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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 12 · p. 732

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 12
Article
Bodenfrage und Bodenpolitik in Palästina
Date
1921-01-01
Page
732 (sequence 5)
Language
German
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733 Arjeh Tartakower: der fast immer durch jahrhundertelange Mißwirtschaft aufs äußerste aus geplündert ist, gänzlich weg. Es handelt sich hierbei nur um eine schamlose Spekulation, die die Zwangslage des kolonisierenden Volkes ausnützt. Ich führe zur Erhärtung dieser Angaben einige Ziffern an: Die ersten jüdischen Kolonisten, die ins Land kamen, zahlten für den Boden per Dunam 7 Fr., wobei sie notorisch hinters Licht geführt wurden und viel zu viel zahlten. Knapp vor dem Kriege kostete dagegen arabischer Boden bereits durchschnittlich 50 Fr. per Dunam, er war also bereits (im Laufe von 40 Jahren) zumindest auf das siebenfache gestiegen! Heute kann man den schlechtesten Boden nicht unter £ 1 per Dunam erlangen, für besseren Boden werden ca. £ 3 per Dunam, für besonders guten Boden £ 5—10 per Dunam gezahlt*). Der Wert des landwirtschaftlichen Bodens (auf den städtischen kommen wir noch zurück) ist also im Laufe von 50 Jahren zumindest auf das Zehnfache gestiegen! Daß diese krankhafte Bodenspekulation auf die jüdischen und deutschen Kolonien auch übergreift, habe ich schon erwähnt. Ich führe nun (nach Smilansky in der Zeitschrift Hapoel Hazair 1912) einige Beispiele an: Ein in der jüdischen Kolonie Rechoboth für, 4000 Fr. gekauftes Gut wurde von seinem Besitzer nach 20 Jahren unbearbeitet zu 2/3 für 12000 Fr. verkauft, für den Rest bot man ihm 8000 Fr. In der jüdischen Kolonie Rischon F Zion kostete der Boden zur Zeit ihrer Gründung (1882) 7 Fr. per Dunam, heute bepflanzt 600 Fr., als Baugrund 1500 Fr. per Dunam. In der jüdischen Kolonie Petach- Tikwah kostete der Boden zur Zeit der Gründung (1883) 10 Fr. per Dunam, heute 1000 Fr. In der deutschen Kolonie Sarona wurde 1871 200 Fr. per Hektar gezahlt, heute 4000—5000 Fr. Ich glaube, diese wenigen Zifferangaben beweisen schon, wie verzweifelt ernst die Situation diesbezüglich in Palästina ist. Die Wirkungen einer derartigen Preisentwicklung sind unschwer zu erraten. Diejenigen, die davon Vorteil ziehen, sind sehr wenige. Zum großen Teil sind es Leute, die das ganz unverdient erworbene Vermögen außerhalb des Landes verprassen. Schwer leidet dagegen darunter der arabische Pächter, der nie des Morgen sicher ist, schwer leidet die kolonisierende Gemeinschaft (heute in der Hauptsache das jüdische Volk), die derart exorbitante Preise zahlen muß. Die Ausgaben für den Ankauf von Grund und Boden sind natürlich gänzlich unproduktiv. Je mehr dafür gezahlt wird, desto weniger bleibt übrig für die produktive Erschließung des erworbenen Bodens, für die Durchführung von Meliorationen, Anschaffung von Inventar, Bauten u. dgl. Je mehr aber auch für den nackten Grund und Boden gezahlt wird, desto mehr wird die Rentabilität der unter solchen Umständen geführten Kolonisation gefährdet. Geht die Entwicklung: in diesem Tempo weiter, so wird eine wirtschaftlich gesunde kolonisatorische Tätigkeit unmöglich gemacht. Eine traurige Konsequenz ist bereits gezogen worden. Die bedeutende jüdische Kolonisationsgesellschaft JCA (Jewish Colonisation Association), die bereits *) D. Trietsoh, Palästina-Handbuch, 5- Auflage, Wien 19a*.

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