Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 9
- Article
- André Spire
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 569 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Andre Spire 569 — C'est pour du pain, c'est pour des terres? Par quoi ces hommes vivaient-ils? Une bSche, un manche de charrue N'ont-ils.pas fait le cal de leurs mains? . . . Lequel d'entre eux ne s'est pas attardö une fois devant sa glace, A lisser ses cheveux, k soigner sa cravate Pour que sa voisine ä la messe le regarde, Lui et non pas un autre? ... NVtil pas achete un beau chäle ä sa femme, Un sautoir, une montre en or, du linge et des armoires Pour qu'un jour on dise de ses Als, de ses Alles: „Iis sont Wen de chez eux". Et n'a-t-il pas reve que la terre du voisin Serait un jour sa terre? . . . Vers le front les camions montent .... (So menschlich tief dies empfunden ist, möchte ich doch Spire fragen, ob er nicht fühle, daß die Kleinen für ihre kleinen Verbrechen schwer, die Großen für ihre großen Verbrechen, wenn nicht belohnt, so doch nur leicht gestraft werden; daß man sich wie Spire oft selber, eher zehnmal in Liebe zu den Kleinen beugen als einmal den Zorn gegen 'die Großen vergessen dürfe.) Keines Volkes Schicksal ist vom Kriege so vielfach berührt worden wie das des jüdischen. Spire verfolgte mit inniger Erwartung alle Wendungen*). Die Deklaration Balfour bewirkte seinen Anschluß an „den Zionismus. Er entfaltete Monate hindurch eine rege Tätigkeit. Er gründete die „Liga der Freunde des Zionismus", als deren Mitglieder er einflußreiche Kreise der französischen Intelligenz zu gewinnen wußte, gab eine Monatsschrift „La nouvelle Palestine" heraus, veröffentlichte Broschüren, hielt Vorträge. Er begleitete auch die zionistische Delegation bei ihrem Erscheinen vor der Friedenskonferenz. Als die amerikanische Ärztemission auf ihrer Reise nach Palästina 1918 durch Paris kam, begrüßte Spire sie mit einer Ode „A la nation juire", einem Glaubensbekenntnis, von dem wir noch sprechen werden. In seinen letzten Gedichten**) gibt Spire das ganze ungeheure-vielgestaltige Leben. Es tut wohl, an seiner Hand zu wandern, denn seine Augen, täuschungslos klar, ohne Illusion, ohne Hoffnungen, sehen doch alles in seiner Schönheit, sehen mit Liebe all diese Dinge, deren innere Fremdheit sie kennen, und die sie doch beständig anlocken. Zorn und Mitleid in ihm finden ihren Ausgleich, ihren stets erneuerten Kampf in Versen, in deren Sprache noch der heiße Atem des Erlebten uns anweht. " Alles ist gleicherweise da: die von der Anstrengung glühenden Körper der Sportsleute in der winterlichen Schweiz, die Einsamkeit in Schnee versunkener Dörfer, die Pracht des *) „Les Juifs et la guerre", 1917. Ein Kriegsbuch und daher ein schwaches Buch. **) „Le Secret« (Nouvelle Revue Francalse 1919) und „Tentation" (C. Bloch, 1920). Heft 9 07