Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 621 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus dem religiösen Leben der Ostjuden1 621 steigen (Asarjah di Fano im Jonat Elam Kap. 15, Lemberg 1859, Blatt 13 A). In Tiberias wird an der sog. angeblichen Grabstätte des sagenhaften R; Meir baal ha-ness (nicht zu verwechseln mit dem Tannaiten R. Meir), am Grabe des Maimonides und anderer Gerechten gebetet. In den Kreisen der Zaddikim wird besonderes Gewicht darauf gelegt, daß in Safed auf den Gräbern der. berühmten Kabbalisten R. Isaak Lurja, R. Moses Kordovero, R. Josef Karo (Verfasser des Schulchan Aruch) u. a. gebetet wird. Unter Umständen, besonders wenn es sich um eine Frau handelt, die der Hilfe bedarf, wird auch am Grabe Raheis gebetet. Das Grab Raheis befindet sich bekanntlich auf der Strasse, die von Jerusalem nach Hebron führt; aus Anlaß des Besuchs der Patriarchengruft in Hebron wird dann oft auch am Grab „unserer Mutter Rahel" gebetet. Der Schlüssel des über dem Grabe Raheis erbauten Mausoleums befindet sich gewöhnlich in Jerusalem beim Synagogendiener. Die Familie des Kranken setzt sich im Notfall zwecks Betens an den . Gräbern und heiligen Stätten unmittelbar mit einer bekannten Person oder mit einer frommen Institution, zumeist auf telegraphischem Weg, in Verbindung. Bei Erkrankung eines Zaddiks oder eines seiner Angehörigen besorgt dies gewöhnlich der Gabbai. Sobald die Nachricht in Erez Israel anlangt, daß für einen Kranken gebetet werden soll, begeben sich sofort zehn fromme Männer (ein sog. Minjan) an die heiligen Stätten bezw. Gräber, wo sie für die Genesung des Kranken die üblichen Gebete verrichten. Der Großteil der jüdischen Bevölkerung in Erez Israel, der sog. alte Jischub, bezieht seit Jahrhunderten seinen Unterhalt aus den Unterstützungsgeldern, der sog. Chalukah, die ihm von den außerhalb Erez Israels lebenden Brüdern zukommen. Die in den "'Asylen und sonstigen frommen Anstalten untergebrachten älteren Leute beschäftigen sich ausschließlich mit dem Studium der Torah wie auch mit Beten für das Wohl ihrer Förderer und Wohltäter. Das Beten an den heiligen Stätten und Gräbern war früher gewissermaßen eine Spezialität der ganzen in Armut lebenden Judenheit in Erez Israel. Es sahen sich deswegen besonders fromme und hervorragende Männer wie auch Frauen berufen, selbständige Gebete für besondere Fälle zu verfassen. Manche dieser Gebete wurden von den verschiedenen „Sendboten", sog. Meschulachim, die zwecks Einsammlung von Spenden ins Ausland geschickt zu werden pflegten, als besonders geeignete Seguilah für verschiedene Fälle und Anlässe an die frommen Spender geschenkt. Auf diese Weise haben viele dieser Bittgebete im Volk Verbreitung und Popularität gefunden und sind auch in manche im Osten gedruckten, zumeist vom kabbalistischen Geist getragenen Sondergebetbücher wie z. B. Schaare Zion, Maaneh Laschon u. a. als »wunderbare vom Heiligen Lande gebrachte" Gebete aufgenommen worden. Die von frommen Frauen in Erez-Israel in jiddischer Sprache verfaßten Gebete sind mit der Marke „vom Heiligen Lande gebracht" den Fräuenbittbüchern, den sog. „Tchinnot" beigedruckt. Im Volke werden diese vom Heiligen Lande gebrachten Gebete bezw. Tchinnot besonders hoch gewertet und als sehr erfolgreich angesehen. Um so höher wird deren Bedeutung