Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 558 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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558 Samuel Rappaport: Aus dem religiösen Leben der Ostjuden der J das strehge Urteil verhängt wurde, über Z [neuer Name] Sohn (Tochter) der J ist es nicht gesprochen worden. Deswegen ist er (sie) nun ein(e) anderer (andere) und nicht der(die)selbe, der (die) mit dem ersten Namen benannt wurde. Ebenso wie sein (ihr) Namen geändert wurde, ebenso soll sein (ihr) Urteil geändert werden von Verdammung zu Erbarmen, von Tod zu Leben, von Krankheit zu voller Genesung für Z [neuer Name] Sohn (Tochter) der J. Im Namen aller Namen, die da geschrieben stehen in dieser Torahrolle, im Namen aller Bezeichnungen (Gottes), im Namen aller Engel, denen die Heilungen und Rettungen obliegen, mögest Du schnell eine volle Genesung schenken Z [neuer Name] Sohn (Tochter) der J, daß Du seine (ihre) Tage und Jahre lang werden lassest, daß er (sie) seine (ihre) Tage verbringt in Gutem, in Stärke und Frieden von nun an bis in alle Ewigkeit. Amen. Selah." In den vom SchLuH für die Namensänderung empfohlenen Gebeten heißt es u. a.: „Er (sie)— d. h. der Kranke — erscheint nun wie ein anderer Mensch, wie ein anderes Geschöpf und wie ein neugeborenes Kind, das zu frohem Leben, langen Tagen und Fülle von Jahren und Zeiten erst jetzt auf die Welt gekommen ist." usw. (Kizzur Schluh a. a. O.) Neben dem üblichen Sagen der Psalmen für die Genesung des Kranken ist es auch in diesem Falle Brauch, aus dem Psalm 119 diejenigen Verse der Reihe nach zu sagen, deren Anfangsbuchstaben dem neuen Namen des Kranken gleichen. Trifft es sich, das der Kranke nach längerer Zeitdauer wieder erkrankt, dann bekommt er wieder einen anderen neuen Namen. R. Izchak Lampronti (lebte im achtzehnten Jahrhundert in Ferrara, Verfasser der berühmten talmudischen Enzyklopädie Pachad Izchak) erzählt, daß er bei zweimaliger Erkrankung jedesmal einen neuen Namen bekommen habe, so daß er nach seiner letzten Genesung drei Namen trug u. zw. Izchak [alter Name], Chaim und. Rafael (Pachad Izchak Buchstabe Sch. Berlin 1887 Blatt 277 Seite 2). Im Osten kömmt es auch mitunter vor, daß man bei wiederholter schwerer Erkrankung jedesmal einen neuen Namen bekommt, doch ist diese Erscheinung nicht häufig. Wenn auch der alte Name dem Kranken nach seiner Wiedergenesung im Kreise seiner Familie wie im allgemeinen weltlichen Verkehr als Rufname bleibt und er nur mit diesem bezeichnet wird, da es doch schwer fallen würde, einen erwachsenen Menschen mit einem neuen Namen anzurufen, so ist es doch nach vielen Diskussionen und Meinungsäußerungen in der rabbinischen Literatur allgemein anerkanntwofden, daß ein neuer einem Kranken verliehener Name als dessen Hauptname zu betrachten ist und daß ihm bei allen rituellen Gelegenheiten der Vorrang vor dem alten Namen gebührt und er immer an erster Stelle zu setzen ist. In diesem Sinn wird auch der wiedergenesene Kranke bei jedem frommen Anlasse wie auch beim Aufrufen zur Torah mit Vorsetzung des neuen Namens vor dem alten gerufen. Insbesondere bei Ehescheidungsbriefen, wo es auf die allergenaueste und peinlich-minutiöseste Bezeichnung der Ehegatten ankommt, blieb es von den