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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 10 · p. 638

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 10
Article
Neue Wege der Arbeiterschaft: Der Misrad
Date
1921-01-01
Page
638 (sequence 2)
Language
German
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'■ \, 638 Umschau: Arbeiterbewegung in Palästina Arbeiten wurden von den Parteien Übernommen, ohne daß bisher die geringste Praxis in der Ausführung bestand, da Chausseen bisher weder im Galuth noch in Erez Israel von jüdischen Arbeitern ausgeführt worden waren. Es gab keine Fachkräfte als Vorarbeiter. Die Alijah drängte, und so sah man sich aus allgemeinen Rücksichten genötigt, zahlreiche Kräfte in die Kwischarbelt hinein zu führen, mehr als die Arbeit aufnehmen konnte. In einem Zwischenstadium, ohne daß Abrechnungen vorlagen, wurden die Arbeiten mit Passiven und Aktiven vom Misrad übernommen; die neue Organisation musste selbst erst eingespielt werden. So kam das, was nicht wunderlich erscheint: Die erste Epoche schloss mit einem Defizit in der Höhe von 22000 äg. Pfd. Die Gründe dieses Defizits, das von der zionistischen Organisation gedeckt wurde, sind mannigfaltig. Zunächst kann keine Rede von einem generellen Defizit aller Arbeiten sein. Einzelne Arbeiten, wie Tiberias-Zemach z. B. haben nie ein Defizit gehabt; in anderen, wie Tiberias-Tabchah wurden die Schulden wieder eingebracht, Zrifin wurde von vornherein als Defizitarbeit übernommen, um der Arbeitslosigkeit zu steuern, und wurde trotz der Aussichtslosigkeit eines Erfolges nicht aufgegeben. / Es ist durchaus falsch, was auch durch die spätere Entwicklung bewiesen wird, diese Arbeiten als Beweis für das Versagen der Ideen der Selbstarbeit der Arbeiterschaft zu betrachten. , Die Defizite sind vielmehr als unvermeidlich für das Anfangstadium anzusehen, in dem, wie schon angegeben, irgend eine Praxis weder von Seiten der Leitung, noch der Arbeiterschaft bestand. Die Defizite erstrecken sich nicht auf alle Arbeiten, denn wo aus irgend einem Grunde wie in Tiberias-Zemach eine bessere Organisation bestand, wurde die Arbeit produktiver gestaltet Einem Bericht von Dr. Aschermann zufolge betrug z. B. die Krankenziffer in Tiberias-Zemach nur 5% gegenüber den anderen Orten mit 15 bis 25% Kranken; nur eine Folge guter ärztlicher Organisation (gerade in Tiberias-Zemach wurde aber ohne Defizit gearbeitet). Das Wesentliche ist aber vor allem in der Tatsache zu finden, die Remes (einer der Leiter des Misrad) einmal treffend mit den Worten ausgedrückt hat: Die Arbeitslosigkeit von 1922 drückt sich 1921 in Defiziten aus. Die ' wahllose Ueberführung von arbeitslosen Olim an den Kwisch war zwar ein Mittel ...gegen Arbeitslosigkeit, machte aber eine produktive Gestaltung der Arbeit unmöglich. Diese Unrentabilität ist aber in den Verhältnissen begründet, was sich leicht aus folgender Rechnung ergibt: Ein Defizit von 22 000 äg. Pfd. macht nicht ganz 2000 äg. Pfd. im Monat, bei 2000 Arbeitern 1 äg. Pfd. pro Kopf im Monat Die Arbeitslosenunterstützung und Aufwendungfür den Einwanderer im Jahre 1922 dürfte kaum geringer sein, ohne daß damit positive Werte geschaffen werden. Die gemachten Angaben Über die Gründe des Defizits dürften genügen, und es erscheint nicht nötig, sie weiter zu spezialisieren. Es seien noch erwähnt: mangelnde Organisierung der Leitung, ungenügende Buchführung und vor allem: der Kapitalmangel, der z. B, zu einem der Hauptschuldner des Misrad den Konsumverein „Maschbir" machte, obwohl Kreditgewährung durch den Konsumverein gegen ein Hauptprinzip der Konsumgenossenschaft verstößt und so eine der wichtigsten Institutionen der Histadruth an der Entfaltung gehindert wurde. Um einen Begriff von der Art der durch den Misrad ausgeführten Arbeiten zu geben, sei erwähnt, daß 30o/0 des Regierungsgeldes für Erdbewegung und sonstige Transporte mit Wagen, 21 °/0 für Erdarbeiten, 9,1 °/0 für Behauung und Legen großer Steine als Chausseeunterlagen (sog. Soling), 17,7 °/0 für Hauen und Legen von Schotter, und 22,2% für Bau und sonstige Arbeit ausgegeben wurde In dem Moment, als die großen Regierungsarbeiten (nachdem im Sept. 1921 eine Preisreduktion von Seiten der Regierung stattgefunden hatte) bereits im wesentlichen als abgeschlossen gelten konnten, trat die zionistische Organisation zugleich mit der Aufdeckung der Defizite mit der Forderung einer stärkeren Kontrolle über den Misrad : hervor und verlangte die Verlegung der Zentrale von Haifa nach Jerusalem, eine stärkere Beaufsichtigung, sowie die Einsetzung von Fachleuten. Diese von Dr. Eder vertretene Forderung führte zu kräftigen Protesten von Seiten der Arbeiterschaft auf der 2. Konferenz, die die Beaufsichtigung als Eingriff in die Selbstverwaltung ablehnte und vorbrachte, daß die Forderung der zionistischen Organisation, wenn überhaupt, jetzt, wo die Arbeiten fast beendet, die Arbeiter eingeübt, die Organisation auf andere Basis gestellt sei, keinen Grund mehr habe.?) In der Tat hat die zionistische Organisation nur in einem einzigen Falle die Einsetzung eines von Ihr empfohlenen „Fachmannes" erzwungen. Es braucht kaum erwähnt zu werden, daß das Prinzip fachmännischer Leitung eine Lebensnotwendigkeit des Misrad ist; man wandte sich nur gegen den Zwang von außen. Auf der 3. Konferenz war außer Sprinzak kein Vertreter der zionistischen Organisation mehr anwesend und von neuen Forderungen dieser Art verlautete nichts mehr. Die Epoche der Verluste war abgeschlossen; Die Bilanz zum 1. April 1922 ergab, daß neue Defizite im Winter bereits nicht mehr entstanden, das nach dem 1. August 1922 entstandene ge- *) Unterdes war die Arbeiterzahl bereits^ verringert, die Buchführung, die technische Leitung, ^sowie die Gruppen selber neuorganisiert worden,

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