Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Vom Lebendigen
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 749 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Vom Lebendigen 749 Beziehung zu setzen: zum Leben des Geborenen und zu dem seiner Verwandtschaft Und mit dieser Fragestellung nach der Zufälligkeit oder Gesetzmäßigkeit eines solchen Termins wird eine Art analytischer Biologie eingeleitet. Denn die simple Beobachtung gibt bereits eindeutige Antwort: Strenge Zeitdetermination " nicht der Geburt allein, sondern aller Lebensvorgänge, Aber erschaubar nur durch die Vergleichung der Blutsverwandten. Neben mir liegt ein Briefbogen, auf dem mein Freund, als ich ihn einmal besuchte, ein Stückchen vom Stammbaum seiner liebenswürdigen Wirtin geschrieben. Keiner der Geburtsmonate ihrer fünf Kinder ist originell, sämtlich sind sie bereits in der Familie „erprobt". Zwei Söhne haben den Januar, wie der Vater, der Onkel und eine Tante, zwei andere (Zwillinge) den März ihrer Mutter zu Ehren und ihrer Großmutter väterlicherseits, und das Jüngste, ein Töchterchen, den Dezember, der sich beim Großvater und einer Tante als Geburts-, bei einem Onkel jedoch als Geburts- und Todesmonat findet Aber am Schlüsse des Bogens finden sich noch ganz wenige Notizen, welche damals gerade zur Verfügung gestanden: Emil (der eine der beiden Zwillinge) erkrankt am 9. 3. 1910 mit schwerer Lungenentzündung am eigenen Geburtstag, kritisiert am 18. 3., dem Geburtstag der Großmutter von Vaterseite, und gesundet am 22.3., dem Geburtstag der Mutter. Und das Töchterchen bekommt 1920 an seinem fünften GeburtstaTg eine akute Mittelohrentzündung. Mit mir am Schreibtisch sitzt ein anderer Freund, der Arzt ist, wie ich. Auch von ihm habe ich einen im Gespräch kürzlich hingeworfenen Stammbaum mit einigen aktuellen Notizen. Der aber bietet dem ersten Blick eine frappante Obereinstimmung: Großmutter gestorben ... 16. 4. 88 Enkel geboren . . . . . . 16. 4. 74 Enkelin geboren . ...... 16. 4. 64 Die alte Frau hat gewiß nicht geahnt, daß sie mit den Geburten ihrer Enkel den Jahrestag ihres nachmaligen Todes bejubelte. Und notiert steht aus einem einzigen Monat dieses Jahres: 9. 4. Großmutter (Mutters Mutter) bekommt Schlaganfall am Geburtstag ihrer Tochter, meiner Tante. 21. 4. Mutter Magenkatarrh, Bruder Walter (der auswärts wohnt) hat gleichzeitig Migräne. 26. 4. Ich blute aus dem Zahnfleisch, meine Schwester wird unwohl. - Aber das Papier dieses ganzen Heftes würde nicht ausreichen, wollte ich melden, was an solch einfachen Übereinstimmungen wir wenigen, die sich hinweisen ließen, bereits in Familie und Bekanntschaft, in Verkehr und Beruf zu sehen bekamen. Ich muß da schon auf das Buch des Entdeckers hinweisen*), das an Genealogien und Krankengeschichten die erstaunliche Häufigkeit dieser sichtbaren Datumszusammenhänge eindringlich aufzeigt. Dort allein ist der Ort für einen weiteren Nachweis. Wie steht es *) Wilhelm Fließ, „Das Jahr im Lebendigen", Jena 1918; „Vom Leben und vom Tod" 4* Aufl., Jena 1919,