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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 10 · p. 592

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 10
Article
Palästinas Eintritt in die moderne Weltwirtschaft
Date
1921-01-01
Page
592 (sequence 5)
Language
German
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593 Ar j eh Tartako wer: das Ansehen der eigenen Konfession durch mächtigen Ausbau der religiösen Institute und der kirchlichen Organisation im Lande zu festigen. Man trachtete anderseits in die Bevölkerung einzudringen, sie kulturell und wirtschaftlich zu heben und auf diesem Wege für sich zu gewinnen. Man bemühte sich schließlich, in den breiten Massen der Christenheit Interesse für Palästina zu wecken, den Pilgertrieb möglichst zu steigern, um auf diesem Wege die religiösen Gefühle zu stärken und zu festigen. Jede einzelne dieser drei Richtungen sollte für das wirtschaftliche Leben des Landes von größter Bedeutung werden. In ersterer Beziehung begann die Tätigkeit durch Gründung der Patrirachate. Den Anfang machte das protestantische Patriarchat, das 1841 von Friedrich Wilhelm IV. von Preußen begründet und durch den Schweizer Samuel Gobat organisiert wurde. Es folgte das griechisch-orthodoxe Patriarchat, das im Jahr 1845 von Konstantinopel nach Jerusalem verlegt wurde. Schließlich wurde auch das lateinische Patriarchat im Jahr 1847 durch den Papst in Jerusalem neu begründet. Der Organisierung der Patriarchate folgte der großzügige Ausbau der Klöster und Kirchen, die bisher mehr oder minder verwahrlost dastanden. Von katholischer Seite wurde die Kustodie des heiligen Landes, d. i. die Ordensprovinz der Franziskaner, wieder ins Leben gerufen. Sie zählte bereits in den 70er Jahren in ihrem Gebiete (Unterägypten, Palästina, Zypern) 49 Klöster mit 420 Ordensmitgliedern. In Palästina selbst besaß sie nach einer Statistik aus dem Jahre 1856 9 Klöster, 16 Hospizien, 6 Kirchen, 7 Heiligtümer, 13 Kapellen, 4 Hilfskapellen, 20 Pfarreien, die eine Bevölkerung von 18 591 Seelen umfaßten. Im Jahre 1884 wurde auch der Orden der Dominikaner nach Palästina verpflanzt unld entsprechend dotiert. Das Beispiel der Katholiken fand bei den Protestanten und Griechischorthodoxen lebhafte Nachahmung. Klöster wurden reformiert oder neugegründet, wobei die Insassen durchweg aus Europa hereingebracht wurden (unter der Klosterbevölkerung Palästinas befindet sich bis zum heutigen Tage kein einziger* Eingeborener), Kirchen und Kapellen neudotiert und ausgebaut, Pfarreien gegründet und zu ihrer Leitung der Klerus aus Europa berufen. Dies alles verlangte natürlich riesige Geldmittel, die in Europa bereitwillig gesammelt wurden. Ein wahrer Goldstrom ergoß sich ins Land. Die zu diesem Zweck begründete Gesellschaft zur Verbreitung des Glaubens, die in ganz Westeuropa arbeitete, nahm in den 30 Jahren seit 1830 bis x86o 67000000 Fr. ein. Zur Errichtung des protestantischen Patriarchats wurde von Friedrich Wilhelm IV. die Summe von 100000 Talern gespendet. In Oesterreich wurde das von Josef II. aufgehobene Kommissariat für das Heilige Land im Jahr 1843 neu errichtet und sandte jährlich 70 000 Gulden nach Palästina. Von Bayern flössen jährlich durch den dortigen Missionsyerein 7000 Gulden ins Land, aus Rußland von Sammlungen, die unter dem Protektorat des Zaren Nikolaus stattfanden, jährlich 40—50 000 Fr. Natürlich kamen all diese Summen dem Lande zugute, da sie nur dort verausgabt wurden. Zugleich aber s$h Palästina zym erstenmal eine zahlreiche Gruppe von Leuten

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