen, die das Volk gewandert ist, zu uns herüberdringen. Sieg von innen oder ein gewaltiger Tod von außen!" _.. Eugen Hoeflich HINWEIS AUF EIN WERK Das Werk, auf das ich hier hinweisen will, Moritz Heimanns Drama „Das Weib des Akiba"*), geht die ernsten Leser dieser Blätter ernstlich an; .sie sollten es lesen. Ein „Buchdrama" ist es durchaus nicht; aber wie erfreulich ist es, ein echtes und daher auch bühnenwirkliches Drama zu lesen und wiederzulesen. Ein echtes Drama nun ist dieses wenn irgendelns: ein Gedicht nämlich, in dem „ewige**, das heißt dem Leben der Welt eingehörige Entzweiung sich dialogisch austragen will, sich als unaustragbar bekundet, und eben damit die nur seiende, nicht erscheinende Einheit bezeugt und offenbart. *) S. Fischer Verlag, Berlin 1922. Die Erzählung von Akiba und von seinem Weibe, der Tochter des reichen Kalba Sabua, die sich dem vierzigjährigen Schafhirten ihres Vaters vermählte und ihn auf zwölf Jahre und wieder auf zwöf Jahre ausschickte, daß er sich die Lehre zu eigen mache und ein Lehrer in Israel werde, hat einst meine Jugend erschreckt und gepeinigt. Ich konnte die Tat der Frau nicht begreifen, nicht anerkennen; es war darin etwas, was mir nicnt bloß fremd, sondern feindlich erschien, was mir mein Leben und meinen Glauben antastete, etwas Überstrenges, Überrechtes, „Rabbinisches"; die Liebe im Geist schien mir die schöne naturhafte zu mißhandeln. Später habe ich die Liebe wahrer zu sehen bekommen, und Geist und Natur dazu. Aber erst Heimanns Drama hat mir jene Geschichte gedeutet und deutlich gemacht. Er schaut und zeigt, wie das zugeht, wenn eine Frau einen ausschickt: um zu ihr — zu sich — zu Gott zu kommen. Sie schickt den Mann aus und wieder aus,^ daß er lerne, daß er kommen lerne, und es gibt nichts Größeres zu lernen, und es ist nicht anders zu erlernen, als daß man ausgeschickt wird, sei es auch, um gekommen zu sterben, wie Akiba. So Weib und Mann. Aber dieser Mann ist eben Akiba ben Joseph. Und er ist es wirklich in den zwölf Szenen dieses Dramas, er trägt nicht nur den Namen und die überlieferten Begebenheiten. Da ist Akiba und der Patriarch, Akiba und das Synedrion, Akiba und die Schrift; Akiba und die Römer, Akiba und Barkochba, Akiba und der Martertod; Akiba und sein „wilder* Sohn, der Aufgelehnte und Liebende; Akiba und der Prophet Elias, der Versuchende und Fragende. Ja,-- das ist Akibas Volk, es selber, in eben jenem unsäglichen Augenblick, und in seiner Zeitlosigkeit zugleich. „Besprechen" kann ich nicht, wie es da Ist, aber hinweisen kann ich darauf. Dieses Werk eines Weisen, der ein Dichter (nicht ein dichtender Weiser) ist, gehört dem deutschen Schrifttum, und es gehört dem jüdischen Volk. Das Volk sollte seines Besitzes inne werden. Martin Bub«r

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