Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Herzl und die Neue Freie Presse
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 666 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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666 Herzl und die Neue Freie Presse 10. 77. Oktober, Gestern abend um halb elf, als ich aus dem Theater kam, fand ich die telephonische Aufforderung Bachers vor, unverzüglich ins Bureau zu kommen. Ich hielt eine Rauferei wegen meines Artikels „Mauschel" für bevorstehend und machte wieder einmal zum Gefecht klar. Für das Herz sind diese Bereitschaften nicht gesund, aber moralisch stärken sie den Menschen. Faltsse alerte. Er wollte nur eine Aenderüng an einem Entrefilet, das ich für die heutige Nummer geschrieben. n. 5. November. Heute Krach mit Bacher. Blochs Wochenschrift brachte einen perfiden Artikel: Herzl und die N. Fr. Pr. Nachdem wir unsere Redaktionssachen erledigt hatten, lag die Wochenschrift auf Bachers Tisch. Er fragte, ob ich sie ihm hingelegt habe. Nein. Aber er möge sie lesen. Er tat es. Ich sah derweil zum Fenster hinaus. Ich wollte nicht früher weggehen. Dann sagte er: „Das ist unhaltbar. Sie müssen wählen zwischen uns und der ,Welt*." Ich sagte: „Auf den Wunsch, daß ich meinen Namen nicht in der ,Welt4 unterschreibe, bin ich eingegangen. Weiter kann ich nicht gehen. Wenn Sie es für inkompatibel finden, bitte ich, es mir förmlich zu sagen. Ich bin engagiert. Es wäre, wie wenn Sie mir zumuten, daß ich mein Wort nicht halten soll. Am Wort hängt der ganze Mann dran. Ich halte meine, und wenn was immer zugrunde geht." .... Darauf — lenkte er ein, gab ' dem Gespräch eine Wendung ins Allgemeine, und wir stritten über die Politik der N. Fr. Pr. Er verabschiedete sich sogar mit großer Herzlichkeit von mir. Die heutige Schlacht habe ich gewonnen. Morgen dürfte es wegen meines Artikels „Die Jagd in Böhmen" neuerlich losgehen. Es ist eine schleichende Krise mit unzweifelhaftem Ausgang — meinem Ausgang. 12. 18. März 1898. Jetziges Verhältnis zu den Herausgebern der N. Fr. Pr. Gemütlich mit Bacher. Benedikt pflegt zu scherzen: „Mit dem Herzl muß man vorsichtig sein. Vielleicht hat er doch recht. Wenn er hereinkommt, glaube ich immer, Jesus Christus tritt ein." 13- 26. März. Ich kämpfe noch immer mit einem hölzernen Schwert, wie Tabarin oder wie Kinder. Ich brauchte ein stählernes: d. h. eine große Zeitung, mit der man Politik machen, Dienste und Gefälligkeiten leisten, Verbindungen anknüpfen