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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 9 · p. 551

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 9
Article
Ziele und Aufgaben der jüdischen Geschichtsschreibung
Date
1921-01-01
Page
551 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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__ Ziele und Aufgaben der jüdischen Geschichtsschreibung abschließen, als eine Einheit angesehen werden; von der politischen und sozialökonomischen Seite betrachtet, stellt sie sich als die P er i o d e der beginnenden Zerstreuung nach der geistigen Seite hin, als die Periode der national-geistigen Einigung in dem Schrifttum dar. Die seit der babylonischen Verbannung begonnene, zunächst auf wenige Exilzentren sich beschränkende, je näher der staatlichen Vernichtung umsomehr um sich greifende Zerstreuung erhält durch den von den Römern gegen den judäischen Staat geführten Todesstreich ihren mächtigsten Motor. In Babylonien, das für einige Jahrhunderte zum hervorragendsten Zentrum wird, in den römischen Kolonien, in Italien und darüber hinaus in den verschiedenen europäischen Staaten sammeln sich die Vertriebenen, einen spärlichen Rest in der Heimat zurücklassend, der sich bald vermehrt, bald vermindert. Die Richtung des Geschichtsverlaufes ist, staatsgeschichtlich betrachtet, zentrifugal geworden, aber sie ist es bekanntlich nicht in dem Sinne, daß das jüdische Volk zu existieren aufgehört und unter den anderen Völkern spurlos verschwunden wäre. Obwohl die Geschichte der Juden im Galuth aufs innigste mit den Schicksalen der Staaten, in welchen sie lebten, verbunden bleibt, und obwohl diese Teilentwickiungen von einander in verschiedenen Beziehungen abweichen, gibt es doch gemeinschaftliche Orientierungslinien, die nach dreifacher Richtung überall, wo Juden sich niederlassen, sich geltend machten. Eugen T ä u b 1 e r hat für diese Prozesse die Begriffe Siedelung, Assimilation und Eigenart gewählt, wir wollen sie, dem Sinne nach nicht wesentlich verschieden, als den politischen, den sozial-ökonomischen und den national-kulturellen Prozeß bezeichnen. Der politische Prozeß zeigt die Art und Weise, wie der Staat die Verhältnisse der Juden, ihre Eingliederung unter die übrigen Schichten zu regulieren suchte, die natürlich nach den Motiven, die ihr zugrunde liegen, verschiedenartig gestaltet wird. Nicht die landesherrliche Gnade oder Ungnade ist dabei das entscheidende, sondern der Zweck, den der Staat überhaupt und im besonderen mit dem für . ihn unter mannigfachen Gesichtspunkten nicht gleichgültigen jüdischen Elemente verfolgt. Aber ob es sich dabei um ein als nützlich oder schädlich erkanntes Element handelt, ob der Staat nun aus diesen oder anderen Gründen die Verschmelzung oder Äbstoßung der Juden erstrebt, immer handelt es sich um eine von außen kommende Einwirkung, In den Staaten, die die Juden im Einklänge mit ihrer Politik aufzunehmen und zu dulden gewillt waren, wird die Verschmelzung auf diesem Wege angestrebt. Das jüdische Element ist dabei passiv, Objekt der Gesetzgebung. Seine Aktivität tritt erst in dem zweiten Prozeß, dem sozialökonomischen, hervor. Wenn auch dieser mit dem politischen verknüpft bleibt, so betätigt sichhier erst der Jude geschichtlich handelnd im Rahmen des Staatsgesetzes und darüber hinaus. Das Aufeinanderprallen von Jüdischem und Nichtjüdischem, die Verquickung beider Elemente in den verschiedensten gesellschaftlichen Äußerungen macht mit den Inhalt dieses Prozesses aus. Der Jude sucht die Einfügung in das soziale Leben, die Gesellschaft gewährt oder versagt

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