Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Papst, Judentum, Palästina
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 723 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Arnold Zweig: Papst, Judentum, Palästina 723 ARNOLD ZWEIG / PAPST, JUDENTUM, PALÄSTINA*) Es ist bekannt, daß die Lage der Christen in Palästina sich nicht nur nicht gebessert, sondern verschlechtert hat, und das infolge der neuen Einrichtungen, die als Ziel haben .... die Christen aus den Stellungen, die sie bis jetzt eingenommen haben, zu vertreiben und sie durch die Juden zu ersetzen." Dieser Satz entstammt einer Rede des vorigen Papstes im „Geheimen Kirchenrate", der noch weitere Stellen zu entnehmen sind. Der Papst „sprach von der angeblichen, teilweise schon verwirklichten Absicht der Juden, das Heilige Land mit einem Netz von Hotels und weltlichen Belustigungsunter-. nehmungen zu bedecken", beklagte, „daß seine Mittel zu beschränkt seien, um den armen Bewohnern dieses Landes Hilfe zu senden", bemerkte, „daß es keinesfalls sein Wunsch sei, die Rechte des jüdischen Elements verringert zu sehen — er wolle nur nicht, daß die Juden irgendwelche Vorrechte genössen — und schloß mit einem heißen Aufruf an die christlichen Regierungen, sie möchten bei der Mandatbesprechung darüber wachen, daß die Rechte der Juden denen der Christen nicht vorangesetzt werden"! Wefnn mans so hört, möchts leidlich scheinen — selbstverständlich bis auf den grotesken Ausdruck „weltliche Belustigungsunternehmungen", die ja von der Ukraine, Europens Geiste entsprechend, über Ungarn, Polen und Bayern bis nach Jaffa im Ermorden zahlloser Juden bestehen mögen, die wir aber doch nur ungern über Erez Jisroel netzförmig ausspannen möchten. Wir wollen den Juden in der Tat ein Vorrecht verschaffen, nämlich irgendwo nicht erschlagen, nicht mißhandelt und nicht einmal majorisiert zu werden; im übrigen aber nationale Autonomie-für alle Teile der Bevölkerung gewahrt sehen, und unsererseits den jüdischen Begriff der Gerechtigkeit ins Leben besser hineinbilden, als die Christenheit, deren Christlichkeit zu kritisieren wir Christen überlassen, an uns „Toleranz übte". Und was für Christen, wenn nicht englische Militärbeamte, aus Stellungen, die sie bis jetzt innehatten, verdrängt werden sollen, wird uns die redende Heiligkeit wohl nicht mitteilen können — wobei wir mit Vergnügen sehen, wie zärtlich The Pope, für den englischen Parität!, der Feind und Antichrist, sich der Protestanten anzunehmen weiß — wenn Politik im Spiele ist. Aber nein, der Papst tritt für die christlichen Araber ein, als legitimer Schulzherr und mit vollem Rechte — antwortet mir das objektive Ich. Die christlichen Araber! Wer sind sie? Missionierte Fellachen, arme Pächter mit Werkzeugen von Vor 2000 Jahren, die im wüstesten Lande der Erdkugel ebenso elend wie ihre moslemischen Blutsbrüder am Boden kleben — und Effendis, Großgrundherren, die wie ehemals ihre moslemische Parallele den arbeitenden Menschen mit levantinischer Härte ausnützen, um die Revenüen *) Dieser, einundeinhalbes Jahr vor der Mandatserteilung geschriebene Aufsatz, der ursprünglich zur Veröffentlichung an anderer Stelle bestimmt war und' uns erst jetzt zugegangen ist, scheint uns an Aktualität nichts eingebüßt zu haben. (Anm. d. Red.)