Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Ziele und Aufgaben der jüdischen Geschichtsschreibung
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 547 (sequence 3)
- Language
- German
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Ziele und Aufgaben der jüdischen Geschichtsschreibung 547 suchen büdlicher Darstellung von Tierfiguren. Stellenweise erhebt sich diese Phantasiebetätigüng auf technischem Gebiete schon weit über die primitive Technik, wie der Tunnelbau von Gezer beweist. So ist, wenn wir diese Einzelzüge zu einem Gesamteindruck zusammenfassen, für das Seelenleben der Urzeit und Vätergeschichte das Gleiche, wie auch bei anderen Völkern festzustellen: es bewegt sich im wesentlichen in den Formen, die man als Symbolismus bezeichnet hat Eine gewaltige geschichtliche Bewegung bereitet sich vor. Die Abwanderung israelitischer Stämme nach Aegypten, wohl infolge von Nahrungsmangel, führte zu einem Zusammenstoß der national und kulturell verschiedenartigen Elemente. Die Heranziehung zur Fronarbeit bei dem Städtebau (Pitom und Ramses) mochte dem nationalen Stolze einen schweren Schlag versetzt haben. Aber das allein genügte wohl nicht, um die Auflehnung gegen Aegypten zu bewirken. Diese war keine isolierte Erscheinung, sondern stand in Verbindung mit der das Pharaonenreich bedrohenden Völkerbewegung, welche nach der Regierung Ramses' II. einsetzte, die es nicht vermocht hatte, Aegypten die ehemalige Vorherrschaft in Asien zu erwerben. Das Land Gosen bot Israel reichlich genug Vorteile wirtschaftlicher Art, um die moralisch gewiß sehr drückende Knechtschaft dafür.in Kauf zunehmen, und es wäre kaum eine Aenderung erfolgt, würde Israel nicht in die ägyptenfeindliche, revolutionäre Welle verstrickt worden sein. Etwa in der zweiten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts vollzog sich wahrscheinlich diese Auflehnung, die unter den Israeliten durch Abgesandte ihrer kanaanitischen Brüder noch genährt seih mochte. Der Auszug aus Aegypten ist sicherlich zum Teil eine Folge weltpolitischen Geschehens, das damals und in späteren Tagen immer wieder in die Geschichte Israels eingegriffen hat. Die großen Erlebnisse des Auszuges, die Religionsstiftung Moses, des ersten israelitischen Propheten, in ihrer universalen und nationalen Bedeutung wurden von weittragender geschichtlicher Wirkung, weil sie erst die Volkseinheit schufen und das Fundament des nationalen Lebens bildeten. Mit der Eroberung Kanaans, mit der Erlangung eines eigenen Territoriums erhielt das werdende Volkstum festumrissene Neugestaltung, der Israelit erkannte seine typische Wesenheit, seinen Beruf, er wird zu einer spezifischen Eigenart. Wie bei anderen Völlcern, so wird auch hier den großen nationalen Ereignissen im Helden- Hede ein Denkmal gesetzt, weiches das nationale Erwachen in charakteristischer Art verherrlicht. So kann man diese zweite Periode der altisraelitischen Geschichte, die mit den Erlebnissen in Aegypten ihren Anfang nimmt, mit dem modernen Ausdruck der Sozialpsychik als T y p i s m u s bezeichnen. Von. der Seite der politischen Entwicklung her betrachtet, haben wir es mit der Periode, der Begründung der Nationeinheit zu tun. Doch wir stehen erst am Beginn einer solchen Entwicklung. Noch ist das Land nicht erobert, noch muß das Gewonnene gegen Angriffe verteidigt werden, noch hat das Volk sich in die neuen Verhältnisse nicht harmonisch eingefügt, noch sind die Dinge in ständigem Flusse. Und so geht denn mit