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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 11 · p. 668

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 11
Article
Herzl und die Neue Freie Presse
Date
1921-01-01
Page
668 (sequence 10)
Language
German
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668 Herz! und die Neue Freie Presse Ich: „Einer wäre da: die Reise des Deutschen Kaisers nach Palästina. Aber da müßte man vom Zionismus reden." Er: „Man müßte nicht! Sie müßten." Hierauf engagierte ich das Gespräch über den Zionismus. Er leugnete das Wachstum der Bewegung, die höchstens als Kuriosum erwähnt werde. Er bedauere, daß ich so halsstarrig sei, weil er mich gern habe und ich sonst ein gescheiter Mensch sei. Ich: „Dann muß doch die Präsumtion für mich streiten, daß ich auch da nichts Dummes mache." Er: „Gerade wegen dieser Präsumtion ärgere ich mich ja über Sie. Sie können mir nicht einreden, daß das eine ernste Bewegung ist." Ich: „Der Deutsche Kaiser hat durch Lucanus meine Broschüre über den Baseler Kongreß von mir verlangt." Das frappierte ihn. Ich: „Der Sozialismus war anfangs auch keine ernste Bewegung. Leugnen Sie, daß er es jetzt ist?" Er: „Der Sozialismus hat sich gründlich geändert. Marx und Lassalle dachten sich noch eine blutige Revolution. Heute geht der Sozialismus mit bürgerlichen Mitteln an die allmähliche Umwandlung der Gesellschaft." Ich: „Glauben Sie, daß ich eine programmgemäße Erfüllung meiner Gedanken erwarte? Ich täusche mich nicht über die Pluspetitio, die in meiner Forderung liegt." Hierauf ging ich in die Besprechung der Frage als einer internationalen ein. Wie Frankreich und Rußland das offenbar vom Deutschen Kaiser beabsichtigte Fußfassen in Palästina nicht zulassen würden, und daß wir Zionisten für Europa das pis-aller vorstellen dürften. Er hörte mich an, schüttelte den Kopf. Aber diesmal war die Partie remis. 16. 5. August. Brief an Benedikt (nach Scheveningen): Verehrter Freund! Zunächst die Mitteilung, die Sie beim Abschied von mir verlangten: mein gutes Kind ist soweit hergestellt. Ich trete heute meinen Urlaub an. Jetzt erst habe ich auch die Ruhe, auf etwas zurückzukommen, was wir einmal im Hotel Imperial besprachen: die Frage, ob die N. Fr. Pr. heuer über den Zionisten-Kongreß in Basel berichten wird. Sie wollten mit Dr. Bacher darüber sprechen, haben aber wohl im Gedränge der Abreise daran vergessen. Ohne Ihre Ansicht zu kennen, wird sich wohl Dr. Bacher in der Sache nicht entscheiden, d. h. er wird sich keinen Bericht versorgen. Alle anderen Blätter, auch die Wiener, dürften aber diesmal berichten. Hinzukommt, daß in der nächsten Zeit zwei Tatsachen vorliegen werden, welche eine Erwähnung der zionistischen Bewegung unvermeidlich machen:

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