Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 9
- Article
- André Spire
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 571 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Andre Spire 571 den anderen zugerufen: Kommt, wollt, es ist der Sieg! und zum Leben gesprochen: Halt ein! Einen Augenblick nur! Überlege, urteile! Nur einen Augenblick besinne dich, höre auf zu vernichten. Aber das Leben ging seinen schweren Schritt weiter. Und wir, die wir gewagt hatten, uns vor seinen Atem zu werfen, ihm mit dem Biß der Gerechtigkeit uns nähern wollten, wann wird es seine schwere Hand auf uns legen? . . . Leben und Tod, Gerechtigkeit und Schönheit, Einzelwille und Unendlichkeit: dazwischen steht der Mensch. Und singt, weil wie in ferner Urzeit auch heute der Gesang ihn aus Angst und Furcht zu klarer Heiterkeit hebt. In seiner Ode „A la Nation Juive" gibt Spire dem jüdischen Volke einen Wunsch auf seinen Weg mit, der mehr ist, als sein persönlicher Wunsch. Es ist wie ein Wort Europas an das alte Volk, das sich wieder dem Orient auf seinem Marsche zuwendet. Spire ist der einzige jüdische Lyriker, der auch Europäer ist, Erbe einer Welt, die ihre Wurzeln in Hellas und Rom hat, Schüler einer Liebe für Ordnung, Klarheit und Schönheit Nur Tschernichowski hat, freilich oft mehr als Programm und Kampf denn als Besitz^ und Schöpfung, ähnliches gewollt. Unsere jüdischen Lyriker in Deutschland aber erliegen alle dem Zug nach Osten, der dieses Land und seine Kultur nach dem Zusammenbruch zumindest für eine Periode bestimmt, wenden wie die Deutschen ihrer Seele Sehnsucht nach Asien, nach Halbasien, in die Länder der Innentiefe und des dunklen Chaos. So drohen wir, deren Massen geistig und numerisch in Ländern leben, die sich heute für Asien zu entscheiden scheinen, von dem nährenden Quell abgeschnitten zu werden, den Europa darstellt. Für uns, die wir wahrhafter als die Deutschen im Oriente wurzeln, eine doppelte Gefahr . . . Spire aber hofft, daß in Palästina ein Volk aufwachsen werde, . . . Qui a tant appris sur les routes du monde Qu'il n'aura plus peur de son vieux pechö. Et qu'il laissera ses yeux indulgents Jouir des mouvements, des lignes, des formes Que jadis il nommait üne abomination; Un Peuple oü il y aura des peres et des meres, Mais aussi des gar<;ons amoureux Et des jeunes Alles dansantes, Des fronts tenaces, des mains saillantes, Mais des mains caressantes aussi, Qui sauront disposer les soies et les laines, Qui broieront les couleurs, pötriront la glaise, Et glorifieront dans le marbre Ta beaute, Israel! Was unsere Weisen einer Zeit, da ihnen Europa näher als heute war, in der Ausdeutung einer Genesisstelle in die schönen Worte faßten: 37*