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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 11 · p. 667

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 11
Article
Herzl und die Neue Freie Presse
Date
1921-01-01
Page
667 (sequence 9)
Language
German
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Herz! und die~ Neue Freie Presse 667 kann. Wenn ich nur die N. Fr. Pr. in der Hand hätte, würde ich Wunder wirken können. So plage ich mich hilflos ab und komme nicht vorwärts. Es ist etwas Schreckliches, bei so klaren Plänen, deutlich vorgezeichnetem Weg zur Ohnmacht verurteilt zu sein. Ich reibe mich daran auf. Eine lumpige Million brauchte ich, um< ein großes Blatt zu führen, und für diese größte Sache des Judentums ist sie nicht aufzukriegen. Das geht nun schon seit zwei Jahren so. Als Badeni noch da war, hätten sich die größten Wirkungen erzielen lassen. Seine Regierung, ja die Zustände Oesterreichs sähen heute anders aus. Er wollte mich ja in seiner nächsten Nähe haben, und ich hätte' ihm nie den törichten Rat seiner Ministerialen gegeben, die Polizei ins Parlament marschieren zu lassen. Er ist fort, nach Gautschs kurzer Regierung ist nun Thun da, mit dem wohl nichts zu machen ist. Fmctus percipiendi! Versäumte Gelegenheiten des Zionismus. 14. 5. Mau Zur signatara temporis gehört es, daß ich jetzt wieder jeden Tag „klar zum Gefecht" in die Redaktion gehe. Die „Welt" macht mit Nr. 19 einen Vorstoß. 10000 Exemplare werden verschickt; an den Straßenecken kleben Plakate, die Wredes Roman „Die Goldschilds" ankündigen. Die Frage ist, wie Bacher und Benedikt das aufnehmen. Ich denke mir, daß sie von den Financiers wieder einmal gegen mich gehetzt werden, und erwarte den Konflikt stehenden Fußes, freilich auch ein bißchen aufgeregt. Der Bruch mit der N. Fr. Pr. ist ja nur noch eine Frage der Zeit, wenn ich sie nicht durch meine Gesinnungsgenossen kaufen lassen kann. Die „Weltu frißt immer mehr Geld, und muß sich bald durchsetzen, sonst geht sie ein. Etwa ein Jahr lang kann ich sie noch halten, ohne mich selbst zu ruinieren. Von der Partei hat die „Welt" keinen Sukkurs; ja es taucht jetzt der Gedanke auf, ein Jargonblatt vom Aktionskomitee subventionierenzu lassen, das der „Welt" einige Konkurrenz machen dürfte. 5. Mai. Bacher und Benedikt haben sich bisher nicht gerührt. On dirait meme qu'ils sont aimables. Aber es liegt unverkennbar etwas in der Luft. 15. 31. Juli. Gestern kleines Treffen mit Bacher. Ich schreibe jetzt Leitartikel für die.N. Fr. Pr., die Erfolg haben. Bacher bedeckt mich mit Komplimenten, wie vorher der jetzt auf Urlaub gegangene Benedikt. Gestern sagte Bacher: „Ihre Leitartikel sind mir noch lieber als Ihre Feuilletons. Liegt heute kein Stoff vor?" 43*

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