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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 10 · p. 593

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 10
Article
Palästinas Eintritt in die moderne Weltwirtschaft
Date
1921-01-01
Page
593 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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Palästinas Eintritt in die moderne Weltwirtschaft 593 im Lande, die auf einer höheren Kulturstufe standen und höhere Bedürfnisse hatten. Der hohe Klerus, der ins Land kam, um dort ständig zu bleiben, brachte den Begriff europäischen Lebens und europäischer Bedürfnisse mit sich. Während er einerseits freigebig Geld ausstreute und zahlreiche Verdienstmöglichkeiten im Lande schuf, weckte er auch, zunächst unter der städtischen Bevölkerung, das Bedürfnis nach einer anderen Lebisnsart, das bis nun im Lande unbekannt war. Noch, wichtiger waren die wirtschaftlichen Resultate der Missionstätigkeit. Man ging' dabei von der Voraussetzung aus, daß die Bekehrung der Bevölkerung zum christlichen Glauben so lange ausgeschlossen sei, als sie auf ihrer niedrigen Kultur- und Wirtschaftsstufe verbleibe. So wurden denn die Missionstätigkeit in erster Reihe einerseits eine Unterstützungs-, anderseits eine Kultur- und Wirtschaftsförderungstätigkeit. In ersterer Beziehung wäre insbesondere die intensive Tätigkeit der zahlreich aufsprießenden Wohltätigkeitsanstalten zu erwähnen. Während sie noch im Jahre 1835 an den Fingern abzuzählen waren, waren ihrer 1857 bereits soviel, daß sich Titus Tobler während seiner dritten Palästinareise nicht mehr recht unter ihnen orientieren konnte. Man suchte durch Gründung von Krankenhäusern und Ambulatorien, sowie durch Verteilung von Arzneien den Gesundheitsstand der Bevölkerung zu heben. Fast jede grössere europäische Nation gründete eigene Krankenhäuser. So entstanden französische, griechische, russische, preußische, englische, armenische neben den, auch soeben gegründeten, jüdischen Spitälern. Daneben ging auch die eigentliche Unterstützungstätigkeit. Man verteilte unter die Bevölkerung Kleider und Lebensmittel, zahlte für sie Mietzinse, gab auch Barunterstützungen. Auch hier waren die dafür aufgewendeten Summen riesig. Um nur einige Beispiele zu nennen: Im Jahr 1855 gaben die Franziskaner allein an Unterstützungsgeldern für die Armen der Konfession 247140 türkische Piaster, 1857 180 835 türkische Piaster aus, während die von den Katholiken überhaupt nur in Jerusalem verteilten Gelder in denselben Jahren 30000 Gulden betrugen. Die protestantische Mission verteilte jährlich an 7000 Pfund. Daß dadurch viel Elend aus der Welt geschaffen wurde, ist selbstverständlich. Viel wichtiger war jedoch die eigentliche Auf bautätigkeit. Im ganzen Lande wurden Schulen gegründet, die europäische Kultur unter die Bevölkerung tragen sollten. Die Zahl dieser Schulen ,war eine überaus große. Es gab keine Stadt in Palästina, in der nicht wenigstens einige ins Leben gerufen wurden. Selbst in größeren Dörfern entstanden Missionsschulen. Ist auch der Wert der von ihnen, nur allzu oft künstlich und mit untauglichen Mitteln, verbreiteten Kultur, von einem höheren Gesichtspunkt aus betrachtet, ein geringer, da sie nur das Levantinertum großgezüchtet haben, so muß doch zugegeben werden, daß diese Tätigkeit angesichts des gänzlichen Mangels eines halbwegs brauchbaren Schulwesens im Lande einen entschiedenen Fortschritt bedeutete. Gleichzeitig wurden auch zahlreiche Gewerbeschulen begründet und zu diesem Zweck besondere Instrukteure aus

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