Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Vom Lebendigen
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 748 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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748 " v Wilhelm Robert Fliesa: kennen läßt, sondern sein ganzes Leben vom Geiste Gottes, des stets gegenwärtigen, durchdringt und heiligt." Religion heißt Gebundenheit, und ich habe erfahren! daß uns die neue Beobachtung des zeitlichen Ablaufs der Lebensvorgänge " Schlüsse* aufzwingt, die vom Wesen dieser Gebundenheit etwas erkennen lassen. .Weil „der unendliche Faden" sichtbar wird in dem Knäuel. Und da dieser selbe Faden den Einzelnen fest verknüpft mit der Familie, und die Familie zum Volke ausgesponnen wird mit ihm, deshalb zeigt er uns schließlich den Weg zu einem biologischen Verständnis des Zionismus. Und er führt dabei durch einen „einheitlichen Entwicklungsprozeß, mit der Familienliebe beginnend". Diese feinen Vergleichungen entnahm Moses Hess, der Soziologe, einst der Naturwissenschaft im Bestreben, den Volksbegriff zu objektivieren. Jenseits aller menschlichen Meinungen und Absichten — so sagte ihm sein sicheres Gefühl — existiert ein Naturprodukt: Volk. Dem ist Rechnung zutragen. Wer ihm entgegen will, irrt. Er ist widernatürlich und unfruchtbar. Also bestätige den Hess mit deinen Mitteln, liefere deinen Beweis für seine Richtigkeit — er ist neu und zukunftsreich wie der unsrige!" Er hätte Recht, mein Freund, mit seiner Verpflichtung. Zwar sind eine Menge Einzelbeobachtungen zu machen, die zu den Schlüssen der "neuen exakten Biologie führen, aber man brauchte ja nur dazu aufzufordern. Scharen von Fachleuten würden sich in eine neue Apparatur einarbeiten, Versuchsanordnungen würden verbessert, Hilfswissenschaften herangezogen werden, kurz es würde, wie es stets wird, wenn das wissenschaftliche Betriebssignal ertönt. Aber mein Freund weiß ja selbst, daß es anders ist. Denn die neuen Beobachtungen sind leider so einfach, daß sie jeder machen kann; ungelernt^, mit zwei Augen und in allen Fächern. Und sie liegen nicht abseits, daß es einen Weg kostete, sondern sind stets bei der Hand, unberührt bis zur Stunde, übersehen bis zum heutigen Tag. Einfaches Beispiel: Eine Wöchnerin kommt nieder, schenkt ihrem Gatten den Sohn, ihren Kindern den Bruder, ihren Eltern den Enkel, ihren Geschwistern den Neffen, deren Kindern den Vetter, ihrem Volke den Stämmling. — Die Kenntnis dieses Vorgangs erhält den heutigen Abschluß durch das, was die bisherigen Disziplinen dazu sagen. Ebenso glaubte man bis zum 16. Jahrhundert, ein geometrisches Gebilde ziemlich genau zu bestimmen. Da aber kam Descartes und zeigte in seiner „Geometrie", welche Fülle von unbekannten und eindeutigen Eigenschaften dieses Gebildes verraten wurden, wenn man sich die Mühe nahm, es auf drei feststehende Koordinaten zu beziehen. Die neue Fragestellung „Wie verhält sich meine Figur zu dem Koordinatensystem?" war ein Zauberstab. Aehnlich ist es bei uns. Wir fragen: Welches ist die zeitliche Bedeutung dieses Geburtstages? Ist der Termin ein zufälliger, willkürlicher, einmaliger oder untersteht er einem Gesetz? Und da er der'Mutter gemeinsam mit ihrem nächsten Blutsverwandten, dem Kinde, eignet, ist es billig, ihn in zweifache