Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Der Jude im Roman
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 761 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Der Jude im. Roman 76t mit vielen Buchstäbenzeichen versehene Schreibmaschine sein, auf die ein starker Wille bloß zu drücken braucht, um sie in Gang zu bringen. Ich wiederhole es: solche Typen mögen bei unsern Denkern und Künstlern vorkommen, aber sie sind nicht die zahlreichsten. Im Gegenteil, die jüdische Seele ist eine in einer fortwährenden Brandung von gegeneinander ankämpfenden Strömungen wogende Geistigkeit, eine Arena, in der die gewagtesten Träume ringen mit einer leidenschaftlichen Neigung zur Wirklichkeit. Da ist eine unablässige Angst, von der eigenen wilden Phantasie verlockt zu werden und von der den Träumenden verächtlich anlächelnden Realität abzubiegen. Nirgends findet man einen so schmerzlichen Drang, seine ungestüme Einbildung zu entseelen durch das Messer der Realität. Der Jude hat ein inniges Verständnis für die Wirklichkeit, er weiß, daß er ihr dienen muß und sie ihm seinen Traum nicht gönnt. Ehe er von selbst fallen soll, schwindelnd von der Lust des Schwebens und schwer herabgezogen durch die unwiderrufliche Erde, schneidet er sich im Emporfliegen die Flügel ab und begeht Selbstmord, erschöpft in dem Ansturm von Himmel und Erde, die beide nach ihm greifen. Was bleibt da übrig von dem Typus, den Goncourt (Manette Salomon), Donnay (Retour de Jerusalem), Vogüe (Les Morts qui parlent), Balzac (Gobseck) u. s. w. als den jüdischen generalisieren? Von dem Mann, der genau weiß was er will, der das Unregelmäßige, Plötzliche, Geniale, das außer allem Zusammenhang Auftretende nicht sollte begreifen können? Ich glaube dargelegt zu haben, daß es dem Arier möglich ist, einen Juden, unmöglich, die Juden zu charakterisieren. Möge also der Arier, der einen bestimmten Juden in befriedigender Weise beschrieben zu haben glaubt, sich damit begnügen und nicht zu verallgemeinern trachten, da er sonst in die Fehler verfallen muß, von denen ich soeben handelte. Es scheint mir wie gesagt unmöglich, in einem Roman einen Juden zu zeichnen, der als Urtypus seiner Rasse gelten könnte. Will man die Juden beschreiben, so muß man sie in ihrer großen individuellen Veschiedenheit geben und vor allem darauf achten, die Sphäre ihres eigenen Milieus als Hintergrund der Darstellung zu wählen. Dieses ist auch das Verfahren unsres großen. Volksgenossen Israel Zangwill. Nicht Melchisedek Pinchas allein, noch -Rabbi Schmuel, noch Esther Ansell allein, aber alle zusammen, mit ihren Einwirkungen aufeinander, mit ihrem lebendigen Milieu der Petticoat Lane und Duke's Place, mit ihrem jüdischen Pendant: West - End; dies alles zusammengenommen lehrt das Wesen des modernen Juden verstehen. Die jüdische Sphäre ist, soweit mir bekannt, noch nie von4 einem arischen Autor getroffen worden.- Der Grund, warum ein von einem Arier verfaßter Juden beschreibender Roman uns (mit Ausnahme des apologetischen Romans, der, weil er tendenziös ist, stets an der Wahrheit vorbeijagt) anmutet wie eine antisemitische Enthüllung, wie ein Ueberquellen lang aufgehäufter Krän- Hcft 12 dQ