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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 11 · p. 700

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 11
Article
Das Gemeinschafts- und Wirtschaftsleben in der Siedlungsgenossenschaft von Merchawjah
Date
1921-01-01
Page
700 (sequence 7)
Language
German
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700 Umschau: Kolonisation worden ist. Ich will nur bemerken, daß unser Zustand dem bekannten „zwischen Hammer und Ambos" glich. Wir mußten sowohl dem türkischen Heer, als auch der deutschen Fliegerstation Genüge leisten. Mit Mühe konnten wir die Felder bestellen. In der Erntezeit nahmen wieder die Felddiebstähle überhand, die Ernte von 5678, die letzte unserer Genossenschaft, ist mit dem Blut ihrer Arbeiter gedüngt. Der Treue und hingebungsvolle junge Schomer Mosche Segallowitsch fiel, Chawer Israel Ride wurde gleichzeitig verwundet. Und wie um die letzten Anstrengungen der Genossen zunichte zu machen, trat jetzidas Fieber in einer furchtbaren Gestalt auf. Von 14 336 Arbeitstagen waren 3533 Krankheitstage. Die Kindersterblichkeit nahm einen erschreckenden Umfang an. Im Sommer 5678 starben von den Familien der Genossenschaft 4 Kinder, und den Familien der Kolonie ebenfalls 4. Die medizinische Hilfe kostete den Betrieb im Jahre 5678 Frs. 9833,89. Der Lohn der Monatsarbeiter, die erkrankten und während 3169 Arbeitstagen nicht zur Arbeit kamen, belief sich auf Frs. 9508,50. Herr Dr, Hille?. Joffe, ein guter Kenner des Ortes und seiner Bewohner, erklärte in seinem Brief an die technische Abteilung des zionistischen Zentralbureaus die abnormen Krankheitserscheinungen in Merchawjah teils durch die vielen stehenden Gewässer bei den arabischen Dörfern in der Nähe, teils durch die Anwesenheit des türkischen Heeres und eine gewisse Nachlässigkeit der Kolonisten in der Befolgung der medizinischen Vorschriften. Ein ganz besonders schwerer Schlag in diesem Jahre war die Rinderpest. Mit vieler Mühe und mit außergewöhnlicher Sorgfalt war es der Siedlungsgenossenschaft gelungen, eine geordnete Molkerei mit den allerbesten Schlägen (libanonisches und damaszenisches Vieh) zu schaffen. Das Vieh mußte viele Krisen überstehen, bis es sich akklimatisiert hatte. Im Laufe der Jahre wuchs auch schon ein einheimischer Schlag von allerbestem Vieh heran. Allmählich konnten wir sogar auf Verbesserung des Viehs in den anderen Kolonien von Galiläa Einfluß nehmen. Die Molkerei hatte während der schlechten Jahre auch große Bedeutung für die Verpflegung. So befand sich dieser Zweig der Wirtschaft, der nicht weniger wichtig war, als der Ackerbau, in der allerbesten Entwicklung. Da kam die Pest und vernichtete all unsre Hoffnungen. In unserem Kampf gegen sie waren wir gänzlich verlassen und das Unglück war, daß sie für die Beamten der Regierung zu einer neuen Einnahmequelle wurde. Durch den behördlichen Tierarzt wurden nämlich einige Tiere getötet, die laut Zeugnis eines europäischen Veterinärs schon wieder gesund waren, und um das übrige Vieh vor der Notschlachtung zu retten mußten wir dem beaufsichtigenden „Arzt" mehrere zehn Pfund zahlen. Der Verlust als solcher betrug nach den Preisen des Inventars vor dem Krieg Frs. 3245. Aber die Verluste, die die Pest durch Unterbrechung der natürlichen Fortentwicklung der Molkerei und die Verringerung der Einnahmen von der Milch nach sich zog, kamen auf eine viel höhere Summe. Der Verlust der Molkerei im Jahr 5678 betrug 9933,87 Frs. Im Gegensatz zu all diesem Unglück gab uns der Boden einen sehr guten Ertrag. Gerste brachte das sechzehnfache, ausgezeichnet im Vergleich zu den gewöhnlichen Erträgen, die Kichererbse das fünfzehnfache, der Weizen normaler Weise das achtfache. Dieser schöne Ertrag gab uns durch Verkäufe von Getreide in Gold die Möglichkeit, dem Palästinaämt unsere Schulden, die wir in türkischen Noten empfangen hatten, zurückzuzahlen. Aber nach den Anweisungen des Herrn Dr. Ruppin, der sich damals in Konstantinopel befand, stellten wir die überflüssigen Mittel des Betriebs unter die Aufsicht seines Vertreters in Palästina, des Herrn Diesengoff. Das Getreide blieb auf diese Weise in Galiläa für die Versorgung der dorthin geflüchteten Bevölkerung. Nach der Befreiung von Galiläa aber hatte man das Getreide nicht mehr nötig und so blieb es unausgenützt im Speicher liegen. Aus diesem Grunde ist es uns nicht gelungen, den Betrieb vor künstlichen Verlusten zu bewahren, die durch die Kursdifferenzen entstanden und eine schwere Last für den Betrieb bildeten. Trotz der gesegneten Ernte dieses Jahres schloß es ab mit einem Verlust von Frs. 5217,12. 1. Die Gewinne des Feldertrages verschlangen die Kursverluste, die zu einer Höhe von Frs. 55 334><>3 kamen. 2. Die Kriegsschäden kamen im Jahre 678 auf Frs. 16109,27. 3. Dazu kommt der Verlust der Molkerei, der, wie erwähnt, die gewaltige Summe von Frs. 9933>87 ausmachte. 4. Die Schädigungen durch die Ueberfälle konnten wir nicht in Ziffern ausdrücken. Den unmittelbaren Schaden der Ueberfälle muß man auf mehrere tausend Francs veranschlagen. Dazu kommt aber noch ein Schaden anderer Art. Die allnächtlichen Ueberfälle und die Mordtaten, die unter den Augen der Militärbehörde geschahen, raubten uns alle Ruhe und jedes Gefühl der Sicherheit, daß bisher wenigstens bis zu einem gewissen Grade geherrscht hatte. Die Kenntnis der Gefährlichkeit der Lage und die Unfähigkeit, sie irgendwie zu ändern, drückten die Chawerim vollständig nieder. Ihr seelisches Gleichgewicht war verloren, was auch infolge der Unterbrechung des gewöhnlichen Arbeitsganges nicht geringe materielle Verluste nach sich zog. Nach all diesen großen Hemmungen war die materielle Lage Ende 5678 zufriedenstellend und das Budget für das Jahr 5679 sichergestellt. Die Mandel- und Olivenpflanzungen auf einer Fläche von 120 Dunara

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