Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Bodenfrage und Bodenpolitik in Palästina
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 738 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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738 ArjehTartakower: Bodenfrage und Bodenpolitik in Palästina Riesensummen ganz unverdient in fremde Taschen fließen. Ich glaube aber doch, daß die erste Wirkung, wenigstens nach Verlauf einer Zeit, sich viel eher einstellen dürfte, . Ist noch bei der Ordnung der Bodenverhältnisse auf dem Lande gewisse Vorsicht und Nachsicht am Platz, so kann die städtische Boden- und Häuserspekulation nicht scharf genug bekämpft werden. Die Verhältnisse sind schon diesbezüglich so weit gediehen, daß sie jedes Begriffs eines halbwegs normalen Wirtschaftslebens spotten. Wird der Krebsschaden der städtischen Bodenspekulation nicht schnell und gründlich . vertilgt, so ist einerseits eine gesunde Entwicklung von Handel und Industrie unmöglich, anderseits wird Palästina, was die Wohnverhältnisse anbetrifft, sehr bald die Konkurrenz mit den europäischen Großstädten aufnehmen können. Auch hier v/ird es die Steuer nach dem gemeinen Wert und die Wertzuwachssteuer sein, deren Einführung Besserung schaffen könnte. Sie müßten aber den Verhältnissen entsprechend anders gestaltet werden. Die Steuer nach dem gemeinen Wert muß eine allgemeine Steuer für alle Bauplätze in der Stadt und in der unmittelbaren Umgebung werden. Hierdurch wird ein sehr wirksamer Zwang zum Häuserbau geübt werden, da eine derartige Steuer natürlich, dem hohen Wert des Bodens entsprechend, sehr drückend sein wird. Die Wertzuwachssteuer sollte dagegen zu einer regelmäßigen, jährlich zu zahlenden Steuer ausgestaltet werden. Denn es ergibt sich der Wertzuwachs natürlich nicht nur beim Verkauf des Bodens. Jedwede Steigerung des Mietzinses sollte als Wertzuwachs betrachtet und mit einer hohen Steuer belegt werden. Da würde der Hauseigentümer es sich wohl vielfach überlegen, ehe er unsinnige Preise für Wohnungen verlangt. Dagegen würde sich eine Mietzinssteuer weniger empfehlen, da sie ja, wie die Erfahrung zeigt, leicht überwälzt werden kann. Und noch eins: Man sollte sich in Palästina davor wohl hüten, die städtische Wertzuwachssteuer als eine Gemeindesteuer einzuführen, etwa so wie es in Deutschland ganz allgemein geschieht. Denn von einer wirklichen demokratischen Gemeindeverwaltung ist heute dort keine Rede. Die Clique der Boden- und Hauseigentümer, die fast überall herrscht, würde herzlich froh sein, wenn man ihr die Wertzuwachssteuer oder gar noch die Steuer nach dem gemeinen Wert dazu, als Gemeindesteuern überließe. Sie würde sie in ganz kurzer Zeit unschädlich machen. Somit muß die Wertzuwachssteuer eine Staatssteuer werden. Dies sind, in knappster Form ausgedrückt, die Maßnahmen, die durchgeführt werden müssen, wenn die so heillos verworrene Bodenfrage in Palästina einer Lösung entgegengeführt werden soll. Es wird natürlich in der Praxis nicht so leicht und einfach gehen, wie beim Niederschreiben. Ich habe bereits auf einige Schwierigkeiten, die der Innenkolonisation im Wege stehen dürften, aufmerksam gemacht. Es werden sich ihrer zahllose auch bei der Bekämpfung der Spekulation ergeben, insbesondre in der Stadt, wo man nur allzuoft mit einem gebildeten und in juristischen Künsten wohl