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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 12 · p. 724

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 12
Article
Papst, Judentum, Palästina
Date
1921-01-01
Page
724 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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724 Arnold Zweig: zu angenehmer Lebenshaltung im Auslande und der Herausgabe ihrer Presse zu verwenden — jener arabischen Presse, der wir die letzten Mordüberfälle verdanken, und deren Zentren in Paris, neuerdings anscheinend auch in Berlin, zu suchen sind. Sehen wir gründlich: der Papst beschirmt seine christlichen Araber — zugleich aber wird er in die französische Politik eingemauert Frankreich, von Foch bis Claudel, das klerikale Frankreich, dem die Ketzer ebenso zuwider sind wie die Juden, ja noch widerlicher, denn jene haben das Heil schon bekannt und sind dennoch abtrünnig geworden, diesen ist es nur angeboten worden, ohne daß sie es erkannten — das klerikale Frankreich marschiert in Syrien und mit allen Mitteln, marschiert gegen das protestantische England und damit, unter Assistenz jüdischer Franzosen, wie des Herrn Jean Finot, gegen die letzte Chance des jüdischen Volkes. Das antikirchliche Frankreich aber verfällt: Combes ist tot, Clemenceau schweigt, die Arbeiter teilen sich in einander lähmende Gruppen wie in Deutschland, und nach der ungeheueren Anspannung des vierjährigen Widerstandes überläßt das Land, wie überall, den Berufspolitikern eine Zeit die von Wilsons 14 Punkten eingeleitet worden war — jenen Deputierten, unter denen über hundert Millionäre sitzen. Und indem man den kapitalistischen Imperialisten den Vortritt gegen Deutschland, den klerikalen aber im Orient läßt, hat man sich in die Arbeit geteilt und den römischen Stuhl, der gegen Deutschland nicht aktiviert werden kann, als wirkende Kraft dort eingesetzt, wo Gegenkräfte innerhalb der katholischen Welt sich nicht melden können: gegen England und die Juden. Nicht als ob jene ersten am Orient desinteressiert? wären — die (leider inzwischen eingegangene) „Auslandspost" brachte voriges Jahr in ihrer Nummer 27 eine Aufzählung der „französischen Finanzinteressen im ehemals türkischen Gebiet", aus der klar ersichtlich wird, als wessen Agenten die Orientpolitiker Frankreichs angesehen werden dürfen — aber diese Liste wird man dem geistigen und energischen Haupt der Kirche eben nicht vorlegen. Dagegen wird man ihm sagen oder auch verschweigen: daß nach Habsburgs Sturz keine Großmacht, wenn nicht Frankreich, als Adjutant der Kirche auftreten kann, Frankreich, Polens Freund; und Frankreich wird sich des polnischen Katholizismus bedienen, um die Sympathien des Vatikans für den deutschen Katholizismus zu balancieren. Polen aber ist fromm katholisch ohne die Sektierertendenzen der Tschechen und ohne Ungarns Ohnmacht; selbst in einem bolschewistischen Polen wäre der Klerus eine Macht, weil die Bauern eine Macht bleiben, der keine Politik und kein ökonomisches Kraut gewachsen ist. Und da Frankreich genau weiß, daß das, was es den Deutschen jetzt, zwei Jahre nach Versailles, am Rhein und in Oberschlesien zufügt, böses Unrecht am ehrenvoll zusammengebrochenen Feinde von der Art ist, die den Täter immer erniedrigt und vom knirschend Erleidenden nicht vergessen wird, ist es an Polen gekettet — wenn es diese Ketten auch jetzt noch für Spielfäden der Marionette hält. Die Beziehungen zum Vatikan sollen

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