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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 9 · p. 565

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 9
Article
André Spire
Date
1921-01-01
Page
565 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Andre Spire 565 nicht von jenseits zu seinem Volke: aus seinem Innern, aus dem Erbgedächtnis seiner Seele steigt es ihm auf. Und die soziale Hoffnung wird ihm auch an diesem Proletariate zuschanden werden. In Straßburg ist es, um die Zeit des Osterfestes 1905, in jener Stadt, wo die Juden viel gelitten hatten, da erscheint ihm das „Alte Gesetz". Ihm, der gewähnt hatte, gleich den andern das heiter-anmutige Leben französischhellenischen Geistes lieben zu können, sich ihm hingeben zu dürfen, die Schönheit zu verehren, Museen der Grazie, Blumen des Luxus, die betörende Symphonie der Klänge und Töne des rauschenden Lebens, kommt die Erkenntnis, daß zu jung schon seine Stirne sich zur Traurigkeit und zum Schmerz geneigt hat, daß sein Herz schlägt, wenn er Stimmen hört, die etwas rauh sind, Hände sieht, die fiebrig erregt zittern, und wenn der Bruder, der sich als sein Gleicher erklärt, von ihm Hilfe fordert. „Du wirst die Kraft und die Kühnheit singen wollen; du wirst nur die Träumer lieben, die waffenlos dem Leben gegenüberstehen. Du wirst versuchen, die fröhlichen Gesänge der Bauern, die brutalen Märsche der Soldaten, die graziösen Tänze der Mädchen zu hören; dein Ohr wird aber nur die Wehklagen vernehmen, die von den vier Ecken des Weltalls aufsteigen." So singt ihm das Alte Gesetz, Ahnenbestimmung, Träumerschicksal. Die erste Ausgabe seiner jüdischen Dichtungen1) widmet er Israel Zangwill, Theodor Herzl, Max'Nordau, Bernard Lazare . . ., allen denen, die für die Hebung der jüdischen Ehre leben, kämpfen, starben. Jüdisch im rein Stofflichen sind nur die drei letzten Gedichte darin: Der Dichter hat die Pogrome miterlebt, die Wehrlosigkeit des Volkes, das nur auf Gott vertraut. Er ruft ihm zu, Zutrauen zur eigenen Kraft zu haben, sich zu bewaffnen,. Widerstand zu leisten. Aber die Ältesten Israels antworten ihm klagend, aus ihrer Erfahrung der Jahrhunderte, daß nur das zweideutige Lächeln unterwürfiger Lippen sie retten könne. Da weiß der Dichter nur einen Rat: den Auszug aus dem Hause der Knechtschaft: „Nimm deine Hacke, Israel; schlage die alten Bäume; nimm Spaten und Karst, brich jungfräulichen Boden; errichte Häuser, Farmen, Weiler; weide die Herden, säe, pflanz, ernte . . Et parmi le miel de tes abeilles, Le lait de tes brebis, le raisin de tes vignes, Tu verras se dresser, convalescente et jeune, Ta flerte, Israel! Die anderen Gedichte des Bandes sind Schreie des Jahrtausende alten Kampfes jüdischer Seele, dessen Symbol die Legende von Jonas ist, dessen ganzes Wesen vor dem Auftrag Gottes zurückbebte, dem großen Sündenbabel das Richterwort des Herrn zu bringen, und der vor Gott in die Einsamkeit flüchten wollte, in die Wüste, ins Meer; aber den das Meer selber an sein Ziel ausspie und an Gott auslieferte. Es ist die Rasse, die von der Idee "~~r~TiiTerschien unter dem Titel „Versets« gemeinsam mit den Gedichten „Et vous rieza 1908 im Verlag des Mercure de France.

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