Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Bodenfrage und Bodenpolitik in Palästina
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 739 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Gottfried Salomoh: Moses Hess 739 bewanderten Gegner zu tun haben wird. Das soeben skizzierte Programm bedeutet also im gewissen Sinne ein Maxinialprogramm, das nur langsam und im Lauf der Zeit wird verwirklicht werden können. Aber es muß verwirklicht werden. Es wäre leine sehr traurige Tatsache, wenn die großen Möglichkeiten der Entwicklung, die das Land gegenwärtig nach Eintritt einer geordneten und zweifellos vom besten Willen beseelten Verwaltung bietet, infolge der ungesunden Gestaltung der Bodenbesitzverhältnisse nicht ausgenutzt werden könnten. Dazu darf es auf keinen Fall kommen. Somit ist die Lösung der Bodenfrage wohl die wichtigste der gegenwärtig in Palästina durchzuführenden Reformen, deren Zahl ja ohnehin keine geringe ist. GOTTFRIED SÄLOMON / MOSES HESS¬ IN Es ist Theodor Zlocisti als ein Verdienst anzurechnen, die große Moses Hess-Monographie gebracht und durch die Ausgabe der sozialistischen Schriften*) die von ihm vor Jahren gebrachte Auswahl der jüdischen Schriften ergänzt zuhaben. Sein Buch stellt sich neben Gustav Mayers Engels-Monographie und gibt mit diesem zusammen ein vorzügliches Bild der Frühzeit des deutschen Sozialismus. Moses Hess steht in dieser Bewegung nicht als ein Führer, sondern als ein erster Anreger und Beobachter. Engels gesteht in einem Brief vom November 1843, daß Hess zuerst den Kommunismus als die notwendige Weiterentwicklung der Jung-Hegelianischen Kritik gezeigt hat. Die „Einundzwanzig Bogen" sind der erstmalige Versuch einer deutschen Theorie des Kommunismus. Dieser Kommunismus ist ein ethischer und philosophischer und dem Kosmopolitismus und Humanismus der Aufklärung verwandt. Gedacht ist diese Philosophie für Geheimbünde der Handwerker (Bund der Geächteten, Bund der Gerechten), die wie Freimaurer oder Sekten, Carbonari oder später Terroristen, mysteriöse Gebräuche hatten und deren soziales Programm aus einem Gemenge von Babeuf, Fourier, Cabet und Lamennais bestand. In Paris sammelten sich neben diesen deutschen Bündlerh die intellektuellen Emigranten Rußlands und Deutschlands. Paris war das Mekka, wohin Bakunin wie Marx, Herzen wie Weitling, Rüge wie Hess pilgerten; Hess, der als Korrespondent rheinischer Blätter die. Kenntnis des französischen Sozialismüs den Deutschen vermittelte, war einer der ersten. Hier lebten Louis Blanc, Considerand, der Nachfolger Fouriers, und Proudhon. Lorenz von Steins Buch über den „Sozialismus und Kommunismus im heutigen Frankreich" (1842)**) hatte zuerst die entscheidende Bedeutung der sozialen für die politische Revolution gezeigt, vor allem die historischen Be- *) Welt-Verlag, Berlin. **) Eine von Gottfried Salomon besorgte und eingeleitete Neuausgabe dieses grundlegenden Werkes ist im Dreimaskenyerlag, München, erschienen. (Anm. d. Red.)