Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Herzl und die Neue Freie Presse
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 669 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Herz] und die Neue Freie Presse 669 1. die Gründung der zionistischen Bank mit zwei Millionen Pfd. Stg., von der ich Ihnen erzählte, 2. die Reise des Deutschen Kaisers nach Palästina. Er wird die dortigen jüdischen Kolonien besuchen; es ist nicht unmöglich, daß er dabei etwas über den Zionismus sagen wird. Eine ruhige parteilose Erwähnung dieser Bewegung, die Sie unterschätzt haben, empfiehlt sich daher meiner Ansicht nach schon jetzt aus Anlaß des zweiten Kongresses. Etwa so, wie es im 18. Bde. von Meyers Konv.-Lex. steht (eine halbe Seite). Die N. Fr. Pr. engagiert sich damit durchaus' nicht für meine Ideen. Ich mute Ihnen keineswegs zu, daß sich die N. Fr. Pr. als jüdisches Blatt erklären solle, obwohl Sie sowohl wie Dr. Bacher zweifellos jüdisch fühlen. Wenn sie früher die Besorgnis hatten, man werde Ihnen das Recht absprechen, über die Sprachen- und anderen inneren österreichischen Streitigkeiten mitzureden, falls Sie den Zionismus propagierten, so ist das heute nicht mehr gerechtfertigt. Ich habe doch auch Mandate für den Reichsrat abgelehnt, und schreibe lieber Theaterstücke, wenn ich auch den armen Juden helfen will. Was kann man ernstlich dagegen einwenden, daß wir für die gedrückten Judenmassen ein Refugium errichten wollen? Glauben Sie mir: überall wohin das zionistische Programm gedrungen ist, hat es der Judenfrage eine für uns günstigere Form der Diskussion gegeben. 8. August Auch dieser Brief blieb unabgesendet, weil ich heute in der Setzerei einen Leitartikel von Hofrat Richters Hand über die Kaiserfahrt nach Palästina sah. Bacher hat sich den von mir empfohlenen Artikel — unter Weglassung des Zionismus — von Richter schreiben lassen. 17' 77. August. Gestern Abschied von Bacher, da ich auf Urlaub gehe. Er war sehr herzlich, konnte mir nicht oft genug wiederholen, wie schwer er mich entbehre. Er kam selbst auf den Kongreß zu sprechen. Ich sagte ihm, wenn er sich's noch überlege und über den Kongreß berichtet haben wolle, brauche er mir nur zu telegraphieren, ich würde ihm einen guten objektiven Bericht versorgen. Er stöhnte: Es geht nicht! Wenn Sie nicht bei uns wären, hätten wir gewiß schon über den Zionismus geschrieben, wie die Kölnische Ztg. und andere. Es geht nicht wegen Ihrer Person, wegen der Doppelstellung, die Sie einnehmen. Ich drang nicht weiter. Wir nahmen ganz herzlich Abschied. Aber da ich den Eindruck habe, daß er nun doch mürb geworden ist, will ich den Brief an Benedikt mutatis mutandis — da der Kaiserartikel fortfällt — schreiben. * *