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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 12 · p. 730

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 12
Article
Bodenfrage und Bodenpolitik in Palästina
Date
1921-01-01
Page
730 (sequence 3)
Language
German
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730 Arj eh Tartakower: gleich 917 qm, gleich ein Elftel Hektar), unter ihnen elf je 100000 Dunam, 7 je 30000 bis 100000 Dunam. Im Kreise Jerusalem-Hebron besitzen 26 Großgrundbesitzer 2 Millionen Dunam, im Kreise Jaffa gibt es 45 mit 162000 Dunam, in Sichern und Tull-Kerem 5 mit 120000 Dunam, in Djenin 6 mit 114000 Dunam, in Nazareth 8 mit 123000 Dunam, in Tiberias 6 mit 76000 Dunam. Die Familie Sursuk allein verfügt in verschiedenen Teilen des Landes, besonders im Tale Jesreel über einen Besitz von ungefähr 230000 Dunam. Insgesamt befinden sich in der Hand von 120 Familien mehr als 3 Millionen Dünam*). Dagegen müssen sich 67% der Fellachen im Kreise Jerusalem und 63% im Kreise Sichern mit einem Bodenausmaße von weniger als 50 Dunam bescheiden, obwohl in Syrien als der normale Besitz eines Bauern (die altdeutsche Hufe, in Syrien Feddan oder Sikke genannt) eine Fläche von 100—250 Dunam gilt.**) Im Gegensatz zu dem sich immer mehr ausbreitenden Großgrundbesitz ist von Großbetrieb keine Spur. Die allermeisten Großgrundbesitzer befinden sich außerhalb des Landes (meist in Ägypten) und denken gar nicht daran, ihren Boden selbst zu bewirtschaften. Er wird vielmehr entweder durch Vermittlung eines Unternehmers oder direkt in kleinen Parzellen an Bauern verpachtet, die hiefür einen Pachtzins (fast überall in natura), in der Regel ein Fünftel des Ertrages, und darüber hinaus noch alle Steuern zu zahlen haben. Die Verhältnisse gleichen diesbezüglich ganz denjenigen, wie sie bis zur Durchführung der berühmten Reformen in Irland bestanden, wie sie jetzt noch zum Teil in Italien und Rumänien bestehen, mit dem einzigen Unterschied, daß während es in den beiden letztgenannten Ländern meist Kleinbauern sind, die den Boden zupachten müssen, um existieren zu können, der Bauer in Palästina in den meisten Fällen nur Pächter ist, also von der Willkür des Großgrundbesitzers ganz und gar abhängig ist. Die Wirkungen einer derartigen Entwicklung der Bodenbesitzverhältnisse sind naturgemäß dieselben, wie in den eben genannten Ländern. Je mehr sich der Großgrundbesitz in Verbindung mit Absentismus ausbreitet, desto mehr geht die Landwirtschaft zurück. Ist schon die Wirtschaftsweise des arabischen Bauern ohnehin sehr primitiv, ohne irgendwelche merkliche Entwicklung seit vielen Jahrhunderten, so wird ihm durch seine soziale Stellung als Pächter, dabei meist auf kurze Zeit (der Pächter wird alle 3—4 Jahre gewechselt, damit in seinem Besitz keine Verjährung eintritt), jedweder Ansporn zur intensiveren Bearbeitung genommen. Es geht so weit, daß man bei einem arabischen Dorf von der Ferne erkennen kann, ob es ein Dorf von Pächtern oder freien Eigentümern ist. Nur beim letzteren sind *) Ben-Zwi: Die arabische Bewegung, „Der jüdische Arbeiter" Wien 192a. **) Es wäre noch zu erwähnen, daß es in Palästina ziemlich viel Boden gibt, der der toten Hand (Vakuff, muselmanische Stiftungsgüter) gehört, sowie daß es bis vor kurzem noch viel Kronland gab, daß meist Privatbesitz des Sultans war. Was die Bewirtschaftungsweise der beiden Arten betrifft, so ist zwischen ihnen und dem sonstigen Großgrundbesitz kein Unterschied.

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