Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 12
- Article
- England im Nahen Osten
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 715 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Engiand im Wahen Osten Petroleumschätze des Kaukasus und die Erdschätze des Donetzgebietes. Sie saßen in Manchester und Marseille, in Alexandria und Athen. Als ihr Vertrauensmann fungiert Basil Zaharoff, Sohn einer russisch-griechischen Ehe, in Paris. Unabsehbare Reichtümer stehen ihm zur Verfügung. Er disponiert über entscheidende Anteile an der Munitions- und Rüstungsindustrie der Erde und beherrscht einen Teil der Presse. Er hat im Kriege eine mysteriöse und mächtige Rolle gespielt. Er hatte einen großen Einfluß bei Lloyd George und erhielt nach dem Kriegsende den englischen SirtiteL Er ist an der britischen Metallurgiefirma Vickers beteiligt, die unlängst eine Zweigniederlassung in Griechenland eröffnet und wie andere englische Firmen dort bedeutende Konzessionen erworben hat. Sir Basil Zaharoff und seine Hintermänner sind auch an Erdöltrusten beteiligt. Bei der steigenden Wichtigkeit des Petroleums für Verkehr und Kriegführung ist der Besitz von Erdölquellen zu einem der hitzigsten Kampfobjekte geworden. Zwei große Truste stehen einander gegenüber, die jede zahlreiche Tochtergesellschaften besitzen und deren vielverzweigter, unheimlicher, durch keine moderne Demokratie' kontrollierbarer Einfluß Völkerschicksale bestimmt. Von der einen Seite ist es die vereinigte British Shell und Royal Dutchgruppe, wo die Rothschilds und die von Basil Za!haroff vertretenen Häuser überwiegende Interessen haben, von der anderen Seite die amerikanische Standard Oil Company unter Rockefeiler. Die reichen Petroleumfelder bei Mosul bildeten das Wunschobjekt beider Gruppen. In den geheimen Verhandlungen während des Weltkrieges wurde Frankreich gezwungen, im Jahre 1916 die Rechte der englischen Gruppe auf das Erdöl in Mosul anzuerkennen. Das Abkommen von 1919 zwischen Sykes und Picot gab Mosul den Engländern und behielt für Frankreich nur das Vorkaufsrecht auf 25 Prozent der Ausbeute für die erste Periode vor. In San Remo 1920 mußte Frankreich dieses Abkommen, wenn auch widerwillig, anerkennen. Zur Ausbeutung dieser Lager an der Grenze von Kleinasien, Mesopotamien und Syrien war die Niederhaltung der Türkei, die Einwilligung der Araber zu der britischen Herrschaft und das Einverständnis Frankreichs nötig. Der Vertrag von Sevres schien dieses Schicksal zu bestätigen. Die an sich gewagte englische Politik schien siegreich. Von hier an folgte der Zusammenbruch, den viele Engländer auch schon vorher angekündet hatten. Die Shell Oil Company hatte durch Gewinnung und Begründung von Banken und Zeitungen (Banque de TUnion Parisienne, möglicherweise auch Credit Lyonnais; Courrier des Petroles, Echo National, die Zeitung der Clemenceaugruppe) und durch die Heranziehung einflußreicher französischer Politiker ihre Stellung in Paris befestigt. Bald aber folgte ihr die Konkurrenz. Die Standard Oil erwarb ähnlichen Einfluß, u. a. in der Banque de Paris et des Pays Bas und in der Tageszeitung Le Matin. Die französische Regierung begann seit 1921 sich ihrer in ihrem Kampfe mit der britischen Regierung zu bedienen. Dabei erfuhr sie natürlich die Unterstützung der amerikanischen Regierung. Ein natürlicher Bundesgenosse bot sich ihr in 46*