Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 557 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus dem religiösen Leben der Ostjuden 557 Bedacht genommen werden, daß darin kein Buchstabe vorkommt, der vermöge des in ihm enthaltenen Urelementes die Krankheit nachteilig beeinflussen könnte. Wenn z. B. jemand an einer Krankheit leidet, als deren primäre Ursache „Hitze" d. h. stark erhöhte Körpertemperatur erkannt wird, von deren Schwinden die Genesung des Kranken abhängt, dann darf kein Name gewählt werden, der auch nur einen, geschweige denn mehr, Buchstaben der ersten Gruppe (Feuer) enthält, da ein solcher Buchstabe kraft des ihm innewohnenden Urelementes Feuer, durch Erhöhung der Körpertemperatur, dem Kranken nicht nur nicht helfen, sondern im Gegenteil seinen Zustand noch verschlimmern könnte. In solchem Falle werden Namen gewählt, die die Buchstaben der dritten Gruppe (Wasser) enthalten, da Wasser das Feuer löscht und in dessen Folge die Herabsetzung der Körpertemperatur mit sich bringt, was den Verlauf der Krankheit günstig beeinflussen müsse. Bei Wassersucht z. B. werden Buchstaben aus der dritten Gruppe (Wasser) gemieden und solche aus der zweiten Gruppe (Luft) gesucht, da Luft das Wasser durch Verdampfung aufsaugt und zum Schwinden bringt. Ebenso werden bei bedrohlicher Atemnot, d. h. Namen, die Buchstaben aus der zweiten Gruppe (Luft) enthalten, gewählt usw. (Schaare Zion, Ausgabe Lublin 1913 Seite 133.) Über Empfehlung mancher Kabbalisten aus der Schule R. Izchak Lorjas werden von manchen, falls einer kranken Frau ein neuer Name gegeben werden soll, die Namen Rachel, Bat-Scheba, Tamar und Lea nicht verwendet, hingegen die Namen Channah, Sarah oder Jochebed für die Wahl bezw. für das Los in Betracht gezogen (ebenda). Nachdem nun der neue dem Kranken zu gebende Name bestimmt ist, wird eine Torahrolle, insofern sie nicht schon früher zur Auffindung des Namens bereit Hegt, aus der heiligen Lade genommen und die für Kranke üblichen Gebete und Psalmen, hierauf der traditionelle Segensspruch für die Genesung von Kranken (Mi-Scheberach) gesagt und die bei der Verleihung von Namen an Neugeborene übliche Formel „und sein (ihr) Name werde genannt in Israel . . eingeschaltet, wobei schon der neue Name genannt wird. Dadurch erscheint die Namensänderung vollzogen. Nachdem nun der Kranke von der versammelten Betgemeinde einen neuen Namen erhalten hat, werden nun für dessen Genesung wieder Psalmen und Spezialgebete, in welchen Gebeten der Kranke schon mit seinem neuen Namen bezeichnet, wird, gesagt. In einem dieser nach vollzogener Namensänderung zu rezitierenden Gebete heißt es u. a.: „Und wenn es in Deinem gerechten Gerichte über ihn (sie) — d. h. den Kranken — beschlossen war, daß er (sie) an dieser Krankheit sterben solle; da haben aber unsere heiligen Weisen gesagt: drei Dinge zerreißen ein böses über einen Menschen verhängtes Urteil und eines dieser drei Dinge ist die Aenderung des Namens, daß man den Namen des Kranken ändere. Wir sind ihren Worten nachgekommen und sein — d. h. des Kranken — Namen ward nun geändert. Nun ist erein völliganderer. Und wenn über X [alter Name] Sohn (Tochter)