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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 10 · p. 600

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 10
Article
Palästinas Eintritt in die moderne Weltwirtschaft
Date
1921-01-01
Page
600 (sequence 13)
Language
German
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6oo A r j e h Tartakower: Schäften sozial und ökonomisch zweckmäßigere Formen für die weitere Kolonisation. Während die Deutschen immerhin mehr landwirtschaftlich arbeiteten, drang die jüdische Kolonisation auch in den Städten kräftig vor, eroberte sich einen bedeutenden Anteil am Handel und -Gewerbe und war auch die erste, die an eine Förderung der Industrie dachte. So waren denn die wenigen Fabriken, die bisher in Palästina entstandenem den allermeisten Fällen durch jüdisches-Kapital begründet. Daß die jüdische Kolonisation auch . viel Reichtum mit sich ins Land brachte, ist angesichts des Charakters der Kolonisation, die von vornherein als eine nationale gedacht war, eine lange Zeit hindurch (in der Epoche der Rothschildschen Administration) jedoch auch einen stark philanthropischen Anstrich besaß, selbstverständlich. Die Summen, die durch sie im Lande investiert wurden, belaufen sich auf viele Millionen (allein von Rothschild 50 Millionen Fr.) und angesichts der ununterbrochenen Vorwärtsentwicklung der Kolonisation ist auch der Zustrom des Goldes ein ununterbrochener. Wurden doch noch vor dem Krieg die alljährlich ins Land aus jüdischen Quellen fließenden Gelder (in die allerdings auch die Chalukka und sonstige Unterstützungsgelder einzurechnen sind) auf 10 Millionen Fr. jährlich geschätzt. Welche Bedeutung diese Summen für das arme Palästina haben, braucht nicht weiter auseinandergesetzt zu werden. Ich bin mit der Darstellung der Gründe, die die moderne Entwicklung Palästinas mit sich gebracht haben, zu Ende. Es gilt nur noch zusammenzufassen. Wir haben gesehen, wie aus den drei Ursachenreihen, aut die die Entwicklung Palästinas zurückgeführt werden kann, die erste, die politische Gestaltung der Verhältnisse im Lande, von der kurzen Epoche der ägyptischen Herrschaft abgesehen, erst in den allerletzten Jahren in der Richtung der Europäisierung der palästinensischen Wirtschaft zu wirken beginnt, während die zweite, die religiöse Bedeutung Palästinas, um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts in der Form des „friedlichen Kreuzzugs" einsetzt und in den drei Richtungen ihrer Entfaltung das Wirtschaftsleben des Landes beeinflußt. Die Organisierung und Festigung der christlichen Konfessionen brachte mit sich einen Goldstrom ins Land, zugleich aber auch den hohen Klerus, der durch seine Lebensweise den Sinn für europäische Bedürfnisse weckte, die Missionstätigkeit hob den Kultur- und Wirtschaftsstand der Bevölkerung durch ihre Unterstützungstätigkeit, durch Gründung von Schulen und Gewerbeförderungsinstituten, während der Pilgerstrom aus dem Westen zahlreiche Verdienstmöglichkeiten schuf und dadurch die Bevölkerung direkt bereicherte. Wir haben schließlich bei der Schilderung der aus wirtschaftlichen Ursachen hervorgehenden Einwirkungen das europäische Kapital bei seiner Tätigkeit in Palästina beobachtet und die segensreichen Wirkungen der drei Kolonisationen gesehen, die einerseits Musterbeispiele der Wirtschaft im Lande schufen, anderseits riesige Kapitalinvestitionen mit sich brachten, die auf das ganze Wirtschaftsleben des Landes befruchtend wirkten.

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