Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Neue Wege der Arbeiterschaft: Der Misrad
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 640 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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640 Umschau : Arbeiterbewegung in Palästina für Bürospesen, Amortisation, Krankenkasse usw. den Gruppen ausgezahlt, die außerdem Vorschüsse erhalten. Die Leitung behält die Gestellung der Materialien und Werkzeuge (die neuerdings einer besonderen, bis auf weiteres dem Maschbir angeschlossenen Abteilung übertragen wurde). Sie behält das Recht, Fachleute und Vorarbeiter an die Arbeitsstellen zu entsenden; die Uebertragung der Arbeiten erfolgt im Zusammenwirken mit dem der lokalen Gesamtvertretung der Arbeiterschaft und mit den Fachgruppen (in den Städten); der Misrad kann jeweils Arbeiten bestimmten Gruppen außerhalb der Reihe übertragen, falls das notwendig erscheint. Schon diese Frage, wer die Uebertragung der Arbeit bestimmen solle, die Leitung oder die Gesamtvertretung der Arbeiterschaft, hat in Haifa zu lebhaften, Diskussionen geführt. Darüber später. Wesentlich ist noch Folgendes: Die Uebertragung der Arbeiten erfolgt zu festen Preisen pro qm oder cbm der betreffenden Arbeitsgattung (z. B. Graben im Sand, Graben im Stein, Betonieren usw.) Die Bestimmung dieses Preises erfolgt durch eine auf der Generalversammlung gewählte Fachkommission, die möglichst bald nach Beginn der Arbeit die Preise festsetzt. Die Arbeit selbst wird unter eigener Verantwortung der betreffenden Gruppen ausgeführt, nur in Notfällen wird von außenher ein Vorarbeiter gestellt. Als Mlnlmalbasis des zu erreichenden Verdienstes, der innerhalb der Gruppen zur Verteilung kommt, und der bei guter Arbelt beständig steigen kann, gilt 7 Pfd. pro Monat, bei höherem Verdienst bis 9 Pfd. werden 15%» darüber hinaus 25°/0 eingezogen (doch gibt es daneben individuelle Abmachungen mit jeder Gruppe). Die Preise werden festgesetzt auf Grund eines mittleren, von Fachleuten zusammen mit der Gruppe festgesetzten Froduktlonsertrages; kommt keine Einigkeit zustande, so entscheidet die gewählte Fachkommision, die aus Arbeitern besteht (eine Entscheidung steht ihr dort nicht zu, wo Mitglieder der Kommision selbst als Arbeiter beschäftigt sind). Bei der Festsetzung der Preise undLöhne werden, und das ist das Entscheidende, die örtlichen Verschiedenheiten (Schwierigkeiten des Transportes von Produkten und Wasser, Klima usw). berücksichtigt. Es wird also eine gleiche Basis für alle Arbeiten hergestellt und darüber hinaus individuelle Verdienstmöglichkeiten der Gruppe zugelassen. An durch eigne Tüchtigkeit unverschuldeten Gewinnen oder Verlusten ist die Leitung mit 75°/0 beteiligt; im übrigen gehen Verluste der Kwuzoth auf ihre eigne Rechnung. Die Defizitmöglichkeit ist damit für die Leitung beschränkt. Sie erstreckt sich auf die Organisierung der Materialisierung, der Gesamtleitung usw. Sogenannte Verlustarbeiten, Notstandsarbeiten, dh. Arbeiten, die von vornherein als Defizitarbeiten zu betrachten sind und wegen des Arbeitsmangels doch übernommen werden, werden nur noch unter besonderen Bedingungen ausgeführt; auf der Haifaer Tagung wurde die Gründung eines Fonds aus den Gewinnen für diesen Zweck besprochen (er ist bisher allerdings noch nicht beschlossen); bei einzelnen Verträgen wird Geld für diesen Fonds eingezogen. Die Arbeit selbst wird von den Gruppen in Akkord ausgeführt; nur einzelne Arbeiten werden täglich oder monatlich bezahlt. Dieses Prinzip der Ausgleichung der Preise, der Grundpfeiler des ganzen Systems, unterlag und unterliegt heftiger Diskussion. Es ergaben sich Schwierigkeiten der Anwendung bei den sogenannten Facharbeiten, sowie überhaupt in der städtischen Arbeit. In der skizierten Formulierung besteht zwar für jede Gruppe die Möglichkeit, Vorarbeitern und gelernten Facharbeitern nach Bedarf oder auch prinzipiell höhere Löhne zu bezahlen; die großen Gruppen aber empfinden dieses Prinzip der Auszahlung höherer Löhne an Einzelne als unvereinbar mit den Prinzipien der „Haschwaat ha^mechirim* (Ausgleichung der Preise). Besonders spricht dagegen, daß es in Erez Israel überhaupt keine Facharbeit im europäischen Sinne gibt. (Um nicht mißverstanden zu werden: gemeint ist, daß auch der gelernte Arbeiter nicht wie in Europa längere Zeit als Facharbeiter arbeiten kann, sondern oft gezwungen ist, zu anderer Arbeit überzugehen. Das ist ein in den Verhältnissen liegendes Uebel, das aber für die Arbeiferbewegung seine guten Seiten hat.) Die Arbeiter, die heute beim Bau arbeiten, .kommen. morgen zum Kwisch und übermorgen zur Landwirtschaft, je nach den Erfordernissen der Arbeitslager So wird der, der heute Fachmann bei einer Arbeit ist, morgen einfacher Arbeiter und umgekehrt; Die selbständige Organisierung der Facharbeit, sowie ihre höhere Bezahlung führt in ihren Konsequenzen zur Absonderung von der Gesamtarbeiterschaft. Diese ablehnende Haltung hat eine Einschränkung dadurch erfahren, daß die Bauarbeiten in der Tat in starkem Masse Facharbeiter fordern, und bei der höheren Bezahlung, die private Maurer erhalten, besteht die Gefahr, daß Facharbeiter sich in den Gruppen nicht halten. Wir werden sehen, daß dasselbe Problem der Vereinigung von gelernten und ungelernten Arbeitern in den englischen Gilden eine Rolle spielt, allerdings nicht im Zusammenhang mit dem Problem der Lohnausgleichung, Die städtische jüdische Arbeiterschaftl besonders in Jaffa, deren Organisierung besondere Probleme stellt, widersetzt sich aus verschiedenen Gründen, von denen noch zu sprechen sein wird, teilweise der Haschwaat hamechirim. Um der unheilvollen Konkurrenz der Arbeiter unter einander zu begegnen, sucht der Misrad heute, wie es bereits in Haifa ist, die Annahme und Verteilung auch