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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 11 · p. 671

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 11
Article
Herzl und die Neue Freie Presse
Date
1921-01-01
Page
671 (sequence 13)
Language
German
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IRI
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Herzl und die Neue Freie Presse 671 9. September, Unternach. Den Brief an Bacher schickte ich nach reiflicher Ueberlegung nicht ab. Wolffsohn, der mich hierher begleitete, stimmt mir darin bei. 19' 11. Oktober. Mittags in der Neuen Freien Presse. Ich sprach zuerst mit Benedikt. Dieser noch gegnerisch, aber im Innersten wankend. Er habe die Kongreßberichte aufmerksam gelesen und sehe durch die Wand. Wir hätten vom ursprünglichen Programm viel aufgegeben. An die Bank glaubt er nicht und hat Angst, ich könnte mich dabei kompromittieren. „Wenn Sie zwei Mill. Pfd. zusammenbringen, lasse ich mich hängen." „Geben Sie mir das geschrieben?" sagte ich. „Wien, 10. Oktober. Wenn Sie die zwei Mill. Pfd. zusammenbringen, lasse ich mich hängen." Er machte eine spaßige Bewegung nach dem Schreibtisch hin, als wollte er es unterschreiben. Dann mit Bacher, der unsicher schmunzelte. Ich zeigte beiden die Depesche des Großherzogs, die mich nach Potsdam ruft. Weiter sagte ich ihnen natürlich nichts, bereitete sie aber vor, daß etwas Großes bevorstehe. Beide versuchten, in das Geheimnis einzudringen; es gelang ihnen aber nicht. * * * In der Redaktionszeit heute Krach mit Bacher und Benedikt. Ich sagte Bacher: „Ich bin vom Kaiser eingeladen, mit nach Palästina zu fahren." Die Mitteilung deprimierte ihn geradezu. „Finden Sie das nicht interessant?" fragte ich. „Ich sehe daraus Verlegenheiten für die Neue Freie Presse kommen. Er hat Sie doch als Zionist eingeladen." „Jedenfalls nicht als Redakteur der N. Fr. Pr. Sie brauchen auch weiter nichts über den Zionismus zu schreiben. Für Sie das beste wäre, Sie ließen mich die Sache im Blatt exponieren. — Aber wie Sie wollen." Dann mit Benedikt, der wild, scheu und neidisch zur Seite blickte. Ich vermute, daß sie etwas auskochen; vielleicht werden sie meine geheime Mitteilung ans Auswärtige Amt verraten. Bacher verwies mich an Benedikt. Dieser wieder an Bacher. Benedikt log: „Calice ist unser Feind seit zwei Jahren, seit Sie mit Newlinski dort waren. Er hat einen geheimen Brief über Sie ans Auswärtige Amt geschrieben, den uns Döczy mitteilte." „Ich wollte ja Döczy an der Gurgel packen, Sie haben mich abgehalten. Übrigens brauche ich Calice zum Krenreiben". Et sur cela bonjour:

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