Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1921-01-01 · Heft 12 · p. 733

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 12
Article
Bodenfrage und Bodenpolitik in Palästina
Date
1921-01-01
Page
733 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3101111-3101175-3101188-3107547--5651-3107590
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Bodenfrage und Bodenpolitik in Palästina 733 viel Boden bisher in Palästina gekauft hat, erklärte durch den Mund ihres palästinensischen Vertreters, daß sie an keine weiteren Bodenkäufe denken könne, solange derartige Preise gefordert werden. Die zionistische Weltorganisation, die das jüdische Volk in Palästina vertritt, kann natürlich diesen Ausweg nicht wählen. Eine derartige Ausbeutung der kolonisierenden Gemeinschaft, von der das Land nicht den geringsten Nutzen zieht, sondern im Gegenteil aufs schwerste geschädigt wird, weil die Kapitalien, die sonst in ihm investiert werden könnten, in fremde Taschen fließen, steht wohl einzig da. Das Bild, der palästinensischen Bodenfrage wäre bei weitem nicht vollständig, wenn ich nicht die städtische Bodenfrage erwähnen würde. So wüst auch die Spekulation in landwirtschaftlichen Bodenwerten ist, und so verderblich auch ihre Folgen, so reicht sie doch bei weitem an die gleichartige Entwicklung in der Stadt nicht heran. Während jedoch die Spekulation auf dem Lande mehr oder weniger ein trauriges Monopol der arabischen Großgrundbesitzer ist, so nehmen an der in den Städten in brüderlicher Eintracht Vertreter aller Nationen in gleichem Maße Anteil. Für denjenigen, der die Entwicklung der städtischen Grundrente in Europa im Laufe des vergangenen Jahrhunderts und teilweise bis auf den heutigen Tag beobachtet, werden vielleicht die ^nachfolgenden Zahlenangaben nichts Überraschendes bedeuten. Man muß sich aber vor Augen halten, daß diese Entwicklung in Palästina fast durchwegs der Entwicklung von Handel und Industrie vorangeht, diese somit auf das schwerste bedroht oder gar unmöglich macht, um sich den Schaden, den das Wirtschaftsleben dadurch erleiden wird, deutlich auszumalen. Die sozialen Folgen dieses Preiswuchers zeigen sich übrigens bereits jetzt in ihrer ganzen Schärfe. Im Jahre 1875 kostete eine Quadratelle Boden bei Jerusalem 50 Para (gleich ungefähr 5 Centimes). Im Jahre 1910 zahlte man bereits 20 Fr. per Quadratelle, also das 400 fache! Heute sind die Preise bedeutend höher. In Jaffa zahlte man 1910 bis 10 Fr. per Quadratmeter, 10 Jahre später bereits £ 1—8 (gleich 200 Fr. Friedensparität), also eine Steigerung um das 20 fache, In der im Jahre 1908 gegründeten jüdischen Stadt Tel-Awiw bei Jaffa wurde der Boden per Elle mit 1 Fr. gezahlt. Innerhalb dreier- Jahre war der Preis des Bodens, dessen Kauf durch eine Anleihe bei dem Jüdischen Nationalfonds ermöglicht worden war, um das Vier- und Fünffache gestiegen. Bereits im Jahre 1910 konnten sich die geschäftslustigen Bodeneigentümer rühmen, daß sie einen Gewinn von 25000 Fr., der durch Preissteigerung der Bodenplätze entstanden war, eingesteckt hatten. Heute gehen die Bodenpreise in Tel-Awiw bis zu £ 2 per Quadratelle. Per Preis eines Bauplatzes (1000 Ellen) war 1908 1000 Fr:, heute schwankt er zwischen £ 400 und 1000, eine Steigerung um das 10—25 fache innerhalb 13 Jahre! Dies die Angaben für drei Städte Palästinas. Alle anderen folgen treu nach, wenn auch nicht immer in gleich großem Maßstabe. Die Wohnungsmieten richten sich naturgemäß nach diesen Preissteigerungen. In Jaffa wurde 1921 £ 4—5 monatlich für ein unmöbliertes Zimmer gefordert und gezahlt, ebenso in Haifa und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.