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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 10 · p. 620

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 10
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1921-01-01
Page
620 (sequence 6)
Language
German
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620 Samuel Rappaport: Kreisen ist es Brauch, daß in Notfällen und ganz besonders bei schwerer Erkrankung man sich nach Erez Israel wendet, damit an den heiligen Stätten und Gräbern um Rettung und Hilfe gebetet werde. Daß alle Zaddikim vielerlei Verbindungen mit Erez Israel haben, ist ^selbstverständlich. Zählen doch die bedeutenden Zaddikim dort unter der früheren jüdischen Bevölkerung, dem sog. alten Jischub, zahlreiche Chassidim zu ihren Anhängern, die sich in besondern, nach den Herkunftsorten bezeichneten Bethäusern, wie z. B. Lubawicer, Beizer, Sadagorer, Husiatyner, Czortkower, Gorer, Wiznicer usw. Klausen bezw. Stüblech konzentrieren. Es gibt übrigens auch kaum eine angesehene ostjüdische Familie, die nicht irgendwelche familiäre oder humanitäre Beziehungen zu Erez Israel hätte. Viele Familien haben dort jemand aus dem Kreise ihrer nahen oder fernen Angehörigen, dem sie durch Förderung und Unterstützung die Möglichkeit geben, auf heiliger Erde Gott und der Torah den Rest seiner Jahre zu widmen. Überdies unterläßt es fast keine fromme Familie, den religiösen und humanitären Institutionen in Erez Israel Spenden bezw. regelmäßige Beiträge zukommen zu lassen, wofür diese ihren statutarischen Bestimmungen gemäß unter anderem verpflichtet sind, in dringenden Fällen für ihre Förderer an den heiligen Stätten zu beten. Im Fall einer schweren Erkrankung wird dann in manchen Kreisen an einen in Erez Israel wohnenden Verwandten oder Freund und in Ermangelung eines solchen an eine der vielen frommen Institutionen telegraphiert, daß für den Kranken — unter Angabe seines und seiner Mutter Namen — gebetet werde. Man wendet sich da an eine oder andere der sog. vier heiligen Städte, nämlich: Jerusalem, Hebron, SafSd und Tiberias. In erster Linie kommt natürlich Jerusalem in Betracht, da es die größte jüdische Gemeinde hat und dort, außer den vielen heiligen Gräbern, sich die uralte heilige Betstätte des jüdischen Volkes, die „Kotel-Maarabi" (die Westmauer) noch befindet, von der die „Schechinah" nie gewichen sein soll (Midrasch Rabbah, Schemot Abschnitt a). In Hebron wird an der Patriarchengruft, der sog. Mearat ha Machpelah gebetet. Ueber der Mearat ha Machpelah befindet sich eine Moschee, in deren Inneres eine Treppe führt. Die die Patriarchengruft besuchenden Juden werden auf dieser Stiege nur bis zur fünften Stufe gelassen. An der linken Seite der fünften Stufe befindet sich an der Mauer eine kleine Öffnung, die angeblich in die unterirdische Gruft führt, in der die Patriarchenpaare ruhen. Während meiner Anwesenheit in Hebron sah ich mehrere Juden an dieser fünften Stufe inbrünstig beten und durch die Öffnung Kwittel wie auch Kerzen hineinwerfen. Die Kwittel hatten, wie ich bemerkt habe, denselben Text wie solche, die man einem Zaddik überreicht. Ich fand dort unter den Betenden solche, die über einen aus chuz le Arez (Ausland) gekommenen Auftrag für einen Kranken beteten. Sind es^och die Erzväter, auf deren Verdienste der Jude in seinem täglichen Gebet sich beruft. Die Mearat ha Machpelah ist der Zentralpunkt, den zuerst alle jüdischen Gebete und Hymnen passieren müssen, bevor sie zu Gott empor-

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