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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 12 · p. 731

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 12
Article
Bodenfrage und Bodenpolitik in Palästina
Date
1921-01-01
Page
731 (sequence 4)
Language
German
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Bodenfrage und Bodenpolitik in Palästina 731 Baumpflanzungen zu sehen. Wo Pächterwirtschaften vorherrschen, ist meilenweit kein Baum zu sehen. So kann man denn bei dem von Pächtern bebauten Boden kaum von einer Grundrente sprechen. Was vom Pächter dem Effendi (Großgrundbesitzer) gezahlt wird, ist das reine Arbeitserträgnis, das von dem herausgewirtschafteten Existenzminimum noch abgezogen wird. Es ist schwer sich das Elend vorzustellen, das in den arabischen Pächterwirtschaften herrscht. Der Mensch sinkt auf die Stufe des Viehs herab, mit dem er übrigens auch seine Wohnung, eine elende Lehmhütte, teilt. Diese an sich schon äußerst bedenklichen Verhältnisse wurden durch das Einsetzen der kolonisatorischen. Tätigkeit der Deutschen und Juden auf die unheilvollste Weise kompliziert. An und für sich bedeutete natürlich diese Tätigkeit einen Segen für das Land. Es zeigte sich erst jetzt, was intelligente, freie Bauern, die auch über die erforderlichen Geldmittel zur Durchführung von Meliorationen und Anschaffung des entsprechenden Inventars verfügen, aus dem palästinensischen Boden herauswirtschaften können. Die Grundrente, die bisher in Palästina fast gleich null gewesen ist, begann rasch zu steigen und mit ihr naturgemäß die Bodenpreise, auf welche überdies der ununterbrochene Zuzug von Ansiedlern aus Europa wirkte. Diese letztere Wirkung jedoch, die unter normalen Verhältnissen dem Lande Reichtum und Segen zu bringen geeignet war, wurde angesichts der bestehenden Bodenbesitzverhältnisse zum Fluch und zwar sowohl für den arabischen Pächter, als auch für die Kolonisten, bezw. die kolonisierende Gemeinschaft. Der arabische Großgrundbesitzer merkte schnell, daß er nunmehr mit seinem Boden ein viel besseres Geschäft machen könne, als wenn er ihn durch den Pächter weiter bearbeiten ließe. War schon der Boden bisher für ihn bloß eine Rentenquelle, die ihm ein arbeitsloses Einkommen im krassesten Sinne des Wortes gewährte, so wurde er nunmehr ein willkommenes Spekulationsobjekt. Es galt, ihn dem neuangekommenen Kolonisten zu verkaufen und zwar so teuer als möglich zu verkaufen. Was mit dem Pächter geschehen sollte, dem der Boden sozusagen unter den Füßen wegverkauft wurde, kümmerte den Effendi herzlich wenig. Er wurde eben auf die Straße geworfen und hatte das Weite zu suchen. So wurde denn die Kolonisation eine ununterbrochene Quelle von Pächtertragödien. Anderseits stieg der Bodenpreis in ungeahnter Weise. Die Forderungen der Effendis wurden immer schamloser, da ja keine Konkurrenz zu befürchten war. Der Boden in der Umgebung jüdischer Kolonien (die deutsche Kolonisation entwickelt sich nicht mehr) ist heute bereits unerschwinglich, selbst in.den entlegensten Teilen Palästinas steigen die Bodenpreise zu einer Höhe, an die man früher nicht im Traume dachte, von der man auch heute noch im sonstigen Orient nicht zu träumen wagt. Natürlich steigen dementsprechend auch die Bodenpreise in den deutschen und jüdischen'Kolonien auf eine fabelhafte Höhe. Sind jedoch diese Preise wenigstens teilweise berechtigt, da es sich hierbeium ameliorierten, meist bepflanzten, in gutem Zustande befindlichen Boden handelt, so fällt jedweder Schatten der Berechtigung beim arabischen Boden, 47*

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