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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 10 · p. 599

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 10
Article
Palästinas Eintritt in die moderne Weltwirtschaft
Date
1921-01-01
Page
599 (sequence 12)
Language
German
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Palästinas Eintritt in die moderne Weltwirtschaft 599 sich wandten, revolutionierend wirkten. In der Landwirtschaft wirtschafteten sie unter Anwendung modernster Methoden Erträgnisse heraus, die für Palästina fabelhaft scheinen. Ihre Kolonien wurden zu wahren Oasen, deren Wert auch entsprechend schnell stieg. So wurde der Wert der Kolonie Haifa im Jahre 1909 auf 1200 000 Frank, der Wert Saronas auf 2 700 000 Frank geschätzt. Wie hoch die Erträgnisse der deutschen Landwirtschaft in Parlästina waren, kann aus der Tatsache ersehen werden, daß Sarona allein den Türken 40000 Frank an Steuern jährlich zahlte. Aber die deutschen Kolonisten waren nicht nur Landwirte, sie waren auch Unternehmer, Handwerker, Kaufleute. Sie bauten die ersten Wagen im Land, die bisher ganz unbekannt waren, und brachten das Wagnergeschäft in Haifa zum Blühen. Sie führten zuerst den regelmäßigen Diligenceverkehr ein zwischen Haifa und Akko,. Haifa und Nazareth, Jaffa und Jerusalem, während sich die arabische Konkurrenz erst viel später einstellte, als sie die großen durch die Deutschen erreichten Erfolge sah. Sie bauten auf eigene Kosten die Straße von Haifa nach Nazareth, die erste moderne Straße in Palästina und zeigten hierdurch der türkischen Regierung, wie man Straßen anlegt. Sie eröffneten die ersten Kaufläden europäischer Art und führten eine Menge Artikel ein, die bisher im Lande ganz unbekannt waren. So wurden denn die Deutschen wahre Lehrmeister für das Land. Daß ihr Einfluß trotzdem ein geringer war, ist einzig auf ihre geringe Zahl zurückzuführen, die in den besten Zeiten 3000 nicht erreichte. Auch in der Zukunft dürfte es in dieser Beziehung nicht anders werden, da der Gedanke an eine weitere Einwanderung noch vor dem Kriege infolge der schlimmen Einwirkung des Klimas aufgegeben worden ist. Aber nicht nur durch ihre Tätigkeit wirkten die Deutschen segensreich. Sie brachten auch außerdem viel Reichtum ins Land. . Waren doch die deutschen Kolonisten fast ausnahmslos wohlhabende Leute, die ihr ganzes Vermögen hinüberbrachten, um es im Lande zu verwerten. Das Vermögen der Templerkolonien belief sich bereits im Jahr 1876 auf 3 Millionen Frank. Darüber hinaus kamen ihnen noch große Summen an Unterstützungsgeldern aus Deutschland zu. So erhielt z. B. die deutsche Kolonie in Jaffa allein in dem ersten Halbjahr 1872 fast 12000 Taler aus Deutschland. Die zur Förderung der deutschen Ansiedlungen in Palästina mit einem Stammkapital von 300 000 Mark gebildete Gesellschaft sandte alljährlich viele tausende Mark hinüber und streckte auch das Geld zum Ankauf des Bodens der Kolonien Wilhelma, Bethlehem und Um-el-Achmed vor. So förderte die deutsche Kolonisation auch in dieser Beziehung das Wirtschaftsleben des Landes. Die jüdische Kolonisation Palästinas hatte fast alle Vorzüge der deutschen, die sie sich zum Muster nahm, ohne deren Mängel. „Sie ist von vornherein im größeren Maßstab begonnen worden und hat es bis auf den heutigen Tag zu einer großen Anzahl von Kolonien und Arbeitersiedlungen gebracht Während sie es im Körnerbau nicht den Deutschen gleichzutun vermochte, überflügelte sie sie im Pflanzungsbau bei weitem und schuf darüber hinaus durch Förderung der Arbeitersiedlungen und Bildung von Pachtgenossen-

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