Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Moses Hess
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 746 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3101111-3101175-3101188-3107548--5666-3107603- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
746 Gottfried Salomon: Moses Hess Demokratie; wie er dachten die deutschen Emigranten und jüdischen Reformer, Den Aufständen der kleinen Nationen auf dem Balkan ist jdoch die jüdische Bewegung nicht zu vergleichen, die religiös und politisch zugleich wieder erstandener Messianismus ist. Doch ist ihre Ideologie von dem Zeitgeist bestimmt. „Wie die Natur keine allgemeinen Tiere und Pflanzen produziert, sondern nur Pflanzen und Tiertypen, so der Schöpfer in der Geschichte nur Volkstypen." Hess, der sich in die jüdische Geschichte, in Bibel und Talmud vertieft hatte, erklärte den Menschen nicht mehr als Gattungswesen und Gesellschaftsprodukt, sondern auf Grund eingeborner Anlagen als Volksglied, Gegenüber dem Völkerkampf erschien ihm der Klassenkampf als sekundär. Hatte Hegel jedem Volksgeist eine Aufgabe im Plan des Weltganzen zu vollbringen gegeben und eine mitgebrachte Natur angenommen, gleich Herder die Wechselwirkung von Milieu und Tradition gedacht, so folgte ihm Hess. Völker sind ihm die Organe des lebendigen Menschheitsganzen, sie sind nur schöpferisch in einem freiheitlichen Staate. „Bei den Juden noch mehr als bei Nationen, die auf ihrem eigenen Boden unterdrückt sind, muß die nationale Selbstständigkeit jedem politisch-sozialen Fortschritt vorangehen. Der gesellige Mensch bedarf zu seinem Gedeihen und Fortkommen eines weiten, freien Bodens, ohne welchen er zum Schmarotzer herabsinkt, der sich nur auf Kosten fremder Produktionen ernähren kann." Hess glaubte: Das Volk der Völkerverbindung kann also nur in der alten Heimat, an der Scheide dreier Erdteile wieder aufleben.. Die Gleichberechtigung, die der Jude als Mensch nicht vom Menschen erlangen konnte, wird das Volk von den Völkern erreichen. Unter dem Schutz der Großmächte wird der Jude den Orient erschließen; die große Masse der östlichen Juden soll auswandern und die freie und gleiche Gemeinschaft eines neuen Judentums gründen. Mit dieser einzigartigen Rückbewegung wird die Geschichte, die seit der Zerstörung des Tempels für den Juden Zerstreuung unter den Völker ist, schließen und bei aller Gliederung die Einheitsbildung der Menschheit beginnen. In der „Europäischen Triarchie" sagt Hess: „Das Judentum ist am Ende als das Grundprinzip der geschichtlichen Bewegung aufzufassen. Juden müssen sein als Stachel im Leibe der westlichen Menscheit. Wie der Osten einer chinesischen Mauer bedurfte, um in seinem unbeweglichen Dasein nicht gestört zu werden, so sind die Juden das Ferment der westlichen Menscheit, von Anfang an dazu berufen, ihr den Typus der Bewegung aufzudrücken." Diese Bewegung nähert sich dem Ende, und damit erlangt der Jude andere Bedeutung. Für den Juden liegt das goldene Zeitalter in der Zukunft, und darum ist sein Ideal der Einheit der Menschheit unter einem Gotte das ewige Pfingsten, und die Geschichte ist die Geschichte des werdenden Gottesreichs, der Versöhnung von Gott und Mensch, mit der die heilige Geschichte der Menschheit beginnt. Darum muß Christus in das Judentum zurückgenommen werden und die christliche Zeit die große Krise bedeuten. „Es ist wahr: die Juden, nachdem sie sich ihrer Zukunftsidee begeben» Christus ausgestoßen haben, blieben nur als entseelte Mumien zurück. Der