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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 9 · p. 581

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 9
Article
Grundsätzliches zur Siedlungsarbeit
Date
1921-01-01
Page
581 (sequence 4)
Language
German
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Umschau: Kolonisation 581 Galiläa zu vergrößern und so schnell wie möglich damit zu beginnen. Es ist auch notwendig, eine neue jüdische Hafenstadt am Mittelländischen Meere zu gründen, damit wir nicht gezwungen sind, in allen Küstenstädten (wo wir immerhin Einfluß haben werden) uns den Forderungen der Mehrheit und den ökonomischen Lebensgesetzen, die nicht wir geschaffen haben, zu fügen, und damit über unseren Landerwerb in allen Städten nicht das Damoklesschwert hängen bleibe, daß wenn wir heute nicht den doppelten Preis bezahlen, wir morgen schon den vierfachen werden zahlen müssen. Wir müssen uns einen festen Stützpunkt gegen feindliche Angriffe, von welcher Seite sie auch kommen mögen, erbauen. Unsere Palästinaarbeit in ihrem Verhältnis zu den Eingeborenen kann nicht in dem Stadium verbleiben, daß alle unsere Geldmittel beständig in fremde Taschen fließen, weil die Juden nun einmal genötigt sind, Boden zu erwerben, Fundamente zu legen, durch nichtjüdische Bauleute bauen zu lassen, von bodenständigen Kaufleuten betrogen zu werden, und die Mittel zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse von den Arabern um gutes Geld empfangen müssen. Unsere Arbeiten müssen ökonomisch geführt werden, daß nun endlich diese Notwendigkeiten schwinden und uns nichts mehr anhaben können*). Unsere Arbeit ist ohne eine wirtschaftliche nationale Grundlage unmöglich. Zur Aufnahme eines Millionenvolkes müssen die Tore weit geöffnet sein, durch die die Verbannten eintreten und wo sie die erste Anleitung für ihre Arbeiten und Leistungen im Lande finden. Für den ganzen Ballast, der in das Land während eines ungeheuren Aufbaus gebracht wird, für die Massen- Institutionen, die Palästina mit den Galuthländern und mit den Einwanderern verbinden, und zur Wahrung des nationalen Charakters unserer Arbeit ist eine gemeinschaftliche, einheitliche und zentralisierte Grundlage notwendig. Das Hauptmerkmal dieser Grundlage wird ihre Weiträumigkeit sein. Nur im Süden des Landes erstrecken sich weite unbewohnte Gebiete von der Küste bis tief in das Innere des Landes. Deshalb soll unsere Hafenstadt, der Gründpfeiler unserer Tätigkeit, an einem Punkte zwischen Aschdod und El-Arisch erbaut werden. Ein- *) Der Preis für eine Quadratelle Land beträgt in Tel-Awiw von 6 sh. aufwärts. D. *■ für ein Dunam von 440 ägyptischen Pfund an. Ein Hof von 5 Dunam käme so auf 2200 £, von 10 Dunam auf 4400 £. Um dieses Geld wäre es möglich im Süden Palästinas genügend Boden für ganze Stadtviertel zu bekommen, aber nicht bloß für solche, wie Tel-Awiw, wo jeder Hofbloß a/3 Dunam hat, sondern für Viertel einer modernen Gartenstadt. richtungen zur Aufnahme und Ansiedlung der Einwanderer, Beratungs- und Arbeits vermittlungssteilen, Anstalten zur schnellen Erlernung der hebräischen Sprache, Krankenhäuser zur Heilung der Eingewanderten vorT" den Krankheiten des Landes und zu ihrer Kräftigung, aufgestapeltes Baumaterial: Holz, Steine und Eisen, Lagerräume für Getreide und Landesfrüchte, die zum Export bestimmt sind, und für die Waren, die eingeführt werden, Mittelpunkte für einem internationalen Handelsverkehr, Magazine für Maschinen und Bestandteile, technische Büros für Vorberatungs- und Aufbauarbeiten müssen alle auf diesem unseren Anfangspunkt errichtet werden*). Die Ausgangspunkte unserer Arbeit sind also: Jerusalem, Tiberias und die neue Hafenstadt. So sind die Begriffe Aufnahmestädte, Vergrößerung der Zentralpunkte und wirtschaftliche nationale Grundlage, miteinander verknüpft, In Jerusalem und Tiberlas, die wir sofort vergrößern müssen, werden wir die ersten Aufnahmeanstalten erbauen. Die dritte Aufnahmestadt wird am Ausgangspunkte unserer nationalen Anfangsarbeit,- im neuen Hafen, errichtet werden und viele tausend Häuser umfassen. Die Gärten an den Häusern von 5—10 Dunam Land werden von der Familie des Arbeiters oder im Auftrag der Gemeindeverwaltung bearbeitet werden. Die jüdische Eisenbahn wird die Hafenstadt mit folgenden Punkten verbünden: 1. Jerusalem, Über Berseba und Hebron; 2. mit dem Osten des Landes über eine Station der Hedschasbahn; 3,- mit einem Punkte an der Westküste des Toten Meeres; 4. von dort weiter bis Jericho; 5. von Jericho längs des Jordanbeckens bis Tiberias und endlich 6. mit Akba (das wiederum in einer geraden Strecke mit Jerusalem und Berseba verbunden sein soll). Die jüdische Eisenbahn wird auf diese Weise in erster Reihe den Süden des Landes und das Jordanbecken durchziehen, d. h. jene Gebiete, die wir zu erwerben^ hoffen und die heute noch meistens unbewohnt sind. Im Jordantal werden große Kraftzentren erstehen und dort werden große Siedlungen geschaffen werden, die durch die Eisenbahn mit dem jüdischen Hafen verbunden sein werden. Es ist ein wichtiges Gesetz in unserer Palästinaarbeit: Jede allgemeine, gemeinsame Unternehmung kostet uns unsere ganze Arbeit und bringt uns nur einen Teil (10—50 %) des wirtschaftlichen und politischen Gewinns *) In zweiter Reihe käme die Erweiterung der städtischen Siedlungen von Safed und Hebron. Jenes nimmt in Obergaliläa die Stelle ein, wie Tiberias in Untergaliläa. Hier ist die einzige jüdische Ansiedlung zwischen Jerusalem und dem Süden. Beide werden sich in moderne Gartenstädte mit landwirtschaftlicher Siedlung verwandeln.

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