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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 12 · p. 725

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 12
Article
Papst, Judentum, Palästina
Date
1921-01-01
Page
725 (sequence 3)
Language
German
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Papst, Judentum, Palästina 725 diese Fäden um einen vermehren. Zwei Zentren jüdischen Lebens also, Palästina und Polen, sind durch den Vatikan beeinflußbar, und Frankreich wird nicht zögern, diese Wirkung gegen jene jüdischen Bestrebungen zu wenden, die gegen Assimilation und für die Bewahrung jüdischen Eigenlebens wirken. Was haben wir dagegen zu erklären? Erst einmal zu klären, wem wir eigentlich gegenüber sind in dieser Gruppierung. Der Papst steht in dreifacher Funktion vor der Welt: als Haupt der katholischen Kirche, die sich für die allein Christi Willen entsprechende Gemeinschaft hält — sagen wir hier: des Katholizismus; ferner als Träger einer fürstenartigen politischen Macht. — nennen wir dies den Vatikan; und endlich als Blickzentrum starker politischer Parteien in vielen Ländern, die ihn nominell als Haupt verehren, in Wahrheit aber kirchlich gefärbte Nationalpolitik machen, und deren jede ihn für ihre Politik einspannen will, um die Institutionen der Kirche, dort, wo sie auf dem Staatenleben fußt, sich und ihrer Interessenzone, unter Wahrung einer bestimmten weltanschaulich zu denkenden Färbung, politisch nutzbar zu machen; nennen wir dies den Klerikalismus. Was wir hier trennen, ist selbstverständlich nur gedanklich trennbar, in Wahrheit entsteht das eine aus dem anderen, jede der drei Funktionen beeinflußt die andere, wie man es sich leicht selbst ergänzt; dennoch besteht die Scheidung zu Recht, die ( wir erkenntnishalber hier versuchen. Katholizismus ist ein spirituaiistisches System, da$ die jüdischen Elemente des Christentums soweit als möglich ausgeschieden oder eingekapselt hat; griechisch-römische Schöpfung, auf jüdischer Basis so unverpflichtend als nur möglich errichtet, den Hauptakzent auf die innere Anschauung — den Glauben — einer sehr abendländisch konzipierten, mystischen Trinität legend, welche dem Menschen in Gestalt der Sakramente zugänglich ist, und deren Gnadenquelle die Passion Christi ist; in mannigfachen Symbolen stellen sich die Zeiten diese zentrale Gottesgestalt dar, vom Jesuskind des Antonius bis zum göttlichen Imperator des Ignatius, vom guten Hirten bis zum Richter des jüngsten Tages treten immer neue Facetten der Gottheit dem Gläubigen gegenüber, dem sich noch zahlreiche Mittler gestalten hilfreich darbieten, um ihn dem Einfluß des Bösen — der Natur des gefallenen Menschen — zu entziehen, sofern er Gott in Christus bekennt und den aufrichtigen Versuch zur Nachfolge macht, die ihm durch reiche Gnadenmittel erleichtert wird. Dieser Katholizismus, eine totale, umfassende Idee, stellt sich dar als Kirche, d. h. als Gemeinschaft der Heiligen (exemplarischer Menschen) und der Gläubigen; ihre Einwirkung auf die Welt, als erlösender Glaube und tätige Caritas, hat in der Nachfolge Christi beseligende Quelle und beseligendes Ziel. — So wenig uns Juden dieser streng Spiritual und Stufenhaft errichtete Bau zu sagen hat, wären wir doch blind, sähen wir nicht daß er dem Leben des Europäers und seiner Geistigkeit überaus kongruent ist, viele seiner Bedürfnisse befriedigend und eine wirklich majestätische Kraft der Ergebung und Reinigung des Menschen der Möglichkeit nach -in sich schließend; und gäben wir nicht zu, daß er in der Tat Europa erzogen hat, in relativ hohem Maße die Grundlagen des heutigen Zu-

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