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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 11 · p. 698

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Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 11
Article
Das Gemeinschafts- und Wirtschaftsleben in der Siedlungsgenossenschaft von Merchawjah
Date
1921-01-01
Page
698 (sequence 5)
Language
German
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698 Umschau: Kolonisation damals hierüber geäußert wurden, will ich nur folgende verzeichnen: Die—materielle Lage der Familienväter unter uns ist schlecht. Fast alle haben Defizite, da entweder der Mann oder die Frau häufig erkrankt sind. Um ihre Lage zu verbessern, schlagen wir vor, ihnen die Möglichkeit selbständiger Wirtschaft zu geben: eine Kuh, Geflügel usw. Wenn auch die Eigenwirtschaft eine Disharmonie in die Gesamtarbeit des Betriebs bringt, so ist trotzdem die Verbesserung der Lage der Familienväter eine notwendige Sache. Doch muß die Eigenwirtschaft auf die notwendigsten Bedürfnisse beschränkt bleiben. In dieser Versammlung hatte auch ein Chawer vorgeschlagen, daß jedes Mitglied 10 Francs zu einem Hilfsfonds für Familienväter einzahlen solle. Die Frage fand in dieser Versammlung eine provisorische Lösung, indem die Versicherung ausgesprochen wurde, daß den Familien sofort die Möglichkeit geboten werden müsse, sich einen Hausgarten und einen Stall für Hausgeflügel einzurichten. Also damals rangen wir schon ohne Erfolg in dieser Frage und sie wurde von Jahr zu Jahr ernster. Rechnen wir die Faktoren zusammen, die auf das Leben des Betriebs in den ersten 3 Jahren seines Bestehens wirkten, so ergibt sich: 1. an der Schwelle des vierten Jahres seines Bestehens hatte der Betrieb noch immer keine feste wirtschaftliche Arbeits^ methode; 2. das Gemeinschaftsleben war immer noch mit der ungelösten Frage der Erhaltung der Familien beschwert. Als daher an uns die Frage herantrat, den Betrieb auf eigene Verantwortung zu übernehmen, waren sich die Chawerim bewußt, einen langen und schweren Weg vor sich zu haben. Aber es blieb uns keine Wahl. Wir vermochten nicht mehr den ständigen Kampf mit dem Leiter zu führen, und da im Laufe der ersten drei Jahre sich unsere Leute eine gewisse Erfahrung in der Arbeit und eine gewisse Kenntnis der besonderen lokalen Bedingungen erworben hatten, schlugen wir dem Aufsichtsrat der Gesellschaft vor, uns die Möglichkeit, zu geben, den Betrieb unter der Aufsicht von Fachleuten selbständig zu verwalten, wenigstens versuchsweise auf ein Jahr. Aber das große Weltunglück bewirkte, daß wir vollkommen unabhängig oder, richtiger gesagt, ganz uns selber Überlassen blieben, nicht nur für ein Jahr, sondern für vier Jahre und mehr. Die Zeit der Selbstverwaltung: Die erste Versammlung in der neuen Zeit fand am l. August 1914, dem Tage der Kriegserklärung, statt. Ehe wir noch etwas Über unsere Arbeit für das Jahr 5675, das schon nahe vor uns stand, beschließen konnten, überfielen die Kriegsnöte unsere kleine versprengte Siedlung. Viehrequisitionen be- . gannen in einer unbeschreiblichen- Stärke. Unsere Siedlung, die an einer Wegkreuzung liegt — be'i Afule zwischen Nazareth und Djunain — würde zum Objekt behördlicher Ausnutzung von Seiten der Regierungsstellen in den beiden letztgenannten Orten; der einzige Weg, der uns noch übrig blieb und den wir instinktiv wählten, war der, das Vieh unseres Betriebs in Begleitung von einigen Leuten nach benachbarten Kolonien zu flüchten. So konnten wir auch nicht in genügender Weise die Bestellung für das Jahr 5675 durchführen. Das Jahr 5675. (Der Verfasser schildert hier die bekannten Kriegsnöte, unter denen Merchawjah besonders zu leiden hatte: .die überaus starke Heranziehung von Menschen und Vieh für Kriegszwecke^, die Heuschreckenplage, die Leiden durch die zwei türkischen Heerlager, für die dauernd unbegrenzte Leistungen gefordert würden, Nöte durch politische Verdächtigungen, Brand der Scheune mitsamt eines Teils des frisch geernteten Getreides, die ungeheuerlichen Requisitionen, die die Hälfte anstatt des vorgeschriebenen Zehntels der Ernte wegnahmen. Da man daher Saat und anderes Getreide noch kaufen mußte, kam das Defizit des Jahres j 915 auf 29538 Frs. Der Verfasser schließt hier:) Vergleichen wir das Defizit des Jahres 5675 mit denen der vorhergehenden Jahre, so sehen wir ein Minus von 10000 Frs., in der Hauptsache durch ■ die Heuschreckenplage verursacht Ziehen wir noch hinzu die Verluste durch den Brand und die Kriegsschäden, so erkennen wir, daß der Boden den Arbeitern ihr Brot gegeben hat, und daß nur Unglücksfälle ohne Ende das Brot des Arbeiters aufgezehrt haben. Das Jahr 5676. Vor allem erkannten wir, daß wir die Fläche der Gartenpflanzungen vergrößern müßten, um dem Betrieb, der mit Landwirtschaft allein nicht gehalten werden konnte, eine sichere Basis zu geben. Wir richteten 40 Dunam Boden für Gartenpflanzungen anschließend an die bestehenden her; nur im Winter 5676 wurde die Bepflanzung durchgeführt und wie man bemerken muß, mit Erfolg. Außerdem wurden in diesem Jahre verschiedene Fruchtbäume und 10 Dunam Eukalyptus auf Sumpfboden gepflanzt. Um den Hof, um die Scheune und an die Grenze unseres Landbesitzes wurden Zierbäume gesetzt, die sich gut entwickelten. Die landwirtschaftlich bebaute Bodenfläche betrug im Jahre 5676 203,7 Hektar d. h. zwei Drittel unseres Bodens. Die Verluste kamen auf Frs. 8773,64. Diese Zahl zeigt, daß der Betrieb nahe daran war, sich zu rentieren. Das Defizit erklärt sich zum größten Teil durch, die Verluste, die der außergewöhnlich heiße Chamsun vom Mai 1916 verursachte. Er verbrannte größtenteils die Gemüsepflanzungen,

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