Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Palästinas Eintritt in die moderne Weltwirtschaft
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 591 (sequence 4)
- Language
- German
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Palästinas Eintritt in die moderne Weltwirtschaft 591 Ibrahim Paschas zu kurz (bereits 1840 wurde Palästina durch die europäischen - Mächte für die Türkei wieder zurückerobert); auch waren ihre Mittel zu beschränkt, um ohne irgendwelche Beihilfe aus -Europa bleibende Werte schaffen zu können. So verging denn diese Periode spurlos für das Wirtschaftsleben Palästinas und machte der türkischen Mißwirtschaft wiederum Platz. Eine radikale Aenderung trat, wie bereits bemerkt, mit der Eroberung Palästinas durch England ein. Die neue Regierung, die im Jahr 1920 die Form einer geordneten Zivilverwaltung annahm, macht die erdenklichsten Bestrebungen, um in kurzer Zeit das wieder gut zu machen, was im Lauf vieler Jahrhunderte verlotterter Herrschaft am Lande gesündigt worden ist. Sowohl auf dem Gebiete der Gesetzgebung, als auch der Gerichtsbarkeit und der Verwaltung sind bisher, soweit es die noch ungeordnete völkerrechtliche Stellung Palästinas zuläßt, bedeutende Änderungen.eingetreten, deren Wirkungen auf das Wirtschaftsleben des Landes bereits zu sehen sind. Ich kann jedoch an dieser Stelle, wo es mir darum geht, die beginnende Europäisierung der palästinensischen Wirtschaft in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts zu schildern, auf diese Frage nicht näher eingehen. Gehen wir nunmehr zum zweiten Faktor über, der eine Verknüpfung Palästinas mit Europa mit sich brachte. Nun könnte es erstaunlich scheinen, - gerade in Bezug auf die zweite Hälfte des .vorigen Jahrhunderts von der ~v3f Einwirkung der Tatsache, daß Palästina ein religiöses Zentrum der ganzen Christenheit ist, zu sprechen. War es dies doch neunzehn Jahrhunderte lang, ohne daß es für das wirtschaftliche Leben des Landes von irgendwelcher positiven Bedeutung gewesen wäre. Wenn ich dennoch diese Tatsache da behandle, so tue ich es deswegen, weil eben die zweite Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts in dieser Beziehung eine Ausnahme bildet. Es war ein mächtiges Auflodern der religiösen Gefühle, das um die Mitte des vorigen Jahrhunderts einsetzte und die verschiedenen christlichen Konfessionen und« Sekten zur positiven Arbeit im Lande anspornte. Das Christentum hat nur noch einmal eine ähnliche, sogar noch stärkere Welle von religiösem Enthusiasmus und Opferfreudigkeit gesehen. Es war dies die Zeit der Kreuzzüge. Während sich aber damals das Interesse auf die militärische Eroberung des Landes konzentrierte und die Ergebnisse für das Land die denkbar traurigsten waren, da es, ein blühendes und wirtschaftlich hoch entwickeltes Gebiet, im Lauf zweier Jahrhunderte infolge der fast unaufhörlichen Kämpfe in einen Trümmerhaufen verwandelt wurde, gestaltete sich jetzt die Entwicklung ganz anders. Man ging von vornherein nur darauf aus, durch unermüdliche Aufbauarbeit die eigene Stellung im Lande zu festigen und es auf diese Weise langsam friedlich zu erobern. Der Wettbewerb, der in dieser Beziehung unter den christlichen Konfessionen begann und zutreffenderweise als der friedliche Kreuzzug bezeichnet wird, sollte daher in wirtschaftlicher Beziehung von segensreichsten Folgen für das Land werden. In drei Richtungen ging diesbezüglich die energische Tätigkeit. Man suchte einerseits die Stellung unci